Betreff des Beitrags: Roman von Exokomp: "One to deal with"
Verfasst: Di 7. Okt 2008, 12:41
Commander
Registriert: So 28. Sep 2008, 21:10 Beiträge: 521
Als ich mit dem Studium anfing, habe ich schon bald gemerkt, dass ich abends etwas zum Ausgleich brauche, da ich immer schlechter einschlafen konnte. Also entwickelte ich 2005 die Angewohnheit, endlich mal aufzuschreiben, was ich gerne in Star Trek sehen würde. Heraus kam 3 Jahre später dieser Roman. Würde mich sehr freuen, wenn ihr mir bei Fehlern helfen könntet (zum Beispiel habe ich Namen sehr oft geändert und muss noch suchen, wo ältere Versionen geschrieben stehen. Synn Paihet war früher Sean Penn, bis man mir sagte, dass es bereits einen Schauspieler mit diesem Namen gibt. Und das Raumschiff Saint Helen wurde zur Saint, nachdem man mir sagte, es sei der Name eines Berges). Das erste Kapitel scheint sehr wenig mit Star Trek zu tun zu haben, aber das gibt sich schnell. Ich suche auch immer noch einen guten deutschen Titel für den Roman.
Klappentext für das Buch:
Im Jahre 3055 existiert ein Geschöpf, dessen Macht sich weit über die Grenzen unserer Galaxie ausgebreitet hat.
Nur ein Ziel ist ihm geblieben: Die Vereinigung mit der letzten seiner Rasse. Oder die Auslöschung des Universums. Doch etwas steht ihm im Weg: Die Menschheit.
Ducan Tempes und die Crew der Jubin müssen herausfinden, was die Zerstörung des Raumschiffs Saint sowie die Vernichtung der gesamten Bevölkerung des Planeten Drahl 5, mit den dunklen Plänen der göttlichen Entität zu tun haben. Und sie sind nicht allein:
Aho Melan und seine gigantische Armee verfolgen das Wesen seit Anbeginn der Zeit.
Wird jemand dem Bösen Einhalt gebieten können?
***
Prolog: Phoenix rising
29.08.3055 10:36:16 Im All ist die Stille allgegenwärtig. Wenn ich daheim sitze in meinem Lieblingssessel mit den dick gepolsterten Armlehnen und mir die Sonne das Gesicht wärmt, während draußen unmerklich einige Vögel ihr Lied in der Ferne anstimmen, dann könnte man meinen, es sei still. Doch in Wahrheit bietet nur das All Stille. Egal, ob man sein Gefühl oder die Physik befragt, es existiert einfach kein vollkommenerer Eindruck von Stille als das Vakuum des grenzenlosen Weltraums dank seines scheinbaren Friedens. Oder auch seiner anmutenden Selbstzufriedenheit.
Der Mensch braucht die Stille. Er sucht sie, mit vielen Mitteln. Man will das, was man nicht hat. Und sucht meist vergeblich.
Meditation. Das Sinken des Lärmpegels unter ein hörbares Niveau. Plumpe Taubheit. Aber selbst hier spreche ich nie von Stille. Stille, das ist das All. Und nur das All.
Kapitel 01: Willkommen
Außer auf Aphron. Aphron ist die Stille. Ein Sinnbild von Ruhe unter den unzähligen Planeten dieses Universums. Allein um Aphron zu finden ist mehr notwendig, als an den nächsten Touristeninformationsstand heranzutreten und sich über einen sandigen, heißen und wenig besuchten Planeten zu erkundigen. Wer als Tourist etwas erleben möchte, hat mehr als genug Möglichkeiten, die Wunder unserer Galaxie zu bestaunen. Mehr, als man in einem Leben schaffen kann. Und selbst ich muss zugeben, dass, wenn es um leibliche Genüsse geht, ich die Erde auf jeden Fall Aphron vorziehen würde. Nun sollte ich aber doch einen Grund dafür angeben, mich auf Aphron zu befinden, wenn man mich nicht für völlig unzurechnungsfähig ansehen soll. Der Grund ist mein Sohn. Ashmodai. Ich schätze jetzt fangen sofort die völlig unbegründeten Vermutungen an. Wurde er entführt? Nach Aphron verschleppt und ich reite heroisch zu einem völlig nutzlosen Planeten am Rande des bekannten Raums um ihn zu retten? Oder gibt es hier eine dunkle Kraft, die alles auszulöschen droht, was uns definiert? Nein. Mein Sohn geht neben mir. Und Aphron ist genau das, was der Planet zu sein scheint – eine Wüste. Jedenfalls soweit ich dies beurteilen kann. Der Grund für mein Hiersein ist spiritueller Natur. Zwar bin ich ein Mann des Glaubens, was heutzutage eine Seltenheit ohnegleichen ist, weiß doch weder ein Außerirdischer noch die Menschheit noch genau, was eine Religion darstellt. Doch ich habe mich angepasst und es wie so viele gemacht: Ich erfand meine eigene Religion. Ein Zusammenschluss aller wichtigen Lehren und Richtlinien, die ich in meinem Leben für richtig halte und die ich zelebriere. Stille ist ein Teil davon. Ich will meinem Sohn keinerlei Schranken auferlegen. Er soll seine Freiheit, seinen größten Reichtum, nicht durch mich geschmälert sehen. Trotzdem halte ich es für richtig, ihn anzuleiten und ihm die Wege zu zeigen, die ich kenne. Und zu hoffen, dass ich richtig handle. Ashmodai ist mein einziger Sohn. Er ist menschlich, hat dunkle Haare wie ich und seine Jugend lebt er so aus, dass mein Herz keine größere Freude je erlebte. Seine Mutter ist ein schwieriges Thema. Um die Wahrheit zu sagen, Ashmodais... Moment. Ich halte und wende mich an meinen Sohn: „Dai?“ Es ist soweit. Ashmodai hebt seinen Kopf zu mir empor und ich bekomme leichte Gewissensbisse, wenn ich sehe, wie ihm die Schweißtropfen von seiner Stirn rinnen. Erschöpft und leise antwortet er mir, zu mir herauf blickend, mit einem fragenden Stöhnen: „ Pan, wir laufen jetzt schon seit zweieinhalb Stunden in dieselbe Richtung. Ich fühl mich als hätten wir den Planeten umrundet. Können wir nicht Pause machen?“ Quengeln ist etwas, dass wohl jeder kennt, der sich ein Elternteil nennen darf. Doch Ashmodai hat allen Grund dazu. Mein Blick heftet sich erneut an einen bestimmten Punkt in der Ferne. Ich gehe neben meinem Sohn in die Knie und zeige mit dem Finger zum Horizont, den linken Arm um Ashmodais Schultern: „Dai, sieh zum Horizont!“ Endlich. Ich hatte schon Angst keinen mehr zu finden. Die seelische Narbe, die die erfolglose Wanderung auf diesem Planeten meinem Jungen zugefügt hätte, weicht als erschreckende Unsicherheit dem Ziel am Horizont. Leider habe ich mit der Zeit verlernt zu weinen. Sonst würde mir kein besserer Moment einfallen, als jetzt vor Glück eine Träne zu verlieren, wenn ich sehe, wie Ashmodai seinen müde gewordenen Kopf hebt und seine Augen den ersten Lichtstrahl der Ruhe begreifen. „Pan?“ Die Hitze scheint verflogen zu sein. „Was ist das?“ Mit seinem kleinen Finger zeigt er in die Ferne, mimt meine vorherige Geste nach. Das muss ich ihm noch abgewöhnen, bevor es zur Gewohnheit wird. „Das, mein Junge, ist der Grund, weshalb wir hier sind.“ Der Horizont ist durchzogen von rotgelben, horizontal gepressten Streifen, die die unbändig heiß gewordene Luft repräsentieren. Der Flirreffekt versagt uns die ersten Eindrücke dessen, was uns bevorsteht. Doch all das gehört zu diesem Moment. Wir müssen nicht handeln. Nichts kann mehr schief gehen. Die Stille des Alls versichert es uns. Und sie bewegt sich auf uns zu.
Kapitel 02: Schiff und Stern
Einige Momente vor Sonnenaufgang. Wir befinden uns im Orbit des Planeten -Erde-, 72 Parseks von Beta Onija entfernt. Ort der Handlung: Orbital Center 12. Synn Paihet, kommandierender Offizier der "Saint", befindet sich auf der Beobachtungsplattform 17, neben dem Haupträumen für Sauerstoffversorgung und Abgasrecycling für Orbital Center 12. Obwohl der Raum beeindruckt durch seine Weite von mehreren Quadratkilometern, die nur ab und zu von einigen Säulen unterbrochen wird, ist Captain Paihet nur an einem interessiert: Synn ist hier, um ein weiteres Mal sein Leben den Sternen anzuvertrauen. Er steht vor einem der großen Panoramakraftfelder, die einen ungetrübten Blick in die Weite des Alls ermöglichen und wie immer wenn es um eine Mission mit ungewissen Ende geht, bittet er das Weltall vorher um seine Gnade und betet dafür, dass ihm das Glück nicht von seiner Seite weichen wird. Synn Paihet ist mittlerweile 65. Ein stolzes Alter, betrachtet man die Tatsache, welche Einsätze er bereits hinter sich gebracht hat. Captain Paihet war maßgeblich am Erfolg der Umsiedlung der Borgkolonien 50 bis 1099 verantwortlich. Mit 42 war er Zeuge der ersten künstlichen Supernovafusion. Ein Prozess, der von seinem Team zwar initiiert wurde, aber immer noch andauert. Und das noch für einige Millionen Jahre, bis die beiden kollidierenden Sonnen die Energie einer Nova um vieles in den Schatten gestellt haben werden. Wer könnte sich ein größeres und schöneres Leuchtfeuer vorstellen um seinen Namen in die Geschichtsbücher zu brennen? Synn Paihet ist Tellarit. Sein Gesicht zeigt die typischen Merkmale seiner Spezies mit einigen Ausnahmen. Zum Beispiel ist Synn völlig ohne Kopfhaar, was bei einigen, die ihn nicht so gut kennen, schon mal für Gelächter sorgt. Tellariten behalten ihr Haupthaar ihr gesamtes Leben lang und im hohen Alter sind natürliche Haarwuchsschübe eine Normalität. Doch Paihet hat sich bereits in jungen Jahren sein Kopfhaar entfernt und blieb dabei bis zum heutigen Tag. Seine faltige Haut, die platte, leicht angedeutete Nase und seine Augen, die so weit in ihren Höhlen sitzen, dass man meinen könnte, sie würden überhaupt nicht existieren, identifizieren ihn aber unzweideutig als Tellarit mit einer beeindruckenden Geschichte. Paihets Schiff stammt noch aus einer Zeit, als man die eigene Galaxie noch nicht verlassen konnte. Sechs Captains und sieben Crews dienten bereits auf der USS Saint. Nach heutigem Maßstab ist das Schiff nur noch reif für das Museum, doch Synn Paihet sieht das auf jeden Fall anders. Das merkt jeder, der ihn schon mal auf seinen „veralteten Kutter“ angesprochen hat. Merken sie sich eins: Ein Tellarit kann noch so sehr den Standards der Menschen angepasst werden, doch wer ein Tellarit ist, der wird in einem mündlichen Streit immer die Oberhand behalten. Zwar nicht mit Argumenten, aber sicher mit der Kuriosität der Beleidigungen.
Die Saint ist, wie sich einige aus dem Namen vielleicht schon herleiten konnten, ein Raumer für medizinische Aufgaben. Egal ob vor tausend Jahren, heute oder in der Zukunft: Es wird immer Krankheit, Krieg und Not geben. Und die Rettung wird nicht selten in Form eines Raumschiffs wie der Saint herbei eilen. Eigentlich gibt es 3055 nur noch vier Arten von Schiffen, wenn wir die unglaubliche Masse von unbekannten und außerirdischen Schiffen außer Acht lassen. Zuerst einmal die Front Shifter: Kleine Ein-Mann-Schiffe, deren einzige Aufgabe darin besteht, den Frieden durch Waffengewalt durchzusetzen. Das mag sich zuerst hart anhören, funktioniert aber recht gut, überlegt man sich, dass es die letzten 2000 Jahre keine nennenswerten Schlachten um Territorien oder Ansichten gegeben hat. Als Nächstes wären die Mutterschiffe zu nennen. Sie sind die größten Ansammlungen von Stahl und Elektronik, die im All zu finden sind. Ausgerüstet, um mehr Lebensformen Platz zu bieten als ein Planet und um mehr Energie bereit zu stellen als eine mittlere Sonne. Ihre Ausmaße sind zum Teil wahnwitzig. Dann gibt es noch die Forschungsschiffe. Sie sind die Schiffe, an die Synn Paihet mit besonderen Gefühlen denkt. Die Glanzlichter der menschlichen Schaffenskraft. Wunderschön im Design und schon seit Jahrtausenden mit demselben Auftrag: Dem Schicksal und der Menschheit zu dienen. Diese Schiffe sind es, welche die größten Abenteuer erleben und die für den meisten Unterhaltungs- und Gesprächsstoff daheim sorgen. Welche Schiffe noch fehlen? Na die Saint z.B. Sie gehört zu den Restposten. Den Schiffen, die übrig geblieben sind aus längst vergangenen Tagen. Viele wurden verkauft oder eingestampft, doch es gibt auch einige, die ein solches Schiff privat wieder aufpoliert haben und nun ihr persönliches kleines Abenteuer zwischen den Sternen erleben. Synn denkt mit gemischten Gefühlen an einige seiner Freunde, die genau diesen Schritt machten und in diesem Moment wahrscheinlich gleich in mehreren lebensbedrohenden Zwickmühlen stecken. Doch er ist sich sicher, dass er sich keine ernsthaften Sorgen zu machen braucht. Dafür weiß er einfach zu genau, wie viel Spaß z.B. sein damaliger erster Offizier Ducan in solchen Situationen hat. Wenn Synn Glück hat wird er Ducan Tempes noch einmal sehen bevor Paihet in Ruhestand geht. Mit sehr viel Glück. Ein Gong durchbricht den Trubel in der Halle. Synn dreht sich um und wird sich erst langsam wieder klar, wo er sich befindet. Dutzende verschiedener Spezies und Tausende Personen in Anzahl tummeln sich hier um alltäglichen Freuden nachzugehen. Jetzt halten einige an, um der Nachricht zu lauschen. „155 Center 2. Nachricht für Lan Gebbit. Lan Gebbit bitte begeben sie sich zum Port 5. Eine Nachricht der Priorität 1 wartet auf ihre sofortige Antwort. Gebbit bitte an Port 5 melden.“ Für einen Moment befürchtet Synn man hätte seinen kurzen Freizeitaufenthalt kurzerhand abgebrochen, um ein weiteres Mal seine Meinung über ein technisches oder persönliches Problem einzuholen. Er konnte sich auf jeden Fall an keinen Urlaub erinnern, wo er nicht auf diese Weise gezwungen wurde seinen Dienst wieder aufzunehmen. Man sollte eigentlich meinen, dass das Universum mit der Zeit etwas ruhiger geworden wäre. Aber genau das Gegenteil ist der Fall. Synn begibt sich langsam in Richtung der Transportröhren. Während er noch überlegt, weshalb ein Bajoraner so weit weg von seiner Heimat eine Nachricht der Priorität 1 erhält, steigt Captain Paihet in die Transportplattform. Dass es sich bei Lan Gebbit um einen Bajoraner handelt, ist offensichtlich. Schließlich ist Gebbit ein sehr traditioneller, alter bajoranischer Name. Ein leichtes Kraftfeld umschlingt Synns Körper und schützt ihn vor der Reibung. Mit einem Ruck und dem Geräusch der als Gas ausströmenden Startflüssigkeit in den Ohren beginnt seine Sekunden dauernde Reise in den Kern der Anlage, zirka 5 Kilometer vom Erholungsdeck entfernt. Er muss sein Ziel weder nennen, noch eingeben. Diese Röhre ist nur für die Crew der Saint und deren genetisches Profil benutzbar. Und sie führt nur an ein Ziel: Subknotenpunkt Delta. Von dort aus ist es nur noch ein kurzer Spaziergang bis zum Raumschiff.
***
„Hey, Chief.“ Hört man Synn Paihets brummige Stimme den Gang entlang hallen, als er sich gerade darauf vorbereitet von dem eher unbequemen Sitzpolster des Transporters befreit zu werden. Am Ende des Korridors sitzt einer seiner engsten Vertrauten bei einer seiner üblichen Tätigkeiten. Ingenieur Baracturum, Leiter der technischen Abteilung an Bord der Saint, sitzt, oder eher liegt (bei seinen Extremitäten kann man sich da nie sicher sein), inmitten von Geräten und Kabeln, den Kopf tief in den Eingeweiden einer Zugangsluke versteckt. „Wusste nicht, dass sie ab jetzt für die Wartungsabteilung dieser Raumstation arbeiten.“ lässt sich Paihet vernehmen. Baracturum scheint dieser Bemerkung keinerlei Beachtung zu schenken und arbeitet emsig weiter. „Hey, Chief!“ Paihet klopft jetzt mit seinen Fingern an der Getran-Legierung der Verstärkungsstreben um sich Gehör zu verschaffen. Doch erst als der Captain Baracturum an der Rückenpanzerung berührt, reagiert dieser: „dszteozzewzcdzefzgjzvzzr? Hört man aus Richtung der langen Streifen, die sich links und rechts am Gesicht des Insektoiden bis hinter den Schädel erstrecken. Doch Synn ist sich sicher, dass dies nicht seine Sprechorgane sind. Er kennt Baracturum lange genug, um zu wissen, dass seine Worte eher aus dem Hinterleib kommen und die Linien viel mehr zur Orientierung dienen. Um Baracturum zu zeigen, dass Synn mittlerweile keineswegs die Sprache des Volkes der Xindi erlernt hat, tippt er sich auf seine Ohren, woraufhin Baracturum sofort damit beginnt unter seinem Werkzeug und der Wandverkleidung nach seinem Universalübersetzter zu suchen. Synn hatte Baracturum schon mehrmals darauf hingewiesen, dass sich der Außerirdische einen Übersetzter implantieren lassen sollte, wie es die meisten Lebensformen bisher getan haben. Doch da Paihet selbst auf seinen Handübersetzer schwört und Baracturum als weitere Argumente anbringen könnte, dass seine Sprech- und Hörorgane zu weit voneinander entfernt liegen und er es bevorzugt, dass sein Chitinpanzer möglichst ohne Löcher bleiben soll, kann Synn Paihet nur kapitulieren. Jetzt endlich nimmt Baracturum Haltung an: „Captain!“ Verwirrt beugt sich Paihet über die Instrumente: „Wie ich gerade sagte: Warum zur Hölle sind sie nicht auf der Saint? Davis sucht doch bestimmt schon nach ihnen. Oder haben sie das Problem der Kristallsperre etwa schon gelöst? Und ihren Übersetzer zu deaktivieren ist nach wie vor keine akzeptable Handlungsweise.“ Baracturum besitzt zwar keinerlei Gesichtsmuskeln, die man zur Interpretation seiner Emotionen heranziehen könnte, doch Paihet fühlt, dass Baracturum schon etwas zerknirscht ist. Oder sich zumindest wünscht, dass sein Captain nicht ausgerechnet jetzt aufgetaucht wäre. „Nun, Ssir. Ich entsschuldige mich für mein Fehlverhalten.“ Diesen Satz streicht Paihet immer automatisch im Gespräch mit Baracturum. Irgendein Hirni auf der Akademie der Flotte machte wohl dieselben Erfahrungen mit Baracturums schlechten Angewohnheiten und trichterte ihm ein, immer diesen Wortlaut abzuspielen, wenn Baracturum merken würde, dass er in Schwierigkeiten steckt. „Leutnant Daviss hat von mir einen wundersschönen, neuen Krisstall erhalten und desssen Einbau ssollte bereitss vollendet sein. Ich war auf dem Weg zum Freizeitdeck, um die gewonnene Zeit ssinnvoll zu nutzen. Alss ich hier jedoch vorbeikam, regisstrierte mein Gehör eine Phassenvarianz im oberen EM Band, die offenbar ein Nebenprodukt einer Fehljusstierung im Kommunikationssnetzwerk war. Diess mussste ich bereinigen.“ Man konnte ja viel über Baracturum sagen, aber nicht, dass er sich vor harter Arbeit drückt. Auf seinem Gebiet ist er einfach unersetzbar. Ein weiteres Mal wundert sich Paihet, dass Baracturum, wenn er seine Muttersprache spricht, laute, schrille und vor allem schnelle Töne von sich gibt. Der Übersetzter hingegen gibt nur langsam die bloßen Sinnfetzen wieder. Paihet: „Buck, man könnte ja den Eindruck bekommen sie seien auf eine Beförderung aus.“ (Und wüsste man es nicht besser könnte man meinen Baracturum ungewohntes Gesicht würde ein Schmunzeln zur Schau tragen) „Diesen Fehler hätte man doch sicher bei der nächsten Standardinspektion bemerkt.“ Baracturum: „Vielleicht. Aber für mich gäbe ess auf dem Freizeitdeck keine Vergnügung, die auch nur anssatzweisse diessem Zeitvertreib gleichkäme.“ Mit einem Lachen lässt Synn Paihet den Xindi vor seinem Elektronikgewirr stehen und geht mit dem Ziel Andockbucht weiter. „Oh, und Captain?“ Als Paihet hinter sich Baracturum noch einmal hört, hält er kurz inne. „Ohne Überssetzer habe ich ein völlig anderess Hörverhalten. Ich deaktivierte ihn nur, um meine Konzentration zu ssteigern.“ Paihet dreht sich wieder Richtung Bucht: „Kein Problem, Buck. Manchmal wünschte ich, ich hätte den Trick auch drauf. Vor allen als Tellarit würde einem so was gelegen kommen.“
***
Schwärze. Das ist das erste, dass man sieht, wenn man versucht einen Bildschirmkontakt mit Raum 113a an Bord der Saint herzustellen. Neulinge könnten jetzt meinen, die Verbindung wäre gestört, doch Simmons lässt sich nicht täuschen: „Na gut. Du willst nicht auf Rufe reagieren? Dann schick ich dir mal was...“ Bei dem letzten Satz tippt Simmons auf die Aktivierungsfläche seiner Steuereinheit. Manny Simmons ist nicht nur ein Profi was Kommunikation angeht. Sein Bereich ist auch die Ops, wenn Anna Martall nicht zur Verfügung steht. Und somit kennt er sich natürlich bestens mit Computerprogrammen aus. Schnell hatte er sich in die nicht gesperrten Unterprogramme gehackt und übernahm soeben die Kontrolle über die Beleuchtung des Raums 113a: „Es werde Licht.“ Auf Simmons Bildschirm erstrahlt der Raum so hell, dass sich in Manny langsam Zweifel regen, ob dies die beste Art zu reagieren war. „Verdammt, Simmons!“ Okay, jetzt ist sich Simmons sicher, dass er Mist gebaut hat. Raum 113a ist reserviert für Erido und strengstens abgesichert was die Türschlösser angeht. Ihren Namen bekam Erido von Ducan, nachdem er sie das letzte Mal aus der Hölle geholt hatte. Es war auch ziemlich unbequem sich über sie zu unterhalten, ohne, dass sie einen Namen hatte. Ihr war gar nicht bewusst gewesen, was ein Name sei und welchen Nutzen er habe. Für Manny steht fest: Kein Grund sich näher Gedanken zu machen. Anscheinend hat es in ihrer Kultur ganz gut ohne geklappt. Unwichtig zu erwähnen, dass Manny Simmons genau wie der Rest der Mannschaft keinerlei Wissen über Eridos Kultur besitzt. Wenn Erido mal nicht auf einem Planeten zeigen kann, was sie drauf hat, ist sie meistens in Raum 113a zu finden. Dabei handelt es sich weniger um einen Raum als um einen stillgelegten, vertikal angelegten Wartungsschacht, der ungefähr drei Meter im Durchmesser misst und mindestens 10 Decks in die Tiefe führt. Erido ist eine Einzelgängerin. Die schlimmste, die Simmons je kennen gelernt hat. Doch im Gegensatz zu Synn Paihet versucht Simmons nicht, ihr diesen Teil ihres Charakters auszutreiben. Gerade ihre Dickköpfigkeit macht sie Manny sympathisch. Der Grund für Eridos „freundliche“ Begrüßung ist einfach: Auf dem Schirm, der Gott sei Dank nur für Manny einen kurzen Moment lang einsehbar war, konnte man Erido in ihrer typischen Pose erblicken: Auf dem Kopf stehend. Und weniger als leicht bekleidet. Bisher hatte sie sich noch nie über Kopfschmerzen aufgrund des ihr in den Kopf fließenden Blutes beschwert, aber wer konnte schon sagen, ob Erido überhaupt Blut besaß? Und schlussendlich befindet man sich ja auf einem Medizinschiff... Mit diesen und anderen Gedanken versucht Manny sich abzulenken, als ihm wieder einmal schmerzlich bewusst wird, wie anziehend er Erido findet. Aber das trifft wohl auf einen Großteil der männlichen Mannschaft zu. Eine schlimme Kombination: Erido ist jung, intelligent, hoch gewachsen, unabhängig, auf eine attraktive Art boshaft und wunderschön. Ihre verkümmerten Reste an hellbraunen, lederartigen Flügeln, die sie schnellstens um ihren Körper schlingt um Simmons Blicken zu entkommen, haben nicht wirklich eine sinnvolle Aufgabe. Schließlich ist es Erido möglich auf bestimmte Art und Weise auf die Realität einzuwirken, was es ihr ohne Probleme ermöglicht, auch ohne voll ausgebildete Flügel zu fliegen. Erido hat eine lange Evolution hinter sich. Doch laut Ducan ist ihre Entwicklung auch mit ihren Fähigkeiten weit hinter der der Menschen zurückgeblieben. Ducan will damit weder verletzend noch arrogant wirken, sondern er ist einfach der Typ, der immer laut ausspricht was er denkt. Wenn man damit umgehen kann, hat man einen Freund fürs Leben gefunden. Manny vermisst den Mann, der ihn mit Synn Paihet bekannt machte und dafür sorgte, dass Manny wieder eine Aufgabe bekam. Vor 14 Jahren lag Simmons noch in seiner Wohnung, blickte an die Decke und schätzte ab, wie lange es wohl dauern könne zu verdursten. Und jetzt kann er nur noch hoffen lange genug zu leben, um Ducan noch einmal zu sehen, bevor Erido Manny aus der nächsten Luftschleuse wirft. Simmons hat den Kontakt schnellst möglichst beendet, was ihm hoffentlich noch eine Gnadenfrist einbringen sollte. In diesem Moment öffnet sich der Hauptturbolift und Synn Paihet betritt den Kontrollraum, die Brücke seines Schiffes. Mit einem saloppen „Willkommen zurück, Sir.“ Trägt Manny dem Protokoll Rechnung, während er versucht gelassen zu wirken. Seine Schweißtropfen auf der Stirn erzählen Paihet aber eine andere Geschichte: „Simmons. Wo ist der Rest der Brückenbesatzung?“ Synn sieht gar nicht gut aus. Er hat diese Situation schon hundertmal erlebt und weiß auch ohne Antwort des ahnungslos heuchelnden Manny Simmons, dass seine Crew die Posten ohne Befehl verlassen hat und sich wie Baracturum auf der Station herumtreibt: „Schon gut, Manny. Schön, dass wenigstens sie nichts Besseres zu tun haben, als auf das Schiff aufzupassen. Wir machen’s auf die gute alte Art. Roter Alarm. Informieren sie die Kontrollzentrale, dass wir einen Notfall haben und umgehend aufbrechen müssen. Wenn wir Glück haben stressen wir unsere Möchtegernurlauber so sehr, dass sie es sich das nächste Mal überlegen das Risiko einzugehen einfach mal so einen Marathon zum Schiff hinlegen zu müssen. Ach, und Manny...“ -„Ja?“ „Löschen sie die Berechtigung für die Schnelltransportröhren. Aber lassen sie`s hübsch aussehen. Wie wär`s mit ner unglücklichen Wartungspanne?“ Auf Mannys Gesicht bildet sich ein Grinsen, dass ihn daran erinnert, warum er bisher immer an Bord geblieben war: „Aye, Sir!“ Captain Paihet lässt sich langsam und nicht ohne eine gewisse Befriedigung in den Kommandosessel fallen. Vielleicht konnte er nicht das Universum kontrollieren. Aber für sein Schiff bot sich ihm eine mehr als gute Chance.
Kapitel 03: Neue Ufer
„Pan.“ Ashmodai klammert sich immer fester um den rechten Arm seines Vaters. „Lass uns gehen. Der Sandsturm wird uns einholen, wenn wir nicht auf das Schiff zurückgehen.“ Doch sein Vater bewegt sich nicht. Und ohne ihn wird Ashmodai nicht gehen. Er ist sich sicher, dass sein Vater weiß, was er tut. Das tat er immer. Ashmodai wurde beigebracht zu vertrauen. Nicht jedem natürlich, aber seine Erziehung war geprägt von der Weisheit seines Pan. Er erinnert sich an seinen Geburtstag vor zwei Jahren, als ihn sein Vater zum ersten Mal mit in den Orbit ihres Heimatplaneten nahm. Der Mond war so groß, dass man einen Großteil der Mare sehen konnte: „Sieh es dir an, Dai.“ Mit offenen Armen steht sein Vater vor dem Fester des Orbitalseils, mit dem Rücken zu ihm. Mit einem Lächeln blickt er Ashmodai über die Schulter an, während sich die Kapsel immer weiter in die Höhe des Orbits schraubt, näher an die Tiefe des Weltraums. „Die Realität ist nur ein Zusammenspiel aus Sinn und Perspektiven. Mitgefühl ist wichtig, doch vergiss nie, dass dein Ich nie auf ein Gegenüber treffen wird, dass dir entspricht. Bis auf eine Ausnahme. Unser Ziel sollte sein, uns zu verbessern, indem wir manchmal Rückschritte machen, Demut lernen. Vergiss nicht, Ashmodai. Wir sind alle eins, geboren aus Sternen.“ Dann schließt er die Augen, während ein Schwall aus Licht über den Horizont bricht und sein Gesicht zum Leuchten bringt. Ashmodai versteht immer noch wenig von dem, was sein Vater ihm damals mitteilen wollte und immer noch beibringen will. Doch er gibt die Hoffnung nicht auf zu verstehen. Den er fühlt, dass diese Worte etwas Wahres beinhalten. Dieser Wunsch lässt ihn auch jetzt darauf vertrauen, dass sein Vater den Weg vor Augen hat. Mittlerweile bleibt ihnen kaum eine Chance dem wild umher schlagenden Sandwirbeln zu entkommen. Instinktiv hebt Ashmodai die rechte Hand zum Gesicht, um sich zu schützen. Die linke bleibt fest verbunden mit der seines Vaters. Der Sturm wütet schonungslos. Ashmodai sieht ganze Dünen, die aufgerieben und Teil der enormen Masse aus winzigen Staubpartikeln werden. Ashmodais dunkles Haar wird durcheinander gewirbelt. Als der Sand auf die beiden Wüstenwanderer trifft ist Ashmodais Gesicht vor Angst verkniffen. Panik macht sich breit. Sollte man sich auf den Boden werfen? Oder in eine Richtung rennen? Wieso rät ihm sein Pan nichts? Doch die Entscheidung wird von Ashmodais Schultern genommen: Er traut sich erst langsam die Augen zu öffnen, als er auf einmal weder den Wind noch den Sand auf seiner Haut und in seiner Kleidung spürt. Mit dem Blick durch seine Wimpern nimmt Ashmodai Unglaubliches wahr. Er öffnet jetzt die Augen vollständig. Der Sturm ist noch existent und stärker als von außen sichtbar gewesen war. Doch der Sand, der in Luftströmen auf sein Gesicht peitschen sollte, löst sich einige Zentimeter vor ihm auf. Kleine Sterne blitzen an den Stellen auf, wo Staubpartikel sich im Nichts auflösen. Ein Kraftfeld? Oder eine Illusion? Wo war sein Vater? Ashmodai kann die wärmende Hand seines Vaters nicht mehr spüren. „Du wirst es verstehen. Glaube mir. Die Zeit ist auf deiner Seite. Und ich auch.“ Verzweifelt hört Ashmodai die Stimme immer leiser werden. War das die Stimme seines Vaters? Sie hörte sich so eigenartig an. Ihr Hall übertrug sich, als stünde Ashmodai in einem Saal. Die Angst gewinnt die Oberhand, aber wohin soll er jetzt rennen? Verzweifelt brüllt er in die Weite: „Pan!“ Gebannt starrt er auf die Macht um ihn herum. Der braune Sand weicht allmählich bunten Farbfetzen. Grün, Blau, Lila... „Pan! Niemals! Niemals hast du gesagt! Niemals!“ Er sinkt zu Boden.
***
Die Saint ist unterwegs. Das Abdockmanöver könnte man als mehr als ungewöhnlich bezeichnen, doch da die Prozedur hauptsächlich automatisch überwacht wurde, kann man eine Beschwerde wohl als unwahrscheinlich abstufen. Simmons ist nun mal ein Computer- und Kommunikationsfachmann und kein Steuermann. Und noch weniger ein Navigator. Der eigentliche Navigator mit Namen Kape blieb auf Starbase 12 zurück. Sollte er zusehen, wie er auf ein neues Schiff kommen würde, dass ihm dieselben Annehmlichkeiten bietet, wie das Schiff unter dem Kommando von Paihet. Kape war schon immer ein Dorn im Auge des Captains gewesen. Sicher, er war kein schlechter Kerl, aber Synn will trotz des schlechten Zustands seines Schiffes eine Mannschaft, auf die er sich 100% verlassen kann. Und bei Kape konnte man nur sicher sein, dass er der erste beim Dinner war. Man fragte sich schon, woher Kape das Wissen nahm ein Raumschiff zu steuern. Er hatte weder die Akademie besucht, noch diente er früher im Weltall. Kape war ein Überbleibsel der Zeit, als Paihet verzweifelt versuchte eine Mannschaft zusammenzustellen und jedem eine Chance gab, sich zu beweisen. Bei Ducan brachte diese Denkweise großartige Leistungen hervor. Doch Kape verstand nie was vor seiner Nase ablief. Er hatte sich aufgegeben und spielte seine Rolle. Er würde auch ohne die Saint bald wieder eine befriedigende Stellung finden. Eine Stellung, wo er das gleiche machen konnte, wie die letzten Jahre unter Paihet: Knöpfe drücken. Nachdem Synn die Anweisung gegeben hatte, die Saint auf einen zufälligen Kurs zu bringen, beraumt er eine Versammlung im Konferenzraum ein. Erido fehlt wie üblich. Ducan hinterlässt einen leeren Sitz, den keiner wagt auch nur anzusehen. Baracturum (Maschinenraum), Tout (Sicherheit), Simmons (Kommunikation), Martall (Operations), Braun (Krankenstation) und Leslie (Beraterin) sitzen Synn Paihet der Reihe nach gegenüber. Synn ist sich seiner Sache nie absolut sicher, doch er glaubt mit dieser Mannschaft mindestens bis zu seinem Abschied von der Raumfahrt noch einige Abenteuer zu erleben. Von Braun ist eigentlich nur ein Vertreter der medizinischen Abteilung. Neben ihm kann sich Paihet noch an Richardson, Telek, Rifa und George Kelly wenden. Wie gesagt, die Saint hat hauptsächlich medizinische Aufgaben und damit ist klar, warum über 60% des Schiffes aus Laboratorien, Krankensälen und medizinischen Datenbanken besteht. Baracturum sorgt dafür, dass das Schiff nicht auseinander bricht, während der Riese Tout als Chef der Sicherheit stumm darauf wartet jemanden den Kopf abzureißen. Er war nur selten auf der Brücke zu sehen, sondern hält sich die meiste Zeit über in seinem Privatquartier auf. Die Besatzung unterhält eine mehr als reservierte Beziehung zu ihm und kaum einer versteht, was Paihet in ihm sieht. Simmons ist an Bord der junge Hüpfer, der noch Träume hat und versucht alles richtig zu machen. Er muss sich erst noch beweisen. Martall ist in dieser Hinsicht sehr ähnlich, so dass es kein Wunder darstellt, dass man die beiden immer öfter in der Messe zusammen sieht. Zuletzt haben wir da noch Leslie. Lissy Leitner, wie sie von Geburt her heißt, könnte man als Seele des Schiffes bezeichnen. Noch keine 30 Jahre alt und doch besitzt sie das Einfühlungsvermögen eines Arztes und die Erfahrung einer Großmutter. Sie war nie über die 1,60 Meter hinausgekommen, hatte aber in der Breite schon einige Pfunde angesetzt. Sie verbindet eine enge Freundschaft zu Simmons und Martall, doch ihre Versuche Tout zu einem Lächeln zu bewegen sind von der gleichen Zwecklosigkeit geprägt, wie die Versuche Ducan oder Erido an die Konsequenzen ihrer Taten zu erinnern. „Tagesordnungspunkt eins“ Paihet ergreift das Wort und seine Wortwahl sorgt dafür, dass bereits jetzt die ersten in ihre Sessel sinken. „Kape sind wir jetzt wohl los. Kein Applause bitte, doch wir sollten schnellstens Ersatz finden. Simmons sollte nicht jede Basis demolieren, sonst bekommen wir noch einen schlechten Ruf.“ Manny läuft rot an. Er weiß, dass die Schrammen kaum einer Katastrophe gleichkommen, doch Paihet ist recht gut darin seine Übertreibung glaubhaft wirken zu lassen. „Was ist mit Bootsmann Hesiff? Er quält mich schon seit Monaten, um eine Chance sich zu beweisen“ lässt sich Simmons vernehmen. „So weit ich weiß hätte er das Zeug zum Navigator. Ihm fehlt es nur an Praxis. Aber einen FVS steuert er recht passabel.“ – „Die Saint ist kein Zweisitzer. Wenn er Mist baut können wir nicht schnell die Schleudersitze aktivieren.“ Ein Punkt für Martall, doch Manny lässt sich nicht so schnell aus der Fassung bringen. Schon gar nicht gegenüber einer Freundin: „Also, wenn Kape es überstanden hat, mach ich mir um Hesiff keine Sorgen. Der Junge ist gut!“ Paihet wirkt müde: „Dermaßen viele Alternativen haben wir ja auch nicht gerade.“ Er reibt sich die Augenhöhlen, bevor er fortfährt: „Mit jeder Woche, die vergeht, werden wir weniger. Damals Ducan, jetzt Kape. Und von den vielen, die meinten auf diesem Schiff keine Aufgabe und noch weniger eine Zukunft zu haben will ich erst gar nicht anfangen. Ihr kennt meinen Standpunkt. Jeder bekommt eine Chance. Simmons, sag dem Bootsmann Bescheid. Er wird hiermit befördert zum Fähnrich. Und lasst ihn nicht zu ausschweifend feiern.“ Ein allgemeines „Aye!“ hakt dieses Thema dann wohl ab. Jetzt geht es um die Mission. Ungewohnt unsicher steht Captain Synn Paihet von seinem Stuhl am spitzen Ende des Konferenztisches auf. In der linken Hand hält er einige zerknitterte Blätter: „Es scheint im Rat oder dem Oberkommando noch einige Sympathisanten für unser Unternehmen zu geben. Oder man macht sich über uns lustig. Jedenfalls bekam ich diese Befehle heute morgen vom Befehlsstab der Flotte.“ Synn hält die Bögen Papier hoch: „Mit Siegel und allerlei Schnickschnack. Wie im letzten Jahrtausend. Als man die richtig miesen Missionen noch mit Förmlichkeit zu vertuschen versuchte. Kodierte Befehlstransmissionen sind mir lieber. Ich weiß nicht, ob es sich um eine Art Ehrerbietung für uns oder einen Witz handelt. Dem Inhalt zufolge wohl eher um letzteres.“ Alle am Tisch sind keineswegs überrascht. Sollten diese Nichtstuer doch ihre Späße treiben. Hauptsache die Saint tat, was getan werden musste. Synn hatte die Blätter in die Mitte geworfen. Jeder, der wollte, konnte sich den genauen Wortlaut durchlesen. „Kurz und knapp: Wir sind wieder offiziell auf einer Rettungsmission. Drahl 5 stand für die letzten zwei Wochen unter Quarantäne. Wir holen die Überlebenden von ihrem toten Planeten.“ - „Wo liegt der Haken? Was ist dort passiert?“ Simmons konnte sich kaum beherrschen. Das Ganze stank zum Himmel. Ducan hätte den Wisch schon längst zu Schnipseln verarbeitet. Auf Drahl lebte bestimmt keiner mehr. Und was kümmerte die Flotte dieser Planet? Aber Simmons weiß: Synn ist ein Mann von Ehre. Wenn dort noch jemand überlebt hatte, würden sie helfen, wo sie konnten. „Unsere Informationen sind karg. Drahl 5 besitzt laut Datenbank eine intakte Atmosphäre und eine Bevölkerung von über 12 Millionen Individuen. Von der Tier- und Pflanzenwelt möchte ich gar nicht anfangen.“ Simmons ist der erste, der den Kopf senkt. Es pisst ihn an, wenn das Universum ein weiteres Mal zeigt, wie sinnlos ihre Bemühungen waren. Meistens war nicht einmal der Zufall oder Pech Auslöser dafür, dass so viele wertvolle Leben vergeudet wurden. Meistens waren es die intelligenten Lebensformen, die ultimativ der Chaostheorie zum Opfer fielen und ihre eigenen Gräber schaufelten. Macht, Gier und Befriedigung der eigenen Dämonen ließen so viele vergessen, was es bedeutete zu leben und sich weiterzuentwickeln. Paihet erhebt ein weiteres Mal seine Stimme: „Die Quarantäne wurde verhängt, nachdem zwei Raumschiffe Kontakt zum Planeten suchten und dabei auf aussagekräftige Notrufe trafen: Szenen von Menschen, die sich verbarrikadiert hatten. Zivilisten, die über ein Regierungskomplott stammelten. Massenhysterie. Die Aufzeichnungen finden sich im Hauptcomputer unter „DRAHL“. Mit ihren Passwörtern bekommen sie Zugang. Ich habe noch keinen Kurs nach Drahl befohlen. Ich möchte zuerst die Meinung jedes Einzelnen wissen, bevor wir uns entscheiden einer solch eigenartigen Mission nachzugehen.“ Paihet blickte in die Runde. Okay, von Tout ist kein Widerwort zu erwarten. Simmons steht auf Paihets Seite und nickt, dass war noch nie anders gewesen. Und Martall folgt Simmons. Erido bleibt kaum eine Wahl als mitzukommen. „Nun, wenn sie sich Sorgen über unsere Fähigkeit machen mit der Situation umzugehen, dann kann ich sie beruhigen.“ Endlich bekommt Paihet Feedback von Braun. „Wir sind mehr als ausgerüstet um jeglicher Bedrohung durch Sporen, Viren oder anderen Seuchenherden entgegenzuwirken. Und selbst, wenn niemand mehr leben sollte: Wir könnten nützliche Informationen sammeln, um für das nächsten Mal vorbereitet zu sein. Der Fall -Drahl 5- muss erforscht werden. Wir können nicht einfach hier sitzen und Däumchen drehen.“ - „Ich stimme ihm zu. Synn, dort leben vielleicht noch Menschen.“ Martall beugt sich vor und schien zu denken, Paihet wolle ernsthaft den Befehl missachten. Doch Simmons ist sich sicher, dass Paihet noch nicht so viel von Ducan übernommen hat. Und zum ersten Mal wird Manny klar, dass Anna Martall wohl die einzige an Bord ist, die den Captain mit seinem Vornamen anreden darf. Baracturum gibt sein Einverständnis, indem er seine vorderen Gliedmaßen übereinander streicht. Jetzt bleibt nur noch Leslie. Doch wenn Paihet sagt, er will die Meinung von allen, dann heißt das auch von allen: „Leslie? Ich habe ihre Meinung noch nicht gehört.“ Normalerweise war Leslie die Lebensfreude in Person. Doch jetzt scheint sie erstaunlich ernst. Leise antwortet sie, den Blick starr auf die Tischplatte gerichtet: „Sir, wir sollten keine Zeit verlieren.“ Paihet schmunzelt: „Wir sind uns also einig. Dann kann Hesiff ja gleich mal zeigen, ob er einen Kurs setzten kann. Simmons geben sie ihm die Koordinaten. Wenn das alles wäre...“ - „Captain.“ Touts tiefe Stimme zerschnitt den Raum wie ein Messer. Paihet steht wie eingefroren am Tisch, bereit den Raum zu verlassen. Alle am Tisch blicken den Brikar an. - „Mr. Tout?“ Synn Paihet erlangt langsam seine Beherrschung wieder. Der Brikar Tout öffnet langsam seinen Mund und sein tiefer Bass formuliert die Worte: - „Ich halte das für keine gute Idee“. Paihet weiß nicht, was er darauf reagieren soll. Mit einem angedeuteten Lächeln macht er sich auf den Weg zum Ausgang. - „Ich denke sie wurden soeben überstimmt.“
***
Der Sturm war vorüber gezogen. Doch Ashmodai bleibt kniend an der Stelle an der ihn sein Vater verlassen hatte. Er weint nicht. Er ist verzweifelt. Auch zornig. Aber das ist kein Grund Schwäche zu zeigen. Eine Übung. Ja, es musste ein Test sein. Sein Vater will sehen, wie er allein in der Wüste zurecht kommt. Bestimmt beobachtet ihn sein Vater in diesem Moment. Doch Ashmodai ist sich nicht sicher, was man von ihm erwartet. Deshalb bleibt er kniend. Er überlegt. Er denkt nach über die Geschehnisse und den genauen Wortlaut den sein Vater zu ihm sprach: „Die Zeit ist auf meiner Seite.“ Ashmodai sieht sich zum ersten Mal um. Ohne das Chaos der Naturgewalten kann man eine unglaubliche Weite übersehen. Keine Pflanze überlebt hier. Doch einige Tiere konnten sich sicher anpassen. Ashmodai hatte von seinem Vater viel gelernt. Er weiß worauf es ankommt um zu überleben, z.B. wo man Wasser findet. Doch er hatte dieses Wissen noch nie praktisch anwenden müssen. Er kann sich glücklich schätzen, dass ihn der Sandsturm davor bewahrte in diesem Moment die gesamte Hitze der Wüste zu spüren zu bekommen. Das Unwetter hatte tiefe, feuchte Ablagerungen freigelegt und die Partikel in der Luft hatten das Sonnenlicht absorbiert. Doch schon bald würden sich die Zustände normalisiert haben und der Kampf ums Überleben beginnt. Da Ashmodai und sein Pan von einem Langstreckentransportschiff auf dem Planeten abgesetzt wurden, konnte der Junge auch nicht schätzen, ob es auf dieser Welt Städte oder zumindest Kolonien gab. Er war auch unentschlossen, in welche Richtung er seinen Weg fortsetzten sollte. Doch er muss sich entscheiden, will er nicht seinen Vorteil der bisher recht kühlen Umgebung verschwenden. Ashmodai entscheidet sich schließlich in Richtung der einzigen Wolkenformation in der Ferne zu schreiten. Wetter konnte einem gute Ratschläge geben. Egal, ob es durch die Abend- oder Morgenröte die Dichte der Rußpartikel in der Atmosphäre verriet und damit auch den Stand der industriellen Evolution eines Volkes, oder wenn Wolken Zeugen waren von enormen verdunstenden H2O Massen, die nur von Meeren aufsteigen konnten. Die ersten Schritte fallen ihm noch leicht. Es fühlt sich wie eine Entdeckungstour an. Wie die, die er auf der Erde so oft in den Bergen begonnen hatte. Doch mir der Zeit verliert Ashmodai seinen Enthusiasmus. Die Hitze und der nicht enden wollende Horizont fordern ihren Tribut. Alles Wissen der Welt würde Ashmodai in dieser Umgebung nichts nützen. Er hat weder die Zeit noch das Material, um komplexe Apparate herzustellen und seine Konzentrationsfähigkeit ist bereits jetzt an einem Minimum angekommen. Blickt Ashmodai hinter sich, nachdem er erneut eine für ihn als unüberwindlich erscheinende Sanddüne erklommen hat, dann kann er seine Fußspuren bis an den gegenüberliegenden Horizont verfolgen. Immer wieder. Düne für Düne. Bis die Sonne ihr Ziel erreicht hat und Erschöpfung sowie Verzweiflung Ashmodai zusammenbrechen lassen. Seine schweißgetränkte Kleidung klebt an seinem Körper. Der Sand dringt Ashmodai in Mund und Nase. Er zwingt sich dazu aufzustehen und einige Schritte weiterzugehen. Ashmodai ist ein Kämpfer, aber trotzdem noch ein Junge und orientierungslos. Immer wieder knicken seine Beine ein bis es irgendwann nicht mehr weitergeht. Er fällt mit dem Gesicht voran in den heißen Sand: „Nur kurz... einen Moment... ausruh...“ Ashmodai schließt die Augen. Die Sonne hindert ihn daran klar zu denken. Er realisiert nicht einmal mehr, dass dies sein Ende bedeutet, wenn er jetzt hier liegen bleibt. Aus seinem Bewusstsein ist bereits die Erinnerung verschwunden, weshalb er sich in dieser Situation befindet. Er will nur kurz rasten. Ganz kurz. Sekunden, bevor Ashmodais Bewusstsein in die Traumwelt entschwindet hört er ein Trommeln, das ihn in die Realität und damit in die Hitze zurückruft. Sein Ohr ist in den Sand gepresst und vernimmt leise Vibrationen in den Sandmassen. Sein Ohr, seine Haare, ja sein ganzes Gesicht ist über und über voll von dem feinen, ockerfarbenem Sand bedeckt. Als er jetzt den Kopf mühsam emporhebt und mit seinen Händen die Augen gegen die Sonnenstrahlen abschirmt, um den Himmel abzusuchen, weicht das Trommeln einem Tosen, das von einer Erschütterung des Erdbodens begleitet wird. „Pan?“ Ashmodais Stimme ist schwach und leise. Er klammert sich verzweifelt an die Hoffnung sein allmächtiger Vater hätte einen Weg zu ihm zurückgefunden und würde jetzt mit einem gigantischen Raumschiff vom Himmel hinabsteigen. Doch der Himmel ist leer. Selbst die letzten Wolkenreste haben sich aufgelöst. Und was sich ihm nähert kommt aus dem Kern des Planeten.
***
„Hesiff: Standartorbit.“ Hesiff antwortet Paihet mit einem zackigem „Aye, Sir!“, dass Synn die Augen verdrehen lässt. Simmons muss sich ein Lachen verkneifen. Buck, Leslie und Von Braun sind zu ihren Abteilungen zurückgekehrt. Doch dafür steht diesmal sogar Tout an seiner Station auf der Brücke. Seine enorme Masse macht es ihm nicht leicht eine Transportröhre zu benutzen, die für die Proportionen der üblichen Humanoiden gebaut wurde. Also, muss er sich wohl ziemlich sicher sein, dass er gebraucht wurde, wenn sich Tout auf die Brücke begibt „Simmons. Legen sie uns den Planeten auf den Hauptschirm. Panoramablick, wenn ich bitten darf.“ Mit seinen saloppen Formulierungen versucht Synn Paihet seiner Crew Mut zuzusprechen. Normalerweise funktioniert die Methode ganz gut, wenn die Mannschaft sieht, dass ihr Captain alles im Griff hat. Doch im Moment siegt die Ungewissheit: „Haben sie irgendetwas auf den Sensoren? Martall? Tout? Bekommen sie Kontakt, Simmons?“ Anna Martall antwortet als erste: „Nein, Sir. Keine Lebensformen festzustellen. Keine intakten Städte. Höchstens Ansammlungen von Metallen und Verbundstoffen, die auf zerstörte Anlagen hindeuten. Die Strahlungswerte liegen über dem Toleranzbereich, könnten aber auch natürlichem Ursprung sein. Keine Satelliten oder fremde Raumschiffe im Scanbereich. Die Ulysses passiert uns auf den Weg zum Ugarus Kluster. Deren Sensoren sind moderner. Wir könnten sie um Hilfe bitten“ Tout hält sich mal wieder kürzer: „Nichts, Sir“. Während Martall nach Zeichen von Leben sucht, ist Tout mit den Sensoren auf der Suche nach Sprengstoffen, Bunkern und ähnlichem. Mannys Antwort überrascht da natürlich keineswegs: „Es tut mir leid, Sir. Keine Antwort auf unsere Rufe.“ Paihets nächste Überlegung ist, ob er ein Team mit Strahlenanzügen hinunterschicken oder die Ulysses kontaktieren soll. Doch Moment... Was hatte die Ulysses hier zu suchen? Wenn das Hauptquartier der Ulysses sowieso einen Auftrag im Ugarus Kluster erteilt hatte, wieso konnte sie dann nicht auch gleich Drahl 5 untersuchen? Es konnte sich um eine Belanglosigkeit handeln, doch Paihets Instinkt lässt nicht locker: „Mit welcher Geschwindigkeit ist die Ulysses unterwegs und wann trifft sie auf uns?“ Martall reagiert routiniert: „Kommkontakt ist bereits jetzt möglich. Die Ulysses überholt uns in sechs Minuten in einer Entfernung von einer halben AE. Ihre Geschwindigkeit... Warp 13.“ Warp 13. Dieses Föderationsschiff hat es ganz schön eilig. Paihets angeborene Neugier lässt ihn rotieren, wenn er daran denkt, welch aufregende Geschichte ihm gerade entgeht. Kein Wunder, dass die Ulysses nicht nach Drahl geschickt wurde. Sie ist ein Forschungsschiff und ihre Zeit verschwendet man nicht mit Missionen, die sich wie folgt lesen: Bevölkerung tot, Fall geschlossen. Paihet sieht keinen Grund sich jetzt noch beeilen zu müssen: „Legen sie die Ulysses auf den Hauptschirm.“ Martall reagiert etwas verwirrt, aber sie handelt wie ihr befohlen und kompensiert den Ausschnitt, um das Schiff auch bei der hohen Geschwindigkeit darzustellen. Ein wunderschönes Schiff mit zwei gewaltigen Ausbuchtungen, die sich wie Flossen bis hinter das Schiff erstrecken, und einer schiefergrauen, lang gestreckten Nase erscheint. Paihet ergreift jede Möglichkeit um sich am Design dieser, von Menschenhand erschaffenen, Gebilde zu erfreuen. Er selbst war Teil eines Teams, das ein neues Design für Langstreckenflüge entwickelt hatte. Eine eigene Schiffsklasse trug Züge seiner Ideen. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass Paihet stockt, wenn er jetzt mit ansieht, wie sich die Hülle der Ulysses verformt: „Was zum...?“ Ist das einzige, was Synn noch ausspricht, bevor er aus dem Sitz des Captains gerissen wird. Er ist nicht der Einzige. Außer Tout liegt die gesamte Brückencrew plötzlich verstreut auf dem rot/grauen Teppichboden. Und dem Rest der Mannschaft geht es nicht viel besser. Die Ulysses hatte auf ihrem Waffendeck die Protonenkanonen eins und zwei aktiviert, ausgerichtet und auf Paihets altes Schiff abgefeuert. Diese Waffen sind für die weite Entfernung gedacht und wären bereits für moderne, zeitgerechte Defensivsysteme bereits eine Herausforderung. Doch die Saint hat mehrere Hundert Jahre auf dem Buckel. Ihre Schilde waren keinerlei Schutz gegen diese Waffen und nebenbei gesagt, sie waren ja nicht einmal aktiviert gewesen. „Schadensbericht!“ Paihet hat es zurück an die Konsole an der Armlehne seines Stuhls geschafft. Er muss schreien, um die knirschenden Stahlstreben und das Heulen der Alarmsirenen zu übertönen. Im Gewirr der Elektronik und der Körper kann Paihet nur einen mit Sicherheit ausmachen: Tout steht wie angewachsen an seiner Konsole und antwortet ihm: „Streifschuss. Keine Schilde. Keine Waffen. Wir verlieren Atmosphäre.“ Tout scheint den Wetterbericht vorzulesen. Die Ulysses ist mit ihrer Geschwindigkeit von Warp 13 in diesem Moment zweifelsfrei in der Lage ihre tödlichen Nahwaffen einzusetzen, doch die erneuten Erschütterungen blieben aus. Konnte es sich um ein Versehen handeln, einen Unfall? Synn sucht nach Simmons und den anderen, doch ihm bleibt keine Zeit. Im nächsten Moment erbebt die Saint von einem Einschlagstreffer, der nicht mehr als Streifschuss klassifiziert werden kann. Die Deckenträger verlieren ihren Halt und stürzen auf Synn Paihet hinab.
Kapitel 04: Pfade der Hölle
Die Saint würde nie wieder Leben retten. Sie würde nur noch ein Grab werden. Die Ulysses feuert nach jeder kompletten Aufladung ihrer Protonenkanonen ihre Zwillingsgeschütze ab und reißt dabei tiefe Wunden in das bereits verkrüppelte Schiff. Die Kugel am Bug der Saint, die die Insignien und an ihrem oberen Ende die Brücke beinhaltet, hat bereits ein Viertel ihrer Masse verloren. Unzählige Leichen treiben im Vakuum. Und immer mehr fallen aus den zerstörten Bereichen und schließen sich dem makaberen Schauspiel an. Die Sicherheitskraftfelder für die offenen Bereiche können mit diesem Ausmaß an Zerstörung nicht fertig werden. Brodelnde Glut zeigt sich in den Bereichen, wo Energieleitungen die Decks miteinander verbanden. Die Saint trudelt unkontrollierbar, doch weit genug von Drahl entfernt, um nicht von dessen Gravitation eingefangen zu werden. Der erste Schuss aus Distanz hatte die Saint kaum angekratzt, doch kaum jemand an Bord hatte ihn nicht zu spüren bekommen. Der darauffolgende Treffer aus nächster Nähe sorgte für Totalausfälle auf dem gesamten Schiff und auch für nachvollziehbare Panik. Der dritte konzentrierte Angriff zerstörte einen Großteil der Frontkuppel und löschte damit nicht nur die Buchstaben S, A und I von der Hülle, sondern forderte damit Hunderte Tote. Und jetzt zielt die Ulysses auf den Warpantrieb. Baracturum verlor sein mittleres rechtes Bein, als er im Maschinendeck über die Brüstung und in einem spektakulären Bogen gegen die gegenüberliegende Wand flog. Einen Menschen hätte dies mit Sicherheit das Leben gekostet. Buck lässt nichts unversucht, um über die Kontrollen seiner Maschinen Leben zu retten und wieder Ordnung zu etablieren. Doch keines seiner künstlichen Kraftfelder hält. Seine Versuche das Schiff aus dem Waffenfeuer zu steuern scheitern kläglich. Die Ulysses hat schließlich noch volle Manövrierfähigkeit. An Waffen oder Traktorstrahlen ist nicht zu denken. Dafür ist zu wenig von dem Schiff übrig. Baracturum wäre schon längst in einer Rettungskapsel, wüsste er nicht, dass er und sein Wissen gebraucht werden um das Schiff in einem Stück zu halten und so viele wie möglich zu retten. Mittlerweile müsste jeder Crewman an Bord den Ernst der Lage begriffen und seine zugewiesene Rettungskapsel bestiegen haben. Baracturum würde es niemanden verübeln, der seine Kapsel startet, ohne auf diejenigen Personen zu warten, die auch derselben Kapsel zugeteilt sind. Diese Situation ist außer Kontrolle. Jetzt geht es nur noch ums nackte Überleben und in solchen Momenten schmeißt Buck das Protokoll gerne über Bord. Hätte er nicht geistesgegenwärtig den Beschleunigungsreaktor heruntergefahren und die Kernmatrix entkoppelt und anschließend ausgeschleust, wären von der Saint bereits jetzt nur noch Staubpartikel übrig. Unnötig zu sagen, dass sein benutztes Verfahren fahrlässig und unprofessionell war, aber immer noch besser, als einen Kernbruch zu erleiden. Plötzlich überkommt es Buck: Die Matrix! Er fasst einen tollkühnen Plan um wertvolle Zeit zu gewinnen. Wenn er es schafft, die Ulysses in den Sektor zu treiben, in dem sich die Trümmer mit der Matrix befinden, dann könnte er das Trilithium darin fernsprengen und ihnen weitere wichtige Sekunden verschaffen. Die Druckwelle würde so nahe am Schiff auch ihnen Schaden zufügen, aber immer noch besser als ein direkter Treffer mit den Zwillingsprotonenwerfern. Offensichtlich will die Ulysses das Exhaustor des Antriebs anvisieren, um den Antriebskern zur Detonation zu bringen. Das teilt ihm einzig allein seine Erfahrung und die noch funktionsfähige Außenkamera 9b mit. Mit einem Überschreibungscode aller noch mit gesundem Menschenverstand nachvollziehbaren Sicherheitsprozeduren leitet Baracturum jegliche verfügbare Energie in die Manövrierdüse 2. Mit einem bläulichen Gleißen reißt sich die Saint ein letztes Mal herum. Die Ulysses hält das Feuer und steuert einen neuen Angriffswinkel an. Das ist Bucks Moment. Er gibt das Signal zur Detonation während sich gleichzeitig die Waffen der Ulysses entladen.
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Ohrenbetäubend laut verbiegen sich die Wände auf Deck 14. Davies wird mitten aus dem Schlaf gerissen als der Angriff beginnt. Schnellstens streift er sich einen Bademantel über und versucht in den Korridor zu gelangen, während das Schiff bebt. Davies will in den Maschinenraum gelangen, um sich Bericht erstatten zu lassen oder um zumindest von einem Crewman im Gang zu erfahren, was vor sich geht. Doch kaum hat er sein Quartier verlassen sieht er auf der linken Seite am Ende des Gangs das offene All und die Sterne. Ein Höhenbruch wird nur durch ein Kraftfeld daran gehindert sich auszubreiten und den gesamten Bereich in eine Todeszone zu verwandeln. „So ein Mist! Können diese Idioten das Schiff nicht fünf Minuten ohne mich zusammenhalten!“ Als Techniker sieht Davies in seinem inneren Auge bereits, wie er mindestens fünf Tage kniend damit verbringen wird, den Rahmen neu zu verschweißen. Laut Protokoll sind bei einem Angriff mit ernstzunehmenden Strukturschäden die Örtlichkeiten aufzusuchen, die am längsten einem massiven Angriff standhalten können. Also, z.B. den Maschinenraum mit seiner Sicherheitspanzerung für flüchtige Stoffe. Erst wenn der allgemeine Befehl zum Verlassen des Schiffs gegeben wird ist die Saint zu verlassen. Nachdem er ein weiteres Mal von einem Ruck zu Boden geworfen wird, sieht er erneut durch das Loch in der Außenhaut... Ein Schiff der eigenen Flotte ist zu erkennen. „Na bitte, da soll noch mal einer sagen wir Menschen sind nicht zur Stelle, wenn man uns braucht.“ Während Davies versucht aufzustehen ertönt das Signal, dass Davies jetzt nicht mehr erwartet hätte: Das Schiff wird aufgegeben. Ungläubig sieht der junge Lieutenant sich um. Wie in Zeitlupe verwischen seine Bewegungen. Er versucht die nächste Kapsel zu erreichen. Seine Gedanken rasen: „Die Rettung ist doch da! Ein Schiff kommt, um sie aus egal welcher Lage zu befreien!“ Doch dieses Schiff hat nur ein Ziel: Zerstörung. Ein blendendes Gleißen ist das Letzte, was Mathieu Davies sieht, bevor sich der Rest der Wände auch noch um ihn herum auflöst. Ihm bleibt keine Chance...
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„Verdammt, verdammt, verdammt!“ Simmons schlägt ungläubig auf seine Armaturen. Er hat soeben jegliche Möglichkeit verloren Einfluss zu nehmen. Manny sieht sich auf der Brücke um und versucht seine Alternativen abzuwägen. Bis auf Tout kann er niemanden ausmachen. Die Decke hatte unter dem enormen Druck nachgegeben und überall liegen offene Leitungen und Stützstreben. Wo war Anna bloß? Er hoffte, dass sie sich rechtzeitig in den Turbolift retten konnte. Er war ja schließlich nur zwei Meter zu ihrer rechten. „Tout!“ Simmons schreit so laut er kann. Doch der Brikar ist nicht gerade für sein gutes Gehör bekannt. Und es trennen sie locker sieben, acht Meter aus Krach und Metall. Simmons kann jetzt keine Rücksicht mehr nehmen. Tout war erwachsen und würde schon wissen, was er tut. Die anderen sind entweder tot oder waren intelligent genug gewesen, die Brücke zu räumen. Nach dem letzten Diagramm, das Simmons aufrufen konnte waren die Beschädigungen grotesk. Die Saint sah aus, wie ein zerpflücktes halbes Hähnchen. Ihre konstruierte Symmetrie war hoffnungslos verloren gegangen. Manny gibt die Brücke geistig offiziell auf und greift an die Halterung im Boden, die zum Hauptwartungskanal führt. Er steigt die steile Leiter hinunter, während um ihn herum das Schiff ächzt und offene Stromleitungen seine Hände verbrennen. Sein Ziel ist Deck 3. Das ist nicht weit entfernt und der Bereich wird am längsten dem Beschuss standhalten. Dort lagert ein Großteil der Selbstzerstörungsanlagen. Damit lässt sich eine hübsche Überraschung für die Ulysses basteln. Falls er genug Zeit bekommt.
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Baracturum triumphiert! Die ausgelöste Explosion der Matrixreste war derart unkontrolliert, dass sich die Kettenstruktur in feinste Kristalle spaltete. Der Hauptbestandteil der Matrix, sein „Kern“, besteht aus dem einzigen Material, mit dem man Energiemengen wie die, welche die Saint benötigt, kontrollieren kann. Doch auch hier gibt es eine Grenze. Die Kristalle des Kerns altern und versagen ihren Dienst früher oder später. Und da Davies bekanntermaßen gerne einmal den Zeitplan außen vor lässt, hatte er die veralteten Kristalle in der Matrix noch nicht, wie von Baracturum gefordert, ausgewechselt. Nur dadurch lässt sich erklären, dass sich das Kernsystem durch die Sprengung und den Beschuss der Ulysses in einen Staub verwandelt hat, der dafür sorgt, dass das feindliche Schiff weder ein klares Ziel bekommt, noch seine Waffen direkt bis zum Schiff vordringen können ohne an Stärke zu verlieren. Jetzt haben sie eine Chance. Baracturum verlässt seinen Posten und sorgt dafür, dass die letzten Mitarbeiter des Ingenieursstabs die Rettungskapseln besteigen. Dann folgt er ihnen. Buck instruiert den Computer der Einheit Drahl 5 anzufliegen. Im Schutze des Partikelnebels würden wenigstens einige den erbarmungslosen Angriff unbeschadet überleben. Wenn Baracturum ehrlich ist: Er hinterlässt auf dem Schiff nichts Wichtiges. Hoffentlich haben es seine Freunde alle vom Schiff geschafft. Was Baracturum verlässt ist ein Schiff, das ihn technologisch gesehen unterfordert, Erlebnisse, an die er sich sowieso nur ungern zurückerinnert und natürlich seinen rechten mittleren Arm.
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Raum 113a. Showtime. Erido öffnet ihre Augen. Ihr ist klar, was passiert war. Das Schiff würde nicht mehr lange standhalten. Sie schwebt seelenruhig auf dem Kopf stehend einige Meter die ausgebaute Wartungsröhre hinunter. Von hier aus hört man die Schreie und die Explosionen wie aus weiter Ferne. Oder als ob man gerade aus einem Alptraum aufgewacht wäre. Erido öffnet ein Wandfach und entnimmt ihm einen von Dr. Rifa entwickelten Anzug, der sie kaum behindert ihre Kräfte auszuüben. Während sie sich anzieht dreht sie ihren Körper in eine aufrechte Position. Es bleibt ein Rätsel, weshalb ihre kurzen schwarzen Haare sich kaum bewegen. Auch kopfüber sitzen sie perfekt geschnitten. Man munkelte schon, sie würde ihre Kräfte bereits dafür benutzen. Oder, dass ihre Haare keineswegs menschlichen Haaren glichen, sondern kontrollierbar, also lebendig, waren. Erido faltet ihre Flügel gewissenhaft, nicht ohne sich zu vergewissern, dass sie sie jederzeit schnellstens befreien kann, wenn die Situation dies notwendig machen sollte. Ein Donnern kündigt den fortschreitenden Zerfall des Raumers an. Am unteren Ende der Röhre, das so weit von Erido entfernt liegt, dass ein menschliches Auge nur Schwärze wahrnehmen kann, lecken erste Feuerwalzen zu ihr empor. Und das mit einem Tempo, dass Erido in wenigen Sekunden in einem Meer aus Feuer versinken wird. Doch dies ist kein Grund für Erido ihr Tempo zu beschleunigen. Sie legt zuerst ihren Handschuh für ihre verletzte rechte Hand an, dann überprüft sie ihre technologische Ausrüstung und bringt sie an ihrem Rücken und ihrer Taille an. Das Feuer hat sich hinaufgearbeitet. Die Luft wird stickig und Erido fühlt die Hitze auf ihrem Gesicht. Mit einem Ruck stößt sie sich von der Wand mit dem Fach ab und gleitet hinüber zur anderen Seite. Dort vollführt sie eine elegante Rolle, visiert einen Punkt auf der nun gegenüberliegenden Fläche an und torpediert sich in die Höhe. Das Feuer hat sie erreicht. Bevor Erido auf die Stahlplatten des Schachts prallt, öffnet sie ihre linke Handfläche und schließt die Augen. Für kurze Zeit lässt sie die Dimensionen verschwimmen und durchquert mit Schwung die nun nicht mehr vorhandenen Metallwände und landet elegant auf Deck 7. Ohne Probleme richtet sich Erido auf und verschwendet keinen weiteren Gedanken mehr an Raum 113a und die Glut, die sich dort nach oben Richtung Brücke frisst.
***
Keine Zeit mehr. Keine Zeit, um über seine Taten nachzudenken. Die Saint ist Mannys erstes Schiff und jetzt wird er es im Stich lassen müssen. Ein weiterer ohrenbetäubender Knall dringt die Wartungsröhre hinauf. Simmons kann sich nur mit Mühe an den Sprossen der Leiter einhaken, während sich das Raumschiff im Todeskampf aufbäumt. Seine Finger versagen ihm allmählich den Dienst. Doch er ist schon so nah! Wenigstens würde sein Tod ein schneller sein, falls ein Treffer dieser Sektion zu nahe kommen würde. Dann konnten die Sprengstoffe noch so gut abgeschirmt sein. Dann würde es keine Rettung geben. Für niemanden an Bord. Endlich springt Simmons die letzten Stufen der Leiter hinunter und rennt zu den Kontrolleinheiten. Der Computer ist kaum mehr als solcher zu erkennen. Mannys Kommandos bleiben ohne Antwort. Dieses Terminal war innerlich schon zu einem Klumpen aus Schlacke und Elektronik zusammengeschmolzen. Rasch dreht er sich zu einem weiteren alternativen Schaltpult um. „Manny!“ Das ist Annas Stimme. Sie hatte es geschafft! Doch Simmons bleibt keine Zeit sich zu freuen, will er seinen Plan verwirklichen. Anna Martall steht auf einer erhöhten Brüstung, hat Manny am unteren Ende des Raums erblickt und versucht nun, zu ihm zu gelangen. Das Verbindungsstück, das die beiden Ebenen verband ist bereits nur noch ein großes Stück verbogenes Metall in einer Ecke. Martall verschwindet in die Richtung, aus der sie gekommen war. Manny weiß, dass sie dumm genug ist, einen Weg zu ihm zu suchen. Doch wenn er sich die Blaupausen der Saint ins Gedächtnis ruft zeigt sich, dass sie kaum Chancen hat, ihm zu ereichen. Verdammt, sie sollte sich zu einer Rettungskapsel begeben, solange sie das noch kann. Gerade als er denkt, er hat Zugang zum Selbstzerstörungssystem, explodiert die Konsole und bringt Simmons schwere Schnitt- und Brandwunden im Gesicht und der linken Schulter bei. Doch er darf jetzt nicht aufgeben. Der Schmerz ist zweitrangig. Er muss das Schiff retten. Oder zumindest rächen. Oder versuchen,... „Manny! Oh Gott, was ist passiert?“ Martall beugt sich erneut zu Manny herab. Sie steht immer noch zwei Meter über seiner Position. „Uns läuft die Zeit davon!“ Annas weibliche Stimme, die Manny an so viele wunderbare Momente, die sie erlebt hatten, zurücksehnen lässt, steht zum krassen Gegensatz zu ihrer Situation. So sehr es ihm auch leid tut, Manny hat eine Aufgabe. Er ignoriert Martall und stützt sich wieder auf, um sich direkt an den explosionsgefährdeten Kapseln zu schaffen zu machen. Ein riskantes Unterfangen. Ein Fehler und sie bräuchten nicht die Ulysses, um sich ins Jenseits zu schicken. „Manny! Hör mit dem Scheiß auf. Das bringt nichts! Ich zieh dich hoch! Manny! Komm her und ich zieh dich hoch! Hier gibt es eine Rettungskapsel! Manny! Schaff deinen Arsch hier rüber! Du...“ In diesem Moment schafft es die Ulysses erneut die von Baracturum geschaffene Ablenkung zu durchdringen. Die rechte Antriebseinheit hatte sich soeben durch den Beschuss vom Rumpf gelöst und austretendes blaues Plasma verziert das All. Einen weiteren Treffer würde die Saint keinesfalls überstehen. Sie hatte bereits jetzt mehr ausgehalten, als Martall je für möglich gehalten hat. Sie würde Manny aber keineswegs zurücklassen. Nicht solange eine Chance besteht ihn zu retten. Er ist noch nicht tot und wie es den Anschein hat, bringt es die Ulysses nicht fertig, jeden Schuss in einen direkten Treffer zu verwandeln. Woran auch immer das lag, ob an Simmons Bemühungen an der Kontrollkonsole oder einem schlechten Tag des Schützen: Es gab ihr noch eine gewisse Zeitspanne, um Manny und sich selbst in eine Rettungskapsel zu bringen. Sie kann ja nichts von Bucks Strategie wissen: „Manny! Wir müssen los! Das Schiff fliegt gleich in die Luft! Beweg deinen Arsch! Scheiße, verflucht noch mal.“ Anna kommen die Tränen. Das Bild, dass sich ihr bietet ist durchzogen von ihren blonden Haarsträhnen, die ihr ins Gesicht gefallen sind: Ein Bild der Saint, die in Flammen aufgeht. Und von Manny, der allen Anschein nach zu dickköpfig ist, um überleben zu wollen. Sie dreht ihren Körper ruckartig zur noch immer geöffneten Schleuse der Rettungskapsel. Dann ist es soweit. Martall und Simmons ahnen nicht, dass sie die letzten Überlebenden an Bord der Saint sind. In den Gängen in denen die Trägheitsabsorber versagt hatten liegen die Leichen der Männer und Frauen die unkontrolliert gegen die Wände geschleudert wurden. Die Brücke existiert nicht mehr. Sie wurde genauso wie mittlerweile ein Großteil der äußeren Hülle aus dem Rumpf gebrochen. Der Plasmaball, der der Saint den Gnadenstoß geben wird, ist bereits auf den Weg. In wenigen Sekunden wird das Rettungsschiff "Saint" in einem gigantischen Feuerball zerplatzen. Ein Irrtum ist ausgeschlossen. Der Treffer wird sitzen. Martall und Simmons haben keine Ahnung. Simmons arbeitet an der Antimaterie. Anna redet bitterlich auf ihn ein. Die verheerende Kugel zielt auf den Primärrumpf. Sie schlägt ein in drei... zwei... eins…
Ein Schrei. Simmons kann ihn hören. Er sieht auch noch etwas: Die Decke. Die Wucht der Explosion hatte ihn bis ans andere Ende des Raums geschleudert. Und er spürt auch etwas: Schmerz. Unvorstellbarer Schmerz. Er dreht den Kopf leicht, um zu Anna zu sehen. Er hat nicht mehr genügend Kraft, um schockiert zu sein über das, was er erkennen kann. Anna Martall liegt am Boden. Auf dem Gitter, dass sie wegen ihm nicht verlassen wollte. Ein Stahlträger ragt ihr aus der Brust. So dick, dass Simmons ihn mit den Fingern beider Hände nicht umfassen könnte. Die Kettenreaktion wurde ausgelöst. Das Schiff zerbricht. Die Ulysses hat das Feuer eingestellt. Wozu Energie verschwenden? Manny Simmons kann nicht mehr denken. Aber er hört im Geiste Annas Stimme: „Wir müssen hier raus! Sofort!“ Mühsam versucht Simmons auf zustehen. „Die Zeit läuft uns davon!“ Er krabbelt auf Knien zur Kapsel, bei der er es geschafft hatte, ihren Inhalt umzuleiten. „Wir müssen los!“ Die flüchtigen, fluiden Stoffe musste von den Wänden der Box ferngehalten werden, was durch magnetische Eindämmung geschah. „Beweg deinen Arsch!“ Simmons lässt sich in die Kapsel fallen und versiegelt den Deckel.
Kapitel 05: Zeit zum Atmen
Der natürliche Instinkt rät Ashmodai zu fliehen, sich einen Unterschlupf zu suchen und abzuwarten. Doch sein Vater hatte ihn gelehrt, dass man sich weiterentwickeln müsse. Und, dass man nur eines fürchten müsse: Die Angst. Mut, Stolz, Loyalität waren Errungenschaften des Geistes, nicht des Instinkts. Ashmodai setzt sich auf und verdrängt für diesen Moment alle seine Ängste und die Hitze um ihn herum. Er versucht auszumachen, an welchem Ort genau die Geräusche und die Erschütterungen ihren Ursprung finden, indem er die Augen schließt und sich konzentriert. Das Geräusch klingt wie der Drillingsbohrer der Mannschaft, die nahe seines Heims auf der Erde den Santa Monika Tunnel gruben. Obwohl die Erschütterungen heftiger werden sind sie noch weit unter dem Niveau eines Erdbebens. Hier gräbt sich etwas gezielt durch den Boden. Immer weiter der Oberfläche entgegen und immer näher an Ashmodais Position. Ashmodai bleibt stehen. Es musste einen Grund geben. Sein größter Trumpf war Wissen. Er erinnert sich an eine Situation mit den Srilks seiner Nachbarn. Diese Tiere hatten beeindruckende Klauen und Zähne, obwohl sie gerade einmal so groß wie ein Schäferhund waren. Sein Vater lehrte ihn damals nicht wegzulaufen, sondern die Tiere heran zu lassen. „Tiere sind nicht wie Humanoide, Ashmodai. Bei ihnen siegt die Neugier über die Angst, wenn sie etwas Neuem begegnen.“ Das sind wahre Worte wie Ashmodai findet und doch... Jetzt, wo er sich sicher ist, dass sich etwas genau unter ihm befindet, wankt Ashmodai ungeduldig. Er möchte gerne so handeln, wie es sein Vater von ihm zu erwarten scheint, doch glaubt gleichzeitig einen der größten und letzten Fehler seines Lebens zu machen. Der Lärm der Erde, die unterirdisch bewegt wird, sprengt Ashmodais Erwartung. Mittlerweile gesellt sich ihm ein erschreckendes Kreischen hinzu. Die Wartezeit ist vorüber. Das „Ding“ ist viel zu nahe und das Beben kommt zu einem Höhepunkt. Es würde Ashmodai nicht wundern, wenn direkt unter ihm ein Vulkan ausbrechen und der allgemeinen Hitze noch die Glut seiner Lava überlassen würde. Ashmodai kann sich nicht länger auf den Beinen halten, als sich der sandige Boden langsam hebt. Es besteht überhaput keine Chance zu entkommen. Eine Kuppel aus Sand wird aus dem Boden gehoben, als ob jemanden unter der Wüste einen riesigen Luftballon aufblasen würde. Der Junge krabbelt rückwärts auf allen Vieren so schnell er kann aus dem Gefahrenbereich, während der Sand Risse bekommt. Um seine Ohren vor dem Tosen zu schützen muss Ashmodai die Flucht einstellen und hält sich stattdessen die Ohren zu. Er hat die Augen geschlossen. Was geschieht hier bloß? Endlich explodiert der Boden und gibt frei, was immer so hartnäckig darum kämpfte ans Tageslicht zu gelangen. Doch noch kann man nichts erkennen. Die Flut aus Sandkörnern begräbt Ashmodai unter sich und lässt ihn einerseits bangen den Erstickungstod ausgeliefert zu sein. Andererseits hofft er vor den Blicken von dem, was auch immer der Erde entsprang, geschützt zu sein. Nachdem die Geräusche sich beruhigt haben, das Beben Vergangenheit ist und Ashmodai so langsam die angehaltene Luft ausgeht, lässt Ashmodai etwas Spucke über seine Lippen laufen. Sie bewegt sich nach rechts und deshalb kann Ashmodai feststellen, dass er sich nach links frei buddeln kann. Ein alter Trick, den sein Vater parat hatte, falls man einmal unter einer Lawine begraben werden sollte und überlebte. Nachdem sein Kopf endlich wieder aus dem Sand auftaucht muss Ashmodai erst einmal herzhaft nach Luft schnappen. Fast sofort überprüft der Junge seine Umgebung. Langsam dreht er sich um seine Achse, den Blick in die bekannte Ferne der Endlosigkeit gerichtet. Dann fällt ihm ein Geräusch auf. Leise zwar, aber existent. Mit einem Ruck schaut Ashmodai hinter sich und erblickte den Grund für seine Angst.
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Ein herrliches Gefühl derart unabhängig zu sein. Sich nicht einmal von Physik oder dem so oft zitierten gesunden Menschenverstand einschränken zu lassen. Nichts war unmöglich. Nicht für sie. Erido lacht über die hinter ihr explodierende Saint. Wie oft hatte sie mit dem Gedanken gespielt genau dies mit ihrem Gefängnis anzustellen. Doch da war ja noch Ducan. Er hatte sie verlassen. Einfach so. Typisch für ihn. Sollte er sich doch Vorwürfe machen! Aber nein, dass sah Ducan nicht ähnlich. Seine Gefühle behinderten ihn zwar ständig, aber sie hielten sich in Balance mit seiner Gleichgültigkeit. Tief in Eridos Inneren stauten sich einige Empfindungen für die Mannschaft, doch ohne in ihr offenes Bewusstsein zu dringen: Angst und Trauer um Simmons, die Nervensäge. Um Martall, die sich ihren Gefühlen nie stellte. Für Tout, der ihr ein Vorbild an Selbstbeherrschung war. Und auch für Synn Paihet, der sie nie aufgegeben hatte und versuchte ihr ein Vater zu sein. Diese und die anderen Personen an Bord waren fähige Köpfe und so unwahrscheinlich es klang: Sie mussten einen Weg gefunden haben, zu überleben. Und wenn nicht? Was ging es Erido an! Sie war frei! Endlich wieder! Sie musste sich keine Gedanken um Andere machen. Keiner konnte ihr folgen, als sie im All umgeben von Sternen treibt. Die Wände des Raumschiffs waren für sie nie existent gewesen. Sie benötigt weder Sauerstoff noch Wärme um zu überleben – nur ihren Geist. Sie braucht niemanden! Keine Vorschriften, keine Grenzen! Jetzt geht es los. Ein weiteres Mal. Während Tod und Zerstörung kurze Zeit vorher das Ende zahlreicher Leben markierte, ist Erido glücklich. In Ekstase manipuliert sie den Raum um sich. Erschafft Quantenfluktuationen im Raum-Zeit-Gefüge und rast ziellos zwischen den Asteroiden des Drahl Orbits umher. Ihr entgeht, wie zahllose winzige Rettungskapseln versuchen Drahl 5 zu erreichen. Die Zusammenstöße mit denselben Asteroiden, die Erido umgeben und ihr so viel Spaß bereiten, reißen die Hüllen einzelner Kapseln auf und sorgen dafür, dass diejenigen, die sich bereits in Sicherheit ahnen, den qualvollen Erstickungstod erfahren. Erido ist mit ihren Geschwindigkeit bereits auf der anderen Seite des Planeten als die Ulysses ihren Kurs ändert und Jagt auf die verbleibenden Kapseln macht. Drei waren bereits in die Atmosphäre eingetreten und wenn ihre Hitzeschilde hielten waren sie außer Reichweite der Ulysses und damit außer Gefahr. 15 weitere Rettungsschiffe würden entkommen, bevor die Ulysses ihre Ziele anvisieren kann. Die anderen haben kaum eine Überlebenschance gegen das viele tausend Mal größere „Forschungsschiff“.
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Lissy hört nicht auf Rifa zur Verzweiflung zu bringen. Sie heult nun schon seit sie das Schiff verlassen haben. Über 400 Rettungskapseln und Rifa muss die mit der sensiblen Leslie erwischen. Aber er lässt sich natürlich nichts anmerken. Seit den ersten Kontakten zwischen Menschen und Andorianern kam es immer zu komplizierten Missverständnissen. Rifa hatte früh gelernt, wie sehr sich die beiden Spezies unterschieden. Für einen Andorianer wie ihn ist es unvorstellbar, sich eine derartige Blöße zu geben, welche Leslie demonstrativ zur Schau stellt. Die Situation verlangt Selbstbewusstsein und Geistesgegenwart und kein Zerfließen in Selbstmitleid und Todesängsten. Sie sind noch nicht tot, obwohl für sie beide die Chancen recht gut stehen den nächsten Tag nicht zu erleben. Rifa mustert die Umgebung durch das Frontsichtfenster, welches nur einige Zentimeter hoch ist, sich dafür aber die komplette Frontseite entlang zieht. Damit sollte gewährleistet werden, dass man einen konkreten Überblick in Bezug auf das verlassene Schiff, den möglichen Angreifer oder sinnvolle Anflugsziele bekommen kann und nebenbei bei der Konstruktion so viel Fläche wie möglich für Panzerung und Wärmedämpfkacheln bereitgehalten wurde. Im Moment ist Rifas Sicht getrübt von Ruß, der noch vom Startvorgang herrührt. Ein normaler Start hätte keine Rückstände hinterlassen, aber Leslie und er hatten es erst im letzten Moment geschafft eine funktionierende Kapsel zu finden, da bereits zu viele von ihnen gestartet oder zu schwer beschädigt waren. Außerdem treibt im endlosen Raum auch noch ein eigenartiger Nebel, der das gesamte Gebiet mit seinem rost-orangenen Partikeln durchzieht und Rifas Aussicht zusätzlich trübt. Seine Optionen sind rar geworden. So weit es Rifa einschätzen kann, ist das Kommunikationssystem, welches einen permanenten Notruf ausstrahlt, sowie die Landeelektronik in einwandfreien Zustand. Der Andorianer hatte bereits mit Hilfe des Computers den wahrscheinlichsten Zielort für den Großteil der Kapseln berechnet und ein entsprechendes Anflugsprogramm in den Speicher eingegeben. Und na ja, zuletzt stirbt die Hoffnung. Sagt man zumindest bei den Menschen, soweit Rifa weiß. Ein weiteres Mal sieht er zu Leslie hinüber: „Mrs. Leitner?“ Die Fühler am Kopf des blauhäutigen Andorianers krümmen sich zu den Seiten, um Mitgefühl auszudrücken. Dies geschah ganz automatisch, ohne dass Rifa willentlich Befehle an seine entsprechenden Muskeln geben muss, obwohl ihm dies durchaus möglich ist. Für Rifa ist dies eine äußerst tolerante und diplomatische Geste. Doch als Leslie ihm keinerlei Beachtung verdickt sich sein Hals und auch sein Blick wandelt sich zu einem bedrohlichen Ausdruck: „Beruhigen sie sich endlich!“ Rifas Stimme findet kaum Gehör, auch wenn seine Worte mit Schärfe formuliert sind. Lissies Reaktion besteht nur darin, dass sie kurz den Kopf mit ihren verheulten Augen und der zerrupften Frisur hebt. Sie blickt Rifa derart direkt in die Augen, dass dieser unwillkürlich den Blick abwenden muss. Ein lauter, hysterischer Schrei folgt! Rifa fährt zusammen und wendet seine Augen schockiert erneut zu Leslie. Diese kann sich kaum kontrollieren und ihre Pupillen haben sich zu unnatürlicher Größe geweitet. Doch sie starrt nicht auf den Andorianer, sondern den Sichtschlitz entlang! Zurück in seiner alten Sitzstellung konzentriert sich Rifa erneut auf die sichtbare Umgebung außerhalb der Kapsel. Fast sofort erkennt er, was Leslie meint: Es ist soweit. Ihr letztes Stündlein hat geschlagen, sie würden sterben. Es ist die Ulysses. Ihr enormer Rumpf durchbricht die Staubwogen und steuert direkt auf sie zu. Rifa wagt es nicht einmal zu blinzeln, als er sich langsam auf seinen Sitzplatz niederlässt. Er überprüft geistig seine Möglichkeiten und ist sich klar: Dies bedeutet das Ende. Er blendet Leslie und das Innere des Rettungsschiffs aus und beginnt ein Ritual, dass ihn sein Vater bereits zu der Zeit lehrte, als Rifa kaum verstand, woher der Regen kam. Es handelt sich um ein Sterberitual. Die letzte Ehrung derer, die waren und die noch kommen mögen. Dabei ist Rifa konzentriert und ruhig. Er ist ein Andorianer. Und dies ist die Art für Andorianer zu sterben. Mit den richtigen Entscheidungen.
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Schwärze. Nein, wir befinden uns nicht in Raum 113a. Wir befinden uns zwar im unendlichen Weltall, aber nicht auf einem Raumschiff. Hier gibt es nur einen Geist und der beginnt gerade zu verstehen, was vorgefallen ist. Panik bricht aus und verebbt wieder. Erneute Panik, Schreie und dann... Stille. Simmons gibt auf. Er hat zwar die Zerstörung der Saint knapp überstanden, aber diese Situation wird das Sterben um einiges grausamer gestalten, als die Dekompression im Weltall oder das Verbrennen im Feuer der Explosionen. Manny Simmons würde einen erbärmlichen Erstickungstod erfahren, wenn nicht vorher die Kälte oder die kosmische Strahlung des nahen Neutronensterns für sein vorzeitiges Ableben sorgen würden. Wo sich Manny befindet? Na immer noch in seiner versiegelten Kernfusionskammer. Nun, hier muss zuerst mal erklärt werden, wie so ein Gerät funktioniert. Schließlich hat jeder Captain mehr als genug graue Haare allein aufgrund der Sorgen, die die hochexplosiven Aufbewahrungsbehälter auslösen, wenn man sich in einer Kampfsituation befindet. Warum also in eine klettern, wenn das Raumschiff um einen herum auseinander platzt? Sprengstoffkapseln sind auf einen Zweck ausgerichtet: Den Inhalt am Kontakt mit Materie zu hindern. Das heißt erstens, dass die Elektronik mehrere Male stabilitätsgesichert ist, die Kapsel zweitens eine enorm starke Panzerung aufweist, die bei Stürzen dafür sorgt, dass der Eindämmung nichts passiert und drittens, dass die Lagereinheit nur auf einen Weg zerstört werden kann – von innen heraus. Sobald Simmons die Antimaterie transferiert hatte (Nicht zur Nachahmung empfohlen!) war die Kapsel der sicherste Platz überhaupt. Die Sicherheitsvorkehrungen gegen äußere Penetration sind bei solchen Lagerungseinheiten die höchst möglichen. Die grauen Haare entstehen, wenn man sich überlegt, wie einfach es für einen Gegner ist, für eine Milliardstelsekunde den Energiefluss einer Kapsel z. B. durch eine Erschütterung zu unterbrechen. Dies reicht um der Energie freien Lauf und sie von innen heraus mit unvorstellbarer Zerstörungskraft zuschlagen zu lassen. Ob Manny dies bedacht hat, als er sich in die Kapsel fallen ließ sei dahingestellt. Er hat überlebt. Hoffentlich nicht als Einziger. Außerdem würde Simmons sich nicht gerade als glücklich bezeichnen, während er immer wieder Zyklen aus unkontrollierbarer Panik und melancholischer Resignation erlebt. Die Hitze seines eigenen in der Kapsel angestauten Atems lässt seinen ganzen Körper entsetzlich schwitzen. Manny kann sich kaum bewegen. Die Dunkelheit und die Stille des Alls, welches Töne nicht überträgt, lassen Manny im unklaren darüber, was um ihn herum geschieht. Ein weiteres Mal stemmt sich Manny in eine andere Position. Der Platz innerhalb der Box ist ausgesprochen eingeschränkt und deshalb kostet ihn dies einiges an Mühe. Im Moment hat Simmons es geschafft sich in eine Stellung zu bringen, die es ihm erlaubt seine Beine an seinen Körper zu ziehen. Die Hände in seinen kurzen braunen Haaren vergraben, harrt er aus, in Gedanken immer noch bei den letzten Augenblicken auf der Saint... und bei Anna Martall. Er hatte sich etwas vorgemacht. Das Schiff war verloren, er hätte auf Anna hören sollen. Einmal in seinem Leben hätte er auf sie hören sollen. Die Ironie, die Simmons sein Herz zerreißt handelt davon, dass nicht er für seine Dummheit bestraft wurde, sondern Anna.
Anna. Was für ein Witz! Die Sprengkapsel benutzen, um ein Forschungsschiff der Föderation zu zerstören! Ha, wie dumm von ihm zu glauben etwas ausrichten zu können. Was hatte er sich dabei nur gedacht? Er hatte gar nicht gedacht. Er wollte ein Held sein. Für seinen Captain, für seine Freunde... und für Anna. Doch Simmons hatte etwas vergessen: Held sein, das heißt Leiden. Einsamkeit. Verzichten. Und Sterben. Manny war kein Held. Er hätte schon einiges darum gegeben, einfach nur nicht er sein zu müssen. Besonderst in diesem Moment... Mit einem Ruck wird Manny aus seinen Gedanken gerissen. Er verliert seinen Orientierungssinn. In der Schwerelosigkeit fühlt Manny nur Beschleunigungsimpulse aufgrund seiner Trägheit. Etwas hatte die Kapsel erwischt. Vielleicht ein Asteroid? Ein Tracktorstrahl würde ihn nicht so unkontrolliert wirbeln lassen. Manny Simmons wird müde. Er hat Kopfschmerzen. Die Luft wird dünn. Ein leises Pfeifen kündet von einem Leck aus dem Atmosphäre austritt. Wie war das nur möglich? Etwas wirklich Großes musste ihn erwischt haben. Bei einer anständigen Rettungskapsel wäre bereits ein Alarm... - Manny atmet immer schwerer-... mit einer exakten Restluftberechnung ertönt... ein Held... …Anna...
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Das stromlinienförmige Schiff Ulysses nähert sich seinem nächsten Opfer. Jetzt reichen bereits die leichteren Waffen um die Rettungsschiffe wie Tontafeln zerplatzen zu lassen. Gefangene werden keine gemacht. Die Technologie des Raumers ist beeindruckend und tödlich zugleich. Wenige Menschen sind intelligent genug, um die Ausbildung für solch anspruchsvolle Ausrüstung zu bestehen. Wenn man sich die Ulysses oder eines ihrer Schwesternschiffe ansieht würde man nie vermuten, dass nur einige Dutzend Personen das Schiff kontrollieren. Die Crew besteht aus Individuen, die sich ausgezeichnet haben, durch Wissen, Geschick, Moral und Ausdauer. Gleich 6 Reaktoren sorgen für eine der stabilsten Energiematrizen, die der Menschheit bekannt ist. Die Computer arbeiten auf einem Niveau, das bereits jedem Beispiel aus der Natur spottet. Die Verteidigungsschirme zerbrechen die Felsen der Asteroidengürtel wie Glas, auf das ein Hammer hernieder fährt. Sie absorbieren genug Energie, um wenige Kilometer nahe der Korona einer Sonne operieren zu können. Allein die Nähe der zehn- lagigen Deflektoren sorgt dafür, dass Objekte umgelenkt werden. So stößt die Ulysses durch Trümmer, Asteroiden, Baracturums Nebel und Sternstaub auf kürzesten Wege auf Lissies und Dr. Rifas Kapsel vor. Lissy hat aufgehört zu weinen. Rifa kniet, die Hände auf seinem Rücken, die Handflächen nach außen. Die Waffenphalanx glüht rötlich auf, als der Strahl vorbereitet wird. Doch es kommt nicht zum Schuss. Ein weiteres Schiff nimmt am Geschehen teil. Ein winziges Schiff. Es taucht aus einem Tarnfeld auf und beginnt ohne Zeitverzögerung die Ulysses unter Feuer zu nehmen. Und dieses Schiff ist kein Forschungsschiff. Es ist kein VFS. Es ist aus dem Jahrhundert der Saint. Ihre Waffensysteme nehmen systematisch die Geschützaggregate der Ulysses aufs Korn. Jede Schwachstelle wird ausgenutzt. Die Ulysses fährt die Zwillingsgeschütze ein. Gegen einen dermaßen manövrierfähigen Gegner sind sie nutzlos. Die Ulysses lässt ihre Nachsicht nun vollständig fallen und aktiviert unzählige unabhängige Waffensysteme. Konzentrierte Laserstrahlen sind noch das geringste Übel, das jetzt die Ulysses verlässt. Haftminen jagen auf das einen halben Kilometer lange Kriegsschiff zu. Disruptoren scramblen im 2D Bereich riesige Flächen und gebieten dem Gegner Schranken, ähnlich wie Türme beim Schach gegen den König benutzt werden. Doch das kleine Schiff hält sich hervorragend! Es wendet erneut für einen Frontalangriff! Ein Störsignal wird aktiviert, um die Disrupter- Barrieren an winzigen Stellen zu unterbrechen, um zu entkommen. Und das gleich mehrmals! Das kleine Schiff huscht durch die Sperren, wie durch die Löcher einer Scheibe Käse! Dies ist keineswegs eine Technologie, die aus der Zeit stammen kann, als dieses kleine Schiff konstruiert wurde. Solche Schiffe sind sogar um einiges älter, als die Saint. Doch die Ulysses musste nicht wie diese Schiffe der Vergangenheit aufgebessert werden. Die Systeme des Forschungsschiffs sind auf dem neuesten Stand und die Kompatibilität sowie die zeitgünstigsten Übertragungswege sind Standart. Doch was da aus den Torpedoschächten des kleinen Fighters fliegt sind geballte Feuerbälle im Intervall von wenigen Millisekunden. Und Feuerkraft bleibt Feuerkraft, egal in welchem Jahrhundert. Als ob dass Schiff seine tödlichen Geschosse kaum halten könnte, lässt es seinen gerichteten Hass an der Ulysses aus. Hier haben sich zwei ebenbürtige Gegner getroffen. Selbst Lissy und Rifa haben jetzt noch eine Überlebenschance. Ihre Kapsel verlässt soeben die Kampfzone. Doch die Ulysses könnte kurzerhand aufholen, wenn ihre Ablenkung versagen würde. Und es sind noch einige Minuten bis zum Orbit von Drahl 5. Das Feuerwerk ist spektakulär. Kugelblitze die nicht im Ziel aufschlagen werden in die unendlichen Weiten des Weltalls entlassen. Ihre Energie reicht, um noch mindestens eine halbe Stunde lang ihre ungeheure Macht austoben zu können, ohne eine ernsthafte Gefahr darzustellen. Die Ulysses versucht erneut sich in eine effektive Geschützposition zu steuern, doch wie ein Matador, der langsam durch Säbelstiche einen Stier zu Fall bringt, arbeitet sich das winzige Kampfschiff Schicht für Schicht durch die Verteidigung. Dabei konzentriert es sein Feuer auf einen kleinen Schildbereich, um eine Neuaufladung zu verhindern und um nebenbei einen der wenigen Schwachpunkte direkt unter Feuer nehmen zu können. Der Ulysses ist inzwischen ihre Position klar. Ihre Waffenkraft kann nicht eingesetzt werden gegen ein Schiff dieser Größe, mit einer derart hohen Geschwindigkeit und derart monströsen Feuerkraft. Doch auch das kleine Schiff nimmt Schäden. Weniger von dem Zufallstreffern der Ulysses, als von ihrem inneren Druck. Bereits im 24. Jahrhundert brach dieser Schiffstyp fast auseinander, wenn ihm alles abverlangt wurde. Es war ein Schiff, das zu verzweifelten Zeiten entwickelt wurde. Ein Kriegsschiff. Fast lächerlich, wenn man die Erdflotte kennt. Weder die Ulysses noch der Jäger sind Exemplare der Flotte, die man mit Stolz erwähnen kann. Die Ulysses wegen ihrer derzeitig nicht nachvollziehbaren Handlungen und Verbrechen und das Kampfschiff aufgrund seiner Entstehungsgeschichte. Und wie immer wenn zwei Dinge schief laufen treffen sie irgendwann aufeinander und es kann nur ein Ergebnis geben. Ein Finale. Chaos oder Ordnung.
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Chaos oder Ordnung. Ashmodai kann nicht mehr. Es ist alles so surreal. Er zweifelt an seinem Verstand. Die Hitze hatte ihn bestimmt schon geschafft. War er tot? Die Kreatur vor ihm erinnert ihn an nichts, was er zuvor in seinem Leben je gesehen hatte. Sie schwebt mehrere Meter über dem Boden. Ungefähr drei würde der Junge schätzen. Empor gehalten wird sie durch die massiven Flügel, die die Luft gegen den Boden pressen. Die kräftigen Schwingen ähneln denen, von Jeeken auf Antaris oder von Flugsauriern der Erde. Letztere waren aber schon vor Ewigkeiten ausgestorben. Doch Ashmodai ist weniger von den Flügeln und ihrer Spannweite beeindruckt, als von einem für ihn viel gefährlicher erscheinendem Körperteil, dem Kopf. Das Wesen hat Augen. Dreieckige Schlitze, die nach vorne hin spitz zulaufen. Wie bei Pferden liegen sie auf den gegenüberliegenden Seiten des Kopfes. Das kräftige Maul hat eine ungewöhnliche Aufteilung. Drei scharfe Zähne, die zusammen so groß sind wie der Rest des Kopfes passen perfekt aufeinander und bilden die Kopfspitze. Der restliche Rumpf scheint dagegen eher harmlos und weich. Pulsierende Stöße wandern den wurmartigen Körper entlang zu einem hinteren Ende, dass Ashmodai nicht genau ausmachen kann. Das Tier scheint keinen Schwanz zu besitzen, sondern stattdessen zwei lange spitze Dornen, die ihm zur Stabilisierung zu dienen scheinen. Sie richten sich schräg dem Himmel entgegen. Hoffentlich kann es diese Dornen nicht als Waffe einsetzten. Wer könnte einem solchen Dolch entkommen? Zu Ashmodais Glück bewegt sich das Wesen kaum. Doch es starrt ihn an. Ist es vielleicht intelligent? Ashmodai hatte schon von kurioseren Lebensformen gehört. Doch er wollte keinen Fehler begehen, in dem er sich unnützen Hoffnungen überließ. Ashmodai ließ sich langsam auf den Boden nieder. Das Tier schien abzuwarten. Wahrscheinlich ist es sich nicht im klaren, was Ashmodai darstellt. Eine Nahrungsquelle vielleicht? Oder ein Feind, bei dem es gilt, das Territorium zu verteidigen? Wer glaubt, dass Ashmodai jetzt ruhig im Schneidersitz abwartet, der irrt. Der Junge ist nervös. So nervös, dass sein gesamter Körper vibriert. Er wendet die Augen ab und zwingt sich ruhig und konzentriert zu sein. Wie sein Vater. Das Geräusch der auf und ab stampfenden Flügel wird zu einem monotonen Hintergrundgeräusch. Es scheint ein leibhaftiger Drache zu sein. Ashmodai kann sich nicht beherrschen und muss immer wieder kurz aufsehen, um sich zu vergewissern, dass er immer noch lebt und das gegenüberstehende Wesen keine aggressiven Aktionen durchführt. Der Kopf des Drachen ist nach hinten gewandt. Er starrt in die Ferne. Jetzt nach oben! Es bahnt sich etwas an. Ashmodai steht wieder auf. Im Notfall wird er versuchen wegzurennen. Aber nur im Notfall. Das Ungetüm duckt sich, um gleich darauf seine groben Schwingen dazu zu benutzen in den Himmel zu steigen. Der aufgewirbelte Sand schlägt Ashmodai entgegen. Mit einem Tempo, dass Ashmodai überdenken lässt, wie lange er diesem Wesen wohl weglaufen könne, bahnt sich das Monster einen Weg in den wolkenlosen Himmel. Der Junge ist erleichtert, dass dieser Kelch noch einmal an ihm vorübergeht und versucht dem immer kleiner werdenden Lindwurm in der Ferne mit den Augen zu folgen. Er fokussiert seinen Blick, indem er seine Augen so weit schließt, dass ihm das einfallende helle Tageslicht nicht mehr stört und auch mit den Händen schottet er seine Augen vor dem Licht ab, um dem mittlerweile zu einem Punkt zusammen geschrumpften Tier nachzusehen. Es verändert seine Flugbahn! Es fliegt dem Horizont entgegen. Was hat es vor? War dies eine instinktive Handlung? Ein Fluchtreflex? Es ändert schon wieder die Richtung! Dem Boden entgegen. Was geht hier nur vor? Das Wesen kam schließlich aus dem Boden, vielleicht möchte es dorthin zurückkehren. In wenigen Sekunden schlägt es auf. Doch nein. Erneut fliegt es ein anderes Ziel an. Kurz vor dem Boden hat der Drache seine Energie umgelenkt und steuert jetzt... auf Ashmodai zu. Dessen Augen werden immer größer. Von wegen Fluchtreflex, dieses Biest scheint es sich anders überlegt zu haben und in den Angriff überzugehen. Und das mit einer unvorstellbaren Geschwindigkeit! Es reicht Ashmodai. Er dreht sich um und rennt, was das Zeug hält. Hinter ihm hört er das sich immer schneller nähernde Wesen. Er stolpert, rennt weiter, fällt erneut hin. Im Sand krabbelt er bis er wieder stehen kann. Panik breitet sich aus. Er atmet immer unregelmäßiger. Er schreit nach seinem Pan! Keine Chance zu entkommen. Dieses Vieh würde nicht einmal anhalten zu brauchen, um Ashmodai zu verschlingen. Er stürzt erneut! Ashmodai sieht nach hinten. Es hat keinen Sinn. Das Tier ist gleich bei ihm. Wie mächtig es ist. Und wie schön. Ashmodai will mutig sein; dem Tod ins Gesicht sehen. Wenige Sekunden, bevor das Biest ihn erreicht steht Ashmodai auf. Er schließt seine Augen nicht.
Kapitel 06: Jubin
„Jessie: Kurs, 60.90.0. Und zwar schnell. Alle Mann festhalten!“ Die U.S.S. Jubin vollführt ein weiteres spektakuläres Ausweichmanöver, um dem Sperrfeuer seines Gegners zu entkommen. Das Schiff war alt, aber das galt nicht für seine Waffen- und Antriebssysteme. „Captain: die Rettungskapseln“ T’Conar bleibt gelassen, auch wenn die Trägheitsabsorber nicht immer mit Jessie Grosz unkonventionellen Manövern mithalten können. Als Vulkanier verzieht er keinerlei Miene, als sich herausstellt, dass die Ulysses sich vom Kampfgeschehen absetzt und wieder jagt auf die Rettungsschiffe macht. Ihm bleibt nur den Captain zu informieren, der daraufhin die richtige Entscheidung zu fällen hat. Und kaum jemand anderem würde T’Conar zutrauen diesen Moment besser zu meistern als dem Mann, der ihm nicht nur wie seine ehrwürdigen Lehrmeister von Toleranz berichtete, sondern sie ihm auch demonstrierte. Dieser Captain, der nur wenig von einem Vulkanier und noch weniger von einem Lehrmeister hat hört auf den Namen Tempes. Vom Rang her zwar nur Commander, steht Ducan Tempes für alle Ideale, die seine Uniform ihm zugedacht hat. Seine Crew ist ihm treu ergeben. Jeden Einzelnen hat er persönlich ausgewählt und angesprochen. Nur zehn Frauen und Männer helfen ihm dieses stolze Schiff zu führen. „Jessie. Los, hinterher! Kaylin?“ Hinter dem Stuhl des Captains und damit auch hinter Tempes rechter Schulter erscheint ein gerade einmal fünfzehn oder sechzehn Jahre altes Mädchen mit kurzen, hellen Haaren. Ihre Augen gleichen von der Zuversicht her denen Ducans. „Unsere Strategie?“ Ducan dreht seinen Sitz und befragt Kaylin während diese auf die Ulysses am Hauptschirm sieht. Das Schiff ist nur noch von achtern her zu bestaunen. Zaghaft öffnet sie ihren Mund: - „ Uns bleibt keine Wahl. Wir kommen nicht durch ihre Schilde. Ihr Tempo können wir nicht verlangsamen. Alle Personen der Saint werden den Tod finden, spätestens wenn Drahl 5 bombardiert wird.“ - „Also?“ Ducan teilt Lektionen aus. Das Mädchen wankt. Sie weiß nicht, was zu tun ist. Sie fühlt sich hilflos. Es geht um Menschenleben. Es scheint ihr, als würde sie sich in einem Simulator befinden. Als ob Ducan sie immer und immer wieder auf die Probe stellen würde: - „Also,...“ Die Ulysses hat jetzt keine Möglichkeit mehr, Rettungskapseln zu vernichten. Alle verbleibenden hatten es in die Atmosphäre von Drahl 5 geschafft. Doch dieses Teufelsschiff bereitet sich darauf vor zielgenau Ladungen abzufeuern, um die Besatzung der Saint am Boden zu erwischen. „Wir haben keine Tracktorstrahlen an Bord. Keine Waffen, die der Ulysses etwas anhaben könnten. Wir haben keine Zeit mehr. Ich weiß nicht, was wir für die Menschen tun könnten. Ich...“ Ducans Blick senkt sich auf den Boden. Er dreht seinen Sitz in seine ursprüngliche Position. Nachdem er das Interkomm aktiviert hat, nimmt er Kontakt mit dem Maschinenraum auf: „ Rufus? Hier Brücke.“ - „Hier Rufus“ Erneut dreht sich Tempes zu Kaylin: „Traktorstrahl, hmm?“ Schockiert sieht Kaylin in die Augen des Mannes, den sie noch nie verstanden hatte. Nicht weshalb, er sie auf dieses Schiff geholt hatte. Nicht weshalb er sie andauernd befragte. Ducan erneut ins Intercomm: „ Rufus, was ist die stärkste Verbindung zwischen zwei Schiffen? Ein Tracktorstrahl?“ - „Verbindung? Äh, nein, Sir. Bei Schilden sowieso nie. Und das Tempo erschwert die Sache meistens. Das Beste ist immer noch guter alter Körperkontakt. Eine Metallverbindung oder so was. Wieso?“ - „Und was ist das Beste, um uns mit der Ulysses zu verbinden?“ - „Mit der Ulysses?“ - „Schon gut. Brücke Ende.“ Immer noch verwirrt sieht Kaylin wie Ducan sorgenlos Befehle gibt. Der gesamte Kontrollraum könnte in Flammen stehen. Alle könnten tot sein und Ducan Tempes würde immer noch Befehle erteilen ohne einmal innezuhalten und sich Sorgen zu machen: „Jessie. Erstens: Holen sie die Ulysses ein. Zweitens: Kümmern sie sich nicht um den feindlichen Beschuss. Drittens: Rammen sie uns in die rechte Flanke gegen ihren sekundären Plasmakonvertierer.“ Jessie verzieht keine Miene. Sie kennt diese Art von Befehlen. Sie hören sich immer nach einem Himmelfahrtskommando an. Doch solange die Befehle von Ducan kommen, würde Jessie alles tun. Selbst wenn sie damit ihr Todesurteil unterschrieb. Hier ging es nicht um blindes Vertrauen. Hier ging es um Wissen. Und na ja, auch um Liebe. - „Aye, Sir.“ Mit ihren gewaltigen Antriebsaggregaten und ohne die lästige Masse der Ulysses war es der Jubin ein Leichtes nach der Verfolgung aufzuholen. Drahl 5 ist schon vor der Ulysses sichtbar. Ducans Befehle hören nicht auf: „T’Conar. Für sie hab` ich auch etwas zu tun.“ - „Ja?“ - „Sorgen sie dafür, dass wir überleben.“ Wenn der Augenblick nicht derart ernst gewesen wäre, hätte Kaylin sicher gelacht. Die Ulysses scheint das Schiff, welches sich jetzt bis auf wenige Meter genähert hat, nicht vergessen zu haben. Jetzt danebenzuschießen ist unmöglich. Hunderte Strahlen, manche aus ein und derselben Gefechtsbank, feuern auf die Jubin. Alle Energie wurde von T’Conar in Antrieb und Frontschilde umgeleitet. Die Hüllenpanzerung deformiert sich allmählich aufgrund der Belastung. Ganze Wohnquartiere an Bord der Jubin werden zerquetscht. Wie ein lästiger Parasit gleitet die Jubin parallel zur Oberfläche der Ulysses, immer in Richtung Frontpartie und damit in Richtung der von Ducan anvisierten Plasmakonvertierer. Wie ein lästiges Insekt wirkt die Jubin neben der endlosen Oberfläche der Ulysses. Ein starker Energieimpuls lässt Jessie das kleine Kampfschiff einen kurzen Moment von der Ulysses weg nach außen stoßen. Kurz darauf nimmt sie direkten Kurs auf die Hülle des Forschungsschiffs. Ducan hatte gerade noch rechtzeitig eine Warnung an alle ausgegeben, sich festzuhalten. Mit einem Schlag versenkt sich die Deflektorspitze des Fighters Jubin in der Seite der Ulysses. Wenn das Forschungsschiff sich nicht selbst mit der Jubin vernichten will, muss es das Feuer einstellen. Tconar reagiert ruckartig, als er den Befehl von dem auf den Boden geschleuderten Captain bekommt, die Schilde einzufahren und alle Energie in die Booster zu lenken. Die Maschinen stöhnen auf. Die Jubin wird langsam aufgrund ihres eigenen Antriebs wie eine Coladose zusammengedrückt. Doch es gibt noch einen weiteren Effekt: Die Ulysses bewegt sich! Sie ändert ihren Kurs! Sie wird nach links abgelenkt. Und wie das im Weltall ist: Ohne Gegenkraft und ohne Reibung multipliziert sich ein Drehmoment unkontrolliert. Die Ulysses wirbelt um die eigene Achse. Und hört nicht auf sich zu drehen. Die Jubin hört nicht auf dem Antrieb der Ulysses entgegenzuwirken. Doch die Größe des Forschungsschiffs hindert es daran effektive Gegenmaßnahmen vornehmen zu können. Während die Jubin als ein kleines Schiff mit einer kleinen Mannschaft und einem speziellen aufgerüsteten Trägheitsabsorbersystem ausgestattet ist, hat das Forschungsschiff Probleme. Es braucht Unmengen an Energie, um ihre Besatzung nicht an den Wänden zu zerdrücken. Und obwohl die Ulysses um vieles mehr Energie als die Jubin produziert, fallen die ersten Lagen der Schilde. Und der Bereich, den der taktische Offizier bereits vorhin andauernd anvisierte wird schutzlos: Die Hauptsteuerung für den Antrieb. Ducan sitzt wieder in seinem Sitz. Kaylin ist nichts passiert. Sie hatte sich auf Ducans Zeichen hin im hinteren Ende an eine Halterung geklammert. Ducan schreit nach Jessie: „In die Bremsen! Los!“ Die Jubin löst sich durch den Ruck von der Ulysses. Jessie weiß, dass Ducans „Bremsen“ die Rückwärtsantriebe darstellen. Diese müssen jetzt viel leisten, will die Jubin nicht vom umherwirbelnden Heck der Ulysses doch noch gestreift werden. Ein kurzes Kommando von Tempes reicht, um Volat die neu gestarteten Waffensysteme eine schnelle Folge von Torpedos abfeuern zu lassen, die dafür sorgen werden, dass die Ulysses für mindestens zwei Stunden kein Manöver mehr fliegen kann. Doch sobald ihre Manövrierdüsen wieder frei agieren können, werden sie die Drehung stoppen. Und auch ohne Antrieb bleibt die Ulysses ein starker Gegner. Sie würde sich der Jubin in kurzer Zeit wieder entgegenstellen mit wiederhergestellten Schilden, Deflektoren in mehreren Schichten und Waffensystemen, die Hunderten Todesfallen gleichkommen. Doch Tempes wird den Moment nicht nutzen, um das Schiff zu zerstören. Er könnte eine Kaskade im Antrieb auslösen. Oder einen Virus in einen der Hauptcomputer einschleusen, um die Selbstzerstörung einzuleiten. Oder... Doch er tut es nicht. Und warum nicht? Weil dies nicht seine Aufgabe ist. Seine Aufgabe ist Kaylin. Und Jessie. Und die Lebensformen, die von der Saint fliehen konnten. Und jetzt auf Rettung warten. Die Jubin verlässt die Ulysses, die sich immer noch dreht und Tempes raumer mit Waffenfeuer verfolgt. Die Ulysses gibt nicht auf. Doch Jessie sieht es nicht mal für nötig an, ein Ausweichmanöver zu fliegen. Sie haben gewonnen. Ducan dreht seinen Sitz nach hinten zu Kaylin. Sie hat sich auf den Boden gesetzt, den Mund leicht geöffnet. Ducan sieht in ihre blauen Augen, dann über sie hinweg ins Nichts: „Wir kommen, Synn“
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„Ist er tot?“ - „Keine Ahnung. Ich kenn mich mit Xindi nicht aus. Aber er scheint keine Flüssigkeit zu verlieren.“ Baracturum kommt langsam wieder zu Bewusstsein. Er liegt auf dem Rücken. Er hört den Regen im Hintergrund auf den sandigen Boden prassen. Doch er selbst ist trocken. Die ersten Bilder, die Buck erkennen kann, sind die des Daches einer Notunterkunft. Das Praktische, wenn man mit Ingenieuren in die Rettungskapsel steigt: Man kann sich sicher sein, dass, egal wo man landen wird, man sich keine Sorgen machen muss hinsichtlich Unterkunft und sonstiger technischer Ausrüstung. Baracturums Corps ist fähig aus so gut wie allem etwas Sinnvolles herzustellen und anscheinend haben sie die gesamte Kapsel bereits ausgeschlachtet und wiederverwertet. Baracturum will auf sich aufmerksam machen. Zeigen, dass er durchaus noch von Nutzen sein kann und noch nicht zu seinen Abertausenden verstorbenen Anverwandten gehört. Doch bereits als er die ersten Worte formulieren will, wird klar, dass Baracturum ein schwerwiegendes Problem hat: Er besitzt kein Übersetzungsgerät. Er hätte sich doch einen implantieren lassen sollen. Irgendwie wäre das bestimmt möglich gewesen. Statt also irgendein Kauderwelsch von sich zu geben, hebt er seine langen Vorderbeine und sticht Pfleger damit leicht in die Seite, worauf dessen Gesicht sofort ein Grinsen über beide Ohren ziert: „Hey! Buck!“ Chris Pfleger wippt auf seinen Fußballen, die Ferse vom Boden abgehoben. Ruhig geht er auf Baracturum ein: „Alles okay? Mann, wir dachten schon das wär`s gewesen!“ Baracturum bringt sich in eine angenehmere Haltung, unterstützt von Pfleger und Fureigh. Dabei produziert er Laute mit seinen Mundwerkzeugen, die die Botschaft übertragen sollen, dass er ein weiteres Mal seinen Übersetzer verloren hat. Fureigh antwortet auf die Worte. aber er wendet sich dabei an Pfleger: - „Baracturum scheint einiges abbekommen zu haben. Er denkt wir versteh'n ihn nicht, weil er seinen Translator nicht mehr hat.“ Buck ist überrascht. Hatte Fureigh ihn verstanden? Hatte er Xindi erlernt? Fureigh beugt sich zu Baracturum hinunter und berührt ihn an der Schulter: „Wir verstehen sie, Sir. Wir haben unsere Übersetzer nach wie vor implantiert. Der übersetzt auch ihre Worte für uns. Also, alles im grünen Bereich.“ Und ein weiteres Mal versucht das Vogelwesen Fureigh mit seinen gelb-braunen Schwingen den kümmerlichen Daumen nach oben abzuspreizen. Ein miserabler Versuch, aber man weiß in der Crew, was er damit sagen will. Wie konnte es Buck nur passieren, dass er die Funktionsweise von Translatoren vergessen hatte! Und, Moment, wo ist sein Arm geblieben? Er zählt nach: Eins, zwei, drei, vier, fünf... verdammt ihm fehlte ein Arm. Und wieso waren sie nicht an Bord der Saint? Und wieso... Baracturum denkt nicht nur unkonzentriert. Er überhäuft seine Freunde auch mit Fragen, die diese nur mit einem Kopfschütteln beantworten: - „Buck. Beruhige dich. Du bist verwirrt. Die Schmerzen. Buck, schlaf am Besten.“ Pfleger seufzt: - „Komm schon. Das wird wieder.“ Er holt schnell eine Unterkühlungsmatte aus einem der schweren Aufbewahrungsboxen. Schmerzen! Dass Baracturum nicht lacht! Insektoiden kennen keinen Schmerz. Sie haben kein Nervensystem. Er musste auf die Brücke und Bericht erstatten. Er musste die Kernmatrix auswechseln. Davies hat es bestimmt schon wieder vergessen. Doch wo war Davies eigentlich? Er kommt zu spät zu seiner Schicht. Diesmal wird ihm Baracturum das nicht durchgehen lassen. Der Insektoid versucht aufzustehen, doch Pfleger ist schneller. Eindringlich versucht er Buck ruhig zu stellen. Der Insektoid steht unter Schock oder hat zumindest geistigen Probleme. Vielleicht aufgrund des unnatürlichen Gasgemisches der Atemluft auf diesem Planeten. Oder aufgrund innerer Verletzungen. Ihre Rettungskapsel hatte es bis zur Oberfläche geschafft, aber nur mit einer katastrophalen Bruchlandung, der viele Crewmitglieder gebrochene Knochen verdanken. Sie befinden sich alle zusammen an einem endlosen Meer. Es war geplant mit der Kapsel zu wassern, jedoch aufgrund der schlechten Sicht inmitten des Unwetters, und aufgrund der beschädigten Technologie verfolgten sie einem falschen Eintrittskurs in die Atmosphäre. Knapp verfehlten sie das weiche Wasser und krachten beinahe gegen die Klippen, was ihren sofortigen Tod bedeutet hätte. Doch der blaublütige Yii brachte eine der Düsen dazu, einen Impulsschock auszustoßen, der dafür sorgte, dass sie genug Höhe gewannen, um den harten Felsen zu entkommen. Anschließend schlugen sie eine feurige Schneise in den dichten Urwald. Der Mensch Christian „Chris“ Pfleger, auch kurz C.P. genannt, hat die Führung übernommen. Er ist zwar jung, aber er traut sich so einiges zu und behält auch in Krisensituationen einen kühlen Kopf. Seine kurzen, braunen Haare hängen ihm aufgrund des Regens mitten ins Gesicht, doch er hat keine Zeit, sie beiseite zu streichen. Er holt gerade jemanden, der Baracturum ein für seine Physiologie verträgliches Beruhigungsmittel verabreichen kann. Yii stammt aus dem Volk der Bolianer. Seine normalerweise dunkelblaue Haut ist viel zu bleich. Er liegt am anderen Ende der Notbehausung. Sein Zustand ist kritisch. Bis zuletzt arbeitete er an der Frontmanövrierdüse, um sie alle heil landen zu lassen. Er dachte nicht daran auf Baracturums Befehl zu hören sich in seinen Schutzharnisch zu begeben – nicht solange ihre Chancen so schlecht standen. Und er war erfolgreich. Doch jetzt ist sein langer Körper bedeckt von mehreren dicken Lagen aus Isoliermaterial. Seine Augen sind geschlossen. Er scheint zu schlafen. Fureigh bleibt bei Baracturum. Mit einem seiner Flügel hält der gelbe Zweiflügler Baracturum fest genug, damit dieser nicht aufstehen kann. Mit seinen annähernd drei Metern überragt Fureigh selbst Tout oder jedes andere Besatzungsmitglied. Seine Federn sind goldgelb und mit einem dünnen Film überzogen, der ähnlich einem Wachsfilm Wasser und Dreck abweist. Dabei handelt es sich nicht um ein körpereigenes Sekret, sondern um ein kosmetisches Mittel, dass Fureigh täglich in sein Gefieder einarbeitet. Zwar muss sich Fureigh damit begnügen, nur bei Außenmissionen und auch dann nur mit Erlaubnis des Außenteamleiters zu fliegen, aber er ist ohne Zweifel noch in der Lage dazu. Fureigh trainiert seine entsprechenden Muskeln fast täglich im Gymnastikraum. Wie ein antiker Astronaut muss er sich abmühen, um sich nach seiner Rückkehr auf seine Heimatwelt wieder normal fortbewegen zu können. Es war schon eigenartig. Ein Vogel und ein Insekt sind unterwegs, um sich weiterzuentwickeln inmitten des Weltraums. Um Abenteuer zu erleben und um zu lernen. Vor einer jahrtausendelangen Evolution waren sie nur eines gewesen: Jäger und Beute. Die Vulkanier hatten schon recht. Alles ist möglich. Baracturum hat inzwischen aufgegeben. Erschöpft lässt er seinen Körper erschlaffen und gibt es auf, sich aktiv am Geschehen beteiligen zu wollen. Nicht ganz freiwillig muss man hinzufügen, hat doch Chris am Halsansatz des Insektoiden ein Sedativ unter dessen Chitinpanzer initiiert: „Das wär’s. Mann, hat der Junge was abgekriegt.“ Mit besorgten Augen blickt Chris zu Fureigh, während er sich den Kopf hält. Christian macht die Lage schwer zu schaffen. Er würde sich viel wohler fühlen, wenn Baracturum die Führung übernommen hätte. Das ist das Schöne an einer Hierarchie. Man kann darauf vertrauen, dass sein Vorgesetzter die richtigen Entscheidungen trifft. Doch jetzt muss Chris die nötige Entschlossenheit ausstrahlen. An Bord war das nie ein Problem gewesen. Er war die zweite Hand geworden, weil er Mathematik beherrschte, und nicht weil er ein Überlebenskämpfer war. Und hier auf einem Planeten der von einer Seuche oder ähnlichem gebeutelt wurde, konnte sich Christian einfach nicht souverän geben. Ganz anders Fureigh. Obwohl er länger als Chris mit Baracturum arbeitete, bemühte sich Fureigh stets um einen kühlen Kopf und eine distanzierte Haltung. Selbst jetzt siezte er noch jeden der Crew. Selbst jetzt wagte er keinen Schritt vor das Lager ohne das Einverständnis des Anführers. Christians Einverständnis. Und wenigstens in diesem Fall wusste Chris was er zu tun hat: „Fureigh“ - „Sir?“ Fureigh öffnet endlich seine verschränkten Arme. Die ineinander gelegten Federn der Flügel teilen sich: - „Fureigh, ich brauche ihre Hilfe“ Fureigh scheint sich zu entspannen. Endlich bekommt er eine Aufgabe und muss nicht mehr nutzlos in Bereitschaft stehen: - „Sie werden ihr einzigartiges Talent nutzen, um unsere Umgebung auszukundschaften. Sehen sie sich als Scout. Nehmen sie auch Keogk mit. Ihre Ziele: Mögliche Lagerplätze, die mehr Schutz bieten und unsere Ausrüstung besser auslasten. Eine Höhle z.B. Außerdem mögliche Nahrungsquellen sowie Wasserreservoire. Wenn sie intelligenten Lebensformen begegnen haben sie den Befehl, den Flug abzubrechen und Bericht zu erstatten. Keine Einzelaktionen, verstanden?“ Fureigh nickt und kann sich ein leichtes schelmisches Mundzucken nicht verkneifen. Er liebt es zu fliegen. Und Keogk wird dem sicher auch nicht gerade abgeneigt sein. Beide hatten bestimmt schon lange nicht mehr die Chance, die Welt von oben zu betrachten. Kaum aus dem Zelt verschwunden, hört Chris bereits das emsige Schlagen von meterlangen Flügeln. Dann eine Landung. Und dann erneutes Schlagen. Scheint so, als hätte Fureigh einige Trainingsstunden ausgelassen. Pfleger wischt sich den Schweiß von der Stirn. Wenn das ihr einziges Problem blieb...
***
Als ob man durch eine gekrümmte Flasche frischen Wassers blickt. Mit all den Brechungen und all den hellen, aufblitzenden Gleißen. So sieht es hier aus. Und der Ort stagniert nicht. Er ist in ständiger Bewegung, in ständigem Fluss. Tropfen fließen die Wände hinab. Und am anderen Ende wieder hinauf. Alles ist weich. Alles ist gebogen und geschmeidig. Eridos Fluchtort - zwischen den Welten. Wo der Begriff Dimension noch nicht fallen kann. Sie hier aufzuspüren ist schier unmöglich. Nur einer ihrer Art wäre dazu in der Lage. Doch auch dann müsste man eine Adresse besitzen um im Gewirr der Effekte den richtigen Fleck zu finden. Erido liegt auf einem Wall aus halb durchsichtigen Material, das sich weich ihren Konturen anpasst und doch so klar zu durchblicken ist, als wäre es aus Kristall geschliffen. Kleine weiße Leuchtpunkte strömen wie Fische in einem Aquarium durch die Umgebung. Eridos „Bett“ schließt sich nahtlos dem Boden an. Der Raum ist wie aus einem Guss. Erido horcht in sich hinein. Sie sammelt Kräfte. Es war so schön... frei zu sein. Überall zu sein. Und die Schranken zu brechen. Noch reicht ihr die Erfahrung, um sich glücklich und reich zu fühlen. Doch ihr fehlt es an etwas. Das spürt sie immer. Es kommt langsam empor und früher oder später wird es sie wieder zwingen Ziele zu verfolgen. Sie wird planen. Und ausführen. Und verletzten. Das war der Gang der Dinge. Doch im Moment ist sie frei. Sogar frei von ihrem Schicksal. Sie hört Musik. Und zwar ihre Lieblingsklänge. Das bringt sie dazu, sich so wohl zu fühlen, als ob sie die einzige Entität innerhalb aller Welten und Dimensionen wäre. Dies kommt einem Zuhause am nächsten. Was kommt jetzt? Erido hatte ihren Triumph und ihren Frieden. Und nun? Noch einige Minuten lang sieht Erido davon ab Handlungen auszuführen. Sie existiert einfach. Dann öffnet sie ihre mit schwarzen Pupillen versehenen Augen. Sie sieht auf ihre schmale Hand, die in Verbänden eingewickelt vor ihr liegt. Ohne ihre Konzentration zu verlieren, setzt sich Erido, teilnahmslos an ihrer herrlichen Umgebung, auf. Stück für Stück entfernt sie den Verband. Ans Tageslicht kommt eine Handfläche, die bis zu den Knochen sichtbar ist. Hässliche Narben umwuchern das zerstörte Gewebe. Der Anblick steht im krassen Gegensatz zu Eridos stolzen Äußerem. Erinnerungen werden wach. An Ducan. An Artus. An Qualen. Wie Traumbilder entstehen die nebulösen Bilder vor ihrem inneren Auge. Ducan war schuld. Sie kann ihn sehen, wie er schreit. Er brachte ihr diese Verletzung bei. Es war eine Lektion. In Sachen Demut. Es war eine Verteidigung. Gegen Eridos Macht. Es war eine Klarstellung. Ein Wendepunkt in Eridos Leben. Ducan. Sie will ihn sehen. Jetzt gleich und mit ihm reden. Ihr reicht es nicht kurzzeitig zu frohlocken, sondern sie will erneut von ihm wissen, dass es in Ordnung ist, zu leben. So zu leben, wie man es tat. Mit einem Mal steht Erido. Die sie umgebenden Wände waren geprägt von Schlieren, als ob Milch in Wasser gegossen würde. Doch abrupt ziehen sich die Fäden zurück; alles fällt in schwarze Dunkelheit. Nur Eridos Gesicht ist leicht erhellt. Sie starrt noch immer auf ihre Hand ohne durch Mimik ihren Gedankengang preiszugeben. Langsam wickelt sie ihren Verband wieder um ihre Verletzung. Langsam verlässt sie diesen Ort und macht sich auf den Weg in die Galaxie, von der die Menschen kamen.
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Volat überprüft Jessies Kurs Richtung Drahl. Hauptsächlich deshalb, weil ihm eine anderweitige Beschäftigung fehlt. Außerdem berechnet er geistig die Wahrscheinlichkeit dafür, dass sie in den umher fliegenden Trümmern noch brauchbare Technologie oder zumindest wertvolle Mineralien finden konnten. Der junge Vulkanier/Romulaner Hybrid vereint die besten Eigenschaften beider Völker. Stolz, Ehrgeiz und Tücke der Romulaner und Wissen, Kontrolle sowie Harmonie des vulkanischen Volkes. Seit der Wiedervereinigung sind Ewigkeiten vergangen. Volat repräsentiert eine Zukunft, die man sich im 24. Jahrhundert, als die Romulaner gegenüber der Menschheit und Klingonenreich eine Großmacht darstellte, nie erträumt hätte. Es gab ständig Bemühungen die Vulkanier und die Romulaner wieder zusammenzubringen, waren sie doch einst ein gemeinsames Volk. Doch erst mit Hilfe der ständig expandierenden Vereinigten Weltenföderation und ihrem kulturellen sowie wirtschaftlichem Einfluss gelang das Projekt. Romulanischer Stolz war eben kein klingonischer. Romulaner befolgen Befehlen, wenn sie den eigenen Plänen nützen. Die Klingonen nahmen nie Befehle von Außenweltlern an, außer sie unterwarfen sich den klingonischen Riten. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass das Klingonenimperium mitsamt seiner Kolonien und seinem Hauptplaneten Qo'os zur Zeit umrahmt von Menschenbasen liegt. Die Klingonen behalten ihr Reich und ihren Stolz. Doch dafür zahlen sie den Preis in Form von Frieden. Nach Volats Empfinden eine positive, wenn auch für die Klingonen nicht sehr angenehme Entwicklung. Volats taktische Scanner werden im Moment dafür benutzt, Überlebende der Saint aufzuspüren. Die wissenschaftlichen Systeme, die T’Conar unterstehen, sind dafür ursprünglich gedacht, doch die Jubin ist derart modifiziert, dass Wissenschaft auf diesem Schiff kaum noch etwas zu suchen hat. Die taktischen Sensoren sind um ein vielfaches effizienter. T’Conar hält seine Stellung an der Wissenschaftskonsole eigentlich nur, um die rudimentäre Datenbank zu unterhalten und dem Captain mit seiner stoischen Gelassenheit zur Seite zu stehen. Bis jetzt gibt es keinerlei Anzeichen dafür, dass jemand noch im Weltall ums Überleben kämpft. Drahls Sonne kommt nun in den Sensorbereich. Ein kleiner schwach blinkender Punkt berichtet von einer Lebensform. Volat verliert keine Zeit: „Captain Tempes. Ich weiß nicht, wie es möglich ist, aber ein Lebenszeichen wird angezeigt.“ Ducan dreht seinen Sitz zur Seite: „Bist du sicher?“ Er steht auf und eilt zur Konsole, um sich selbst zu überzeugen. Ihm wird schnell klar, dass es um Sekunden geht: „Verdammt, die Rettungskapsel scheint auf die Sonne zuzustürzen... Jessie!“ Jessie Grosz schwingt mit ihrem beweglichen Stuhl nach vorne, bis dieser an die Steuerkonsole stößt und programmiert einen Abfangkurs. Doch laut ihren Berechnungen werden sie es nicht rechtzeitig schaffen, die Kapsel abzubremsen, den Traktorstrahl einzusetzen oder die Kapsel an Bord zu nehmen, was sie Ducan auch laut mitteilt. Ein kurzer Blick von Tempes zu Kaylin lässt erahnen, dass er mit dem Gedanken spielt Kaylin erneut nach einer Lösung zu fragen. Doch dafür ist jetzt keine Zeit. Schnell setzt sich Ducan wieder in seinen Sessel: „Einfach draufhalten! Wir müssen die Kapsel von ihrem Kurs abbringen!“ Volat: „Es handelt sich nicht um eine typische Rettungskapsel. Jemand schießt mit einer Wahnsinnsgeschwindigkeit in einer Vorratskapsel für flüchtige Flüssigkeiten durch die Gegend.“ Ungläubigkeit wird in allen Gesichtern deutlich, außer in Ducans. Er lächelt nur und hofft, dass sie noch etwas tun können, um dem Wahnsinnigen zu helfen. Volat rekonstruiert den Vorfall: „Scheint so als hätte die Explosion der Saint die antriebslose Box vom Krisengebiet weggeschleudert. Und natürlich genau auf die Sonne zu! Was für ein Pechvogel.“ - „Wohl ein schlechter Zeitpunkt, um Bescheid zu geben, dass unsere Transporter in diesen Interferenzen nicht arbeiten.“ Der Kommentar kann natürlich nur von T’Conar mit seinem schwarzen Humor kommen. Jessie hat die Antriebsaggregate fast bis zur Überhitzung getrieben und in wenigen Momenten wird die Kapsel in den kritischen Bereich der Sonne eintreten. Die Kapsel ist einigermaßen abgeschirmt, um hier noch keinerlei Schaden zu nehmen, doch die Jubin verliert wertvolle Integrität. Meter für Meter kämpft sich das Schiff näher an die Kapsel. Jessie muss jetzt sehr behutsam vorgehen, um der Kapsel das richtige Bewegungsmoment zu geben, um im richtigen Winkel die Sonne zu verlassen. Die Reibungskräfte lassen beide Objekte tiefrot glühen. Die Jubin nimmt endlich physischen Kontakt mit der Kapsel auf. Doch der Versuch schlägt fehl. Zwar fliegt die Kapsel jetzt keinen direkten Kurs mehr zur Sonne, doch deren Anziehungskraft ist schwer zu überwinden. Die Kapsel trudelt unkontrolliert und jetzt ist ihre Zeit abgelaufen. Die Jubin muss aufgeben, will sie nicht selbst verglühen. Ducan gibt einen letzten Befehl: „Jessie! Vergiss die Vorsicht! Gib dem Teil einen letzten Stoß und dann raus hier!“ Jessie hat eine bessere Idee. Mit dem letzten bisschen Energie überholt sie die Kapsel und manövriert die Jubin zwischen Sonne und Box. Getrieben von der Gravitation des Sterns schießt die Box dem Kriegsschiff entgegen, welcher mit aller Macht versucht, die Entfernung zur Sonnenoberfläche zu halten. Der Aufprall ist für die Crew der Jubin ein Schock. Die Kapsel versenkt sich in die Oberfläche des kleinen Schiffes. So verkeilt können sie nur noch gemeinsam entkommen oder überhaupt nicht. Ein gewagtes Manöver. Nur mit den Manöverdüsen und mit ausgeschaltetem Haupttriebwerk kämpft Jessie Grosz gegen die Anziehung des Sterns an. Ducan und der Rest der Brückencrew starren gebannt auf den Schirm und verfolgen Jessies Taten. Niemand protestiert gegen Grosz Befehlsverweigerung. Leider reichen die Manöverdüsen keineswegs, um nicht der Sonnenoberfläche entgegen zu fallen. Sie zünden abwechselnd, da damit mehr Schub gewonnen wird, als mit einem dauerhaften Zünden aller Düsen. Das Schiff zerrt um jede Sekunde Gnadenfrist. Ducans Gehirn arbeitet auf Hochtouren: „T’Conar! Können wir den Überlichtantrieb nutzen?“ - „Keine Chance. Mit der Kapsel auf unserer Hülle greift die Konfiguration nicht.“ Damit lässt sich ein Tempes nicht abspeisen: - „Das schafft Rufus. Kein Problem. Kontaktier ihn und mach ihm klar, dass er die Warpblase für unseren Huckpackgast anpassen soll.“ T’Conar schüttelt den Kopf: - „Außerdem ist die Thetastrahlung für eine erfolgreiche Warpblase viel zu hoch. Vergessen sie es.“ Der Boden vibriert. Ducan schreit: - „Los, mach schon!“ T’Conar öffnet den Kontakt zu Rufus und gibt die Befehle weiter. In der Zwischenzeit wendet sich Tempes an Volat: „Ich brauche alles Trilithium, was sich in unserer Anlagen befinden!“ Volat überprüft seine Anzeigen. Trilithium ist höchst instabil und ein Nebenprodukt des Hauptantriebs. Jetzt schreit Jessie: „Die improvisierte Rettungskapsel verliert Atmosphäre! Volat ist auf der Hut: „Sir! Wir haben die Integrität der Kapsel zerstört! Miniaturfrakturen an mehreren Stellen! Die Explosion der Saint, die Hitze der Sonne und unser Manöver war alles in allem zu viel für die Struktur.“ Ducan schwitzt, doch er wird nicht aufgeben. SIE werden nicht aufgeben. Stück für Stück schmilzt die Hülle. Die normalen Schilde sind bereits ausgefallen. Der hitzebeständige Metaphasenschild arbeitet nur noch auf 12 %. Ducan greift nach Strohhalmen: „Was ist nun mit dem Trilithium? Leite alles, was du hast in den Deuteriumtank von Shuttlekapsel vier. Schnell!“ Volat kommt nicht mehr mit. Mit dieser Aktion war Shuttlekapsel vier für Monate nicht mehr flugfähig. Hat der Captain seinen gesunden Menschenverstand verloren? Mit einer lauten Explosion wird soeben die Sensorenreihe im Frontbereich weggerissen. Hoffentlich vereitelt dies nicht Ducans Plan. Er braucht die Warpblase, um auf Warpgeschwindigkeit zu gehen, sobald er es schafft die Strahlung auszuschalten und je mehr sich die Struktur der Jubin verändert, desto unwahrscheinlicher wird es, dass Rufus die Blase erfolgreich bilden kann. Ducan blickt durch die Runde. Alle seine Befehle wurden befolgt. Kaylin ist total verängstigt. Der Rest nickt. Die Methaphasenschilde fallen in diesem Moment aus. Die Konsolen explodieren. Das Licht erlischt. Ducan: „Volat. Öffne den Shuttlehangar.“ Gesagt, getan. Shuttlekapsel vier wird aus der Jubin herausgeschleudert und beschädigt dabei die Hangartore, so dass sich diese nicht mehr schließen lassen. Man hört Rufus über das Interkomm. Die Manövrierdüsen der Jubin geben auf. Dank der unvorstellbaren Anziehungskraft erreicht Shuttlekapsel 4 eine gigantische Geschwindigkeit. Als das unbemannte Beiboot zerplatzt und das Trilithium freigibt, trennen nur noch einige hundert Kilometer die Jubin von der Sonnenoberfläche.
Kapitel 07: Überlebenstraining
Keogk und Fureigh, die einzigen Lebensformen an Bord der Saint, die zur Rasse der Skorr gehören, fliegen über das gebeutelte Land von Drahl 5. Überall wird deutlich, dass ein entsetzlicher Kampf stattgefunden haben muss. Kriegsmaschinerie, wie Panzer und Flugapparate, liegen weit verbreitet, ihre Hüllen zerborsten. Doch glücklicherweise keine Leichen. Noch deutet alles auf einen Krieg der Maschinen hin. Immer wieder landen die beiden Vogelwesen, um detaillierte Daten mit ihren Scannern aufzunehmen. Im Aussehen ähneln die Geräte immer noch ihren Pendants der letzten Jahrhunderte. Technik lässt sich eben nur noch in bestimmten Bereichen verbessern. In der Kategorie „Reichweite“ zum Beispiel. Aber von der Kompaktheit oder der Exaktheit der Daten her sind die Limits schon lange erreicht. Die Menschen erzielen nun Fortschritte in anderen Bereichen, wie z.b. die Auflösung der großen Energiebarrieren am Rande und im Zentrum der Galaxie Milchstraße. Fureigh hält mit Keogk mittels seines implantierten Kommunikationsgeräts Kontakt. Im Moment will Fureigh landen, da der Regen seine Flugleistung beeinträchtigt. Beide wollen nicht riskieren, dass sie zum Camp zurück laufen müssen. Nachdem Keogk sein OK durchgegeben hat, landen beide in der Nähe einer Metallformation, die nicht klar zu identifizieren ist. Hier scheint ein gezielter Angriff präzise getroffen zu haben. Fureigh bespricht mit seinem Gefährten das weitere Vorgehen: „Wir werden nicht bis vor einer Stunde zurückerwartet. Also bleiben wir erst mal hier, um unsere Flügel so weit zu trocknen, bis einer sichere Rückkehr nichts mehr im Weg steht. Falls bis dahin der Regen nachlässt werden wir den Suchradius ausdehnen und noch weitere Informationen sammeln. Falls nicht kehren wir zurück und erstatten Bericht. Soweit alles klar?“ Der letzte Satz war eher eine Floskel als der ehrlichen Erwartung entsprungen von Keogk ein Problem zu erfahren: - „ Sir, ich...“ Fureigh blickt von seinem Chronometer auf: „Ja, Keogk? Wenn es ein Problem gibt dann raus damit.“ - „Sir, ich habe die Pflegeausrüstung vergessen. Der Befehl zum Aufbruch kam für mich etwas... unerwartet.“ Fureigh lässt eine derartige Schlamperei normalerweise nicht durchgehen, doch in diesem Fall kann Fureigh genau nachvollziehen was passiert war. Keogk hatte sich von dem Gedanken fliegen zu dürfen übermannen lassen und dabei vergessen, wie wichtig es war die korrekte Ausrüstung für Skorr jederzeit dabei zu haben. Doch er spricht Keogk nicht darauf an. Erstens, weil der junge Skorr seine Lektion bereits damit gelernt hat, vor Fureigh wie ein Anfänger dazustehen und zweitens weil sie sich in einer mehr als ungewöhnlichen Lage befinden. Es kam nicht oft vor, dass man auf einmal so viele seiner geschätzten Kollegen verlor oder nicht wusste, wo sie sich befanden. Und drittens kommt hinzu, dass beide zur selben Spezies gehören und sie sich deshalb als Brüder ansehen. Wortlos führt Fureigh Keogk in einen Bereich der Metallformationen, der einigermaßen überdacht ist und auch stabil erscheint, was von den Scannern bestätigt wird. Mit den Waffen erhitzt der Außenteamleiter einige Basaltblöcke, die eine größere Hitze übernehmen können, ohne zu schmelzen oder zu zerbrechen. Mit der Zeit sind die Handfeuerwaffen genau wie die Scaneinheiten immer kleiner geworden. Die Bandbreite der Stärken, Flächen und der Frequenzen ist bis an ihre physikalischen Grenzen getrieben worden und teilweise sogar darüber hinaus. Doch wie so oft bei technologischem Fortschritt wird Einfachheit immer wichtiger je mehr Möglichkeiten es gibt. Deshalb trägt ein Außenteam vorschriftsmäßig vier Waffen bei sich. Jeder von ihnen unterscheidet sich nur in einem Punkt: In der Ausgangskonfiguration. Die erste Strahlenwaffe, die darauf eingestellt ist dem üblichen Humanoiden schwer zu betäuben, ist der Hand am nächsten platziert, um in Notsituationen schnell greifbar zu sein. Eine weitere wird so gut wie möglich versteckt (Bei Fureigh im Gefieder hinter seinem Kopf) und dient durch seine geringe Energieeinstellung dazu, bei feindlicher Übernahme des Schiffes oder ähnlichem auch durch Scanner nicht entdeckt zu werden. Ein ähnlich aussehendes gerät sitzt am Gürtel dem Betäuber gegenüber: Der Laser. Perfekt für Schweißarbeiten mit seiner hohen Energieeinstellung bei minimalen Auftreffpunkt. Der Name „Laser“ ist eher ein Spitzname und nicht auf den altertümlichen Lichtlaser zurückzuführen. Die letzte Verteidigungsmöglichkeit stellt der Protonenwerfer dar. Eine komplizierte Einstellung sorgt dafür eine Energiekugel von ungeheurer Zerstörungskraft auszusenden. Passend, wenn die Situation aussichtslos ist, und man alles im Umkreis (auch sich selbst) auslöschen will. Oder man feuert in die Luft und bekommt ein Signal, dass innerhalb einer astronomischen Einheit (AE: Die Entfernung zwischen dem Planet Erde der Menschheit und deren Sonne) sichtbar bleibt. Oder... Na ja, sagen wir einfach alle vier Waffen haben multiple Einsatzgebiete. Keogk wurde einige Jahre nach Fureigh geboren. Das heißt Fureigh sieht überhaupt kein Problem darin mit Keogk seine Ausrüstung zu teilen. In der Kultur der Skorr stellt dies eine grundlegende Verhaltensweise dar: Alter bedeutet Verantwortung gegenüber der Zukunft und damit gegenüber der Jugend. Jugend bedeutet Verantwortung gegenüber der Vergangenheit. Damit ist z.b. das Erlernen des bereits gewonnenen Wissens der Skorr gemeint. Zusammen lehnen sich beide Crewmen an eine wenig zerstörte Wand und warten ab, bis der Regen nachlässt. Sie überbrücken die Zeit indem sie die Federn ihrer Flügel ordnen und sie mit ihren speziellen Pasten und Geräten bearbeiten.
***
Das zurückgebliebene Landeteam unter C.P. bereitet sich unterdessen auf den Weitermarsch vor. Yii und Baracturum benötigen Tragen, um transportiert werden zu können. Man geht davon aus, dass Keogk und Fureigh auf jeden Fall einen besseren Unterschlupf gefunden haben, als die aus Wrackteilen zusammengeschweißten Notbehausungen. Mittlerweile hat sich das Lager außerdem um weitere überlebende Besatzungsmitglieder erweitert. Christians Notsignal scheint effektiv zu arbeiten. Ein weiterer Grund, um ein größeres und sichereres Lager zu suchen. Baracturum wird bald wieder oben auf sein, wenn Chris sich anmaßen darf als Mechaniker eine medizinische Prognose abgeben zu dürfen. Baracturum ist hart im Nehmen, was er nicht nur seinem Schutzpanzer verdankt, sondern auch seiner Kämpfernatur. Für Chris wird es langsam Zeit sich auszuruhen. Seit der Bruchlandung hatte er keine Minute Pause, sondern wurde ständig nach seiner Meinung gefragt. Derartigen Stress ist Chris nicht gewohnt, handelt es sich doch bei seinen üblichen Stresssituationen um Arbeiten am Antrieb oder an einem Computerterminal. Christian lässt sich langsam auf seiner Wärmeplane neben Baracturum nieder und gibt dem vorbeispazierenden Crewman Tyler noch kurz den Befehl ihn sofort aufzuwecken, wenn Keogk oder Fureigh zurückkehren. Doch kaum hat er seine Augen geschlossen bahnt sich die nächste Überraschung an. Obwohl sich der Tag langsam dem Ende zuneigt und außerdem dichte Wolken den Himmel verdunkeln, erhellt sich ihr Camp im gleißenden Licht. Hektik breitet sich aus. Mechanische Geräusche und die Rufe der Saint Mannschaft bringen Pfleger dazu, seine Pause bis auf weiteres zu verschieben und schnellstens das Zelt zu verlassen um nach dem Rechten zu sehen. Ein Schiff, vielleicht ein Shuttle, versucht zu landen. Von Pflegers Position aus ist kaum etwas zu erkennen, doch er ist sich klar darüber, dass auf einem fremden Planeten Vorsicht geboten ist. Falls dies ein Zeichen dafür ist, dass sie endlich Kontakt zu den Einwohnern von Drahl bekommen, würde sich vieles aufklären lassen. Doch Pfleger sucht sich eine abgelegene Ecke mit guter Sicht auf den zentralen Landeplatz. In der rechten Hand eine feuerbereite Waffe.
***
Wie kann ein Augenblick nur so lange dauern? Wenn man schon sterben muss, dann doch bitte schnell. Ohne Zeit sich vorzubereiten oder Angst zu entwickeln. Ashmodai verzichtet auch gern auf sein Leben im Zeitraffer, welches bei Nahtoderfahrungen üblicherweise vor seinem inneren Auge ablaufen soll. Er möchte nur verschwinden, sich auflösen, wenn es soweit ist. Von seinem geliebten Vater im Stich gelassen, erwartet der Junge nur noch in kiefergerechte Fetzen zerrissen zu werden und als eine Mahlzeit unter vielen für eine Kreatur unglaublicher Exotik dienen zu müssen. Doch der Augenblick dauert an, weiter und weiter... Das Biest ist nicht verschwunden. Ashmodai öffnet seine Augen und will Klarheit. Er schreit nicht, als er erkennt, dass der Kopf des Monster nur einen knappen Meter vor ihm zum Halt kam. Er wippt von links nach rechts. Das Wesen scheint nicht so recht zu wissen, was es von Ashmodai zu halten hat. Und Ashmodai fühlt keine Angst mehr. Die großen, leeren Augen des Drachen vermitteln ein Gefühl, das jenseits von Horror und Ehrfurcht liegt. Die drei speerförmigen Hornkappen des Mauls öffnen sich sporadisch um dem Wesen das Atmen zu ermöglichen. Ashmodai fühlt sich versucht für einen kurzen Moment zu spüren, wie sich die „Haut“ dieses Tieres anfühlen mag. Doch er wagt es nicht sich zu nähern. Er wagt es nicht, sich auch nur durch seine atmende Brust zu bewegen. Es existieren nur noch er und das Wesen. Und...
„Beeindruckt?“ Ein Mann steht neben der Bestie. Ein Mann in langer, schwarzer Kleidung. Er zündet sich eine Zigarette mit einem silbernen, schmucklosen Feuerzeug an. Der Lindwurm bewegt sich kaum. Langsam haucht der Mann mit den kurzen, schwarzen Haaren den Rauch in die Luft. Schritt für Schritt nähert er sich Ashmodai, ohne von dem Drachen überhaupt Notiz zu nehmen. Dabei sieht dieser Typ hauptsächlich auf den Boden und gönnt sich einen weiteren Zug: „Ashmodai, richtig?“ Der Junge ist zu erschöpft, um noch überrascht zu sein, dass man seinen Namen kennt. Hier war anscheinend alles möglich. Das Lächeln, das die Mundwinkel des Fremden umspielt kann Ashmodai nicht teilen. Er konzentriert sich lieber auf den Drachen und versucht erstens wach und zweitens aufrecht stehen zu bleiben. Ihm ist keineswegs zum Lachen. „Was ist? Haben deine Eltern dir beigebracht, du sollst mit keinem Fremden reden?“ Ashmodai antwortet nicht. Der Mann scheint sich über ihn lustig zu machen. Ashmodai ist kein kleines Kind mehr und gönnt dem makaberen Typen nicht den Triumph, ihn zum Sprechen zu bringen. „Hey!“ Mit einer Handbewegung des Mannes in Schwarz reißt es Ashmodai von den Füßen. „Ich glaube, du kapierst den Ernst der Lage nicht.“ Erneut zieht er an seiner Zigarette während Ashmodai Staub schluckt. „Wäre ich nicht, wärst du jetzt sein neues Spielzeug.“ Dabei stützt er sich an dem Lindwurm ab, wie an einer leblosen Wand. Der unheimliche Mann hatte Ashmodai nicht berührt, sondern nur leicht durch die Luft gefuchtelt. Ashmodai ist schlecht. Gleich würde er sich übergeben müssen. Er versteht das nicht. Er versteht überhaupt nichts mehr.
***
Wahnwitz. Anders kann man diese Aktion nicht mehr beschreiben. Mit geschlossenen Augen und einem unerschütterlichen Vertrauen sitzt Captain Tempes auf der Brücke seines Schiffes, der Jubin. Volat liegt zu seinen Füßen. Es hat ihn über seine Konsole geschleudert. An seinem Kopf eine tiefe Wunde. Das Licht ist ausgefallen. Der Raum wird nur durch die Feuer und die noch funktionierenden Displays beleuchtet. Mit geschlossenen Augen bekommt Ducan mit, wie Kaylin hinter ihm bitterlich weint. Und wie Grosz erleichtert aufstöhnt. Von Tconar ist nicht einmal ein Quietschen seiner blanken Stiefel zu vernehmen. Doch nur ein Geräusch zählt: Das Flüstern im Hintergrund. Das immer wiederkehrende Muster pulsierender Energie: Der Hauptantrieb. Die Sonne war Vergangenheit. Nein, nicht zerstört, aber weit genug von ihnen allen entfernt um keinerlei weiteren Schaden anzurichten. Ein Piepsen holt Tempes zurück in die Realität. Rufus meldet sich: „Brücke? Noch jemand am Leben?“ Ducan steht langsam auf und sieht sich um: - „Ja, Rufus“ Leiser fügt er hinzu: - „Wir sind noch da.“ Der Ingenieur scheint weit weniger mitgenommen, als die Brückencrew: „Bin dafür, den Antrieb sofort abzuschalten. Muss hier erst mal schau'n, was übrig geblieben ist. Bei wem bedank ich mich für das Ding auf unserem Dach?“ Jessie Grosz zieht ein um Hilfe ersuchendes Gesicht, während sie sich mit einem Notpack um Volat kümmert. Jetzt erst denkt Tempes an die kleine Kaylin. Doch glücklicherweise ist Tconar geistesgegenwärtiger. Er kümmert sich bereits um die aufgelöste Kaylin und tröstet sie. Ducan: „Ich komm gleich runter, Rufus... Brücke aus.“ Wenn Tempes ehrlich ist, dann hätte er nie gedacht, dass sie überleben würden. Die Hitze und Strahlung war bereits so stark gewesen, dass für ihn keinerlei Hoffnung bestand. Die Idee Trilithium einzusetzen, um die nukleare Fusion einer Sonne zu stoppen war in dem Moment für Ducan unsinnig geworden, als ihnen erstens die Zeit ausging, sie zweitens niemals genug Trilithium besaßen, sie drittens alle Lebensformen des Drahl-systems mit der Zerstörung der Sonne umbrachten und sie viertens keine Möglichkeit hatten einen Sprengkopf für das Trilithium zu präparieren. Und doch tat er, was getan werden musste. Weil ihm sonst nichts mehr einfiel. Und was geschah? Sie überlebten. Shuttlekapsel vier war für Wartungsarbeiten an die Schiffsleitungen angeschlossen und jeglicher Tankfüllung beraubt. Trilithium entsteht als giftiges Nebenprodukt des Antriebs. Es ihn die Kapsel zurück zu füllen war eine Kleinigkeit. Die geringe Menge Trilithium trat in die obere Schicht der Sonne ein als die Kapsel vier zerbrach. Die Reaktion war kurz und heftig. Für wenige Momente stoppte die Gewalt der Sonne: Strahlung und Hitze waren kurzzeitig nicht existent. Die Gravitation war unbarmherzig, aber unwichtig. Mit Rufus Antwort kurz vor ihrer aller Tod war sich Grosz klar den Überlichtantrieb einsetzen zu können. Dazu war kein Befehl von Ducan mehr notwendig gewesen. Das winzige Zeitfenster ohne die den Antrieb behindernde Strahlung reichte um zu entkommen, inklusive ihrer neuen „Fracht“. Rufus ist ein Genie, was Warpmechanik angeht. Er hatte eine Blase geschaffen, die nicht nur die Beschädigungen, sondern auch die Antimateriebox bedachte. Und das unter einem unvorstellbaren Druck. Was Ducan noch komischer fand, war die Tatsache, wie viel Glück sie haben mussten, um nicht innerhalb des Drahl Sonnensystems mit irgendwelchen Planeten zusammengestoßen zu sein. Standardmäßig ist in einem Sonnensystem nur maximal ein Viertel Vorwärtsschub zulässig und damit sicher. Noch tief in Gedanken versunken, was Ducan jetzt bloß mit seinem unerwarteten zukünftigen Leben anfangen will, wird er von Kaylin herumgerissen. Sie zieht wie wild an seiner Hand, ihr Gesicht tiefrot und immer noch tränenverschmiert: „Hol ihn raus, Ducan! Hol ihn raus, verdammt! Er stirbt!“ Kaylin meint den Typen in der Höllenbox. Ducan kniet sich zu ihr hinunter und greift ihre beiden Schultern: „Alles okay. Er ist in Sicherheit. Oder sie.“ Ein Blick zu Tconar genügt, um Tempes zu vergewissern, dass dies der Wahrheit entspricht. Tconar denkt viel zu logisch und zu vorausschauend, um zu vergessen, die betreffende Person zu retten. Überraschung, Schock oder fehlende Geistesgegenwart gehören einfach nicht zu den Repertoire eines Vulkaniers. Doch Kaylin schüttelt sich in ihrem Zorn. Sie glaubt ihm nicht. Sie realisiert immer noch nicht das tiefe Vertrauen und die Zuversicht inmitten von Ducans eingespielter Crew. „Komm, Kaylin. Sehen wir uns unseren Besucher an.“ Ducan nimmt das Mädchen bei der Hand und geht auf die Tür zu. Jessie springt von ihrem Stuhl auf: - „Moment, das lass ich mir nicht entgehen.“
***
Kaylin. Eine Person, die man inmitten von Schlachten und Tragödien nicht erwarten würde. Ein kleiner Pol der Ahnungslosigkeit und der Unschuld. Das ist es, was viele erkennen, wenn sie das weißhaarige Mädchen zum ersten Mal sehen. Doch nicht Ducan. Und auch nicht Grosz oder die anderen der Mannschaft. Kaylin mag ängstlich sein, und auch unsicher. Aber sie hat viel wichtigere Qualitäten: Zuerst einmal wird es nie jemand schaffen, soviel Mut aufzubringen, wie Kaylin. Niemand kann sich mit ihrem Mitgefühl für andere messen. Dank ihrer behüteten Kindheit manifestiert sich ihn ihr ein universelles Symbol. Und das geht jedem so, der Kaylin begegnet ist. Ob im Korridor oder auf den bezaubernden Landschaften und Städten fremder Planeten. Die Menschen fragen sich, was sie falsch gemacht haben. Was passiert ist, dass so viele aufgehört haben zu träumen, zu glauben. Kaylin stehen noch alle Wege offen, ob zum Guten oder zum Schlechten. Sie erinnert uns daran, wie wir einmal waren und wie gut wir uns fühlten. Ducan kann nicht aussprechen, was Kaylin für ihn bedeutet und wie er für sie fühlt. Er kennt nur das eigenartig angenehme Gefühl, wenn er seine Hände ansieht und keine Sekunde lang erschreckt ist über die tiefen Narbe in seiner dunklen, verbrannten Haut. Er sieht zu Kaylin und sieht eine Hand, die nur eines kennt: Die Berührung anderer Hände. Auch jetzt im Turbolift fühlt Ducan es. Kaylin klammert sich an ihn wie an ihre letzte Hoffnung. Und Ducan genießt es. Das kleine Mädchen wendet sich normalerweise an Jennie, wen es Probleme gibt und auch deshalb ist ihre Vertraute auch mit in den Lift gestiegen. Grosz kann nur recht sein, dass sie ihre Neugier als Vorwand benutzen kann, um Ducan und Kaylin zu begleiten. Endlich fasst sich das verwirrte Kind wieder. Und nichts bleibt in ihm von der Angst und der Qual zurück; es wird kein Teil von ihr. Eine weitere Eigenart, die Kaylin zu etwas Besonderen und unschätzbar Wertvollem macht. Der Lift hält. Zögernd wartet Kaylin darauf, dass ihr ihre Freunde voran gehen würden. Doch Ducan bewegt sich nicht. Ihr sieht nur hinunter zu ihr und begegnet ihrem erwartenden Blick mit einem amüsierten Ausdruck: „Komm schon, worauf wartest du? Nach dir.“ Jessie hätte den Lift schon lange verlassen, wenn sie Ducan nicht genau kennen würde. Ihm sehen diese kleinen Lektionen ähnlich. Sie versteht den Zweck nur in einem kleinen Rahmen. Ducan möchte eigentlich nicht Kaylin testen oder sie nach seinem Vorbild formen. Ihm liegt viel mehr daran sich selbst weiter zu entwickeln. Und das schafft er nicht mehr im Kampf oder bei einem Wettstreit der Intelligenz. Nur Kaylin hat diese unbändige Macht Ducan zu überraschen und ihn zu verändern. Sie ist die Einzige, deren Handlungen den für alle anderen unnahbaren und nicht zu hinterfragenden Captain beeinflussen können. Rufus war schon immer der Meinung gewesen, das Ducan mit ihr einen großen Fehler machte. Aber Rufus Vorteile liegen auch darin, dass er sehr klein denkt: Innerhalb seines Maschienenraums, innerhalb eines Schaltkreises, oder innerhalb eines Planeten. Für Rufus ist Kaylin ein permanenter Gelegenheitsbesuch. Er liebt es den Großvater zu mimen und Kaylin auch einmal mit etwas Süßem zu beglücken. Und jeder der Crew reagiert auf Kaylin auf eine andere, sehr individuelle, Art und Weise. Für Ducan ein unschätzbarer Gewinn für seine Mannschaft. Kaylin lernt schnell. Sie weiß mittlerweile, dass es kaum einen Sinn macht, sich mit Ducan zu streiten. Er sitzt einfach am längeren Hebel. Und seine Sturheit ist legendär. Würde sich Kaylin weigern, den Fahrstuhl vor Ducan Tempes zu verlassen, dann würde es maximal 10 Minuten dauern, bis Jennie Grosz genug hat und den Lift in Richtung Krankenstation, wo der Neuankömmling wartet, verlassen würde. Und dann würde es noch einmal 20 Minuten dauern, bis Jennie über die Komm einen Lautsprecher-Kontakt zu Ducan herstellen und ihn über Manny Simmons, den „Kapselreiter“, wie ihn die Crew bereits höhnisch nannte, informieren würde. Nur eine direkte Gefahr für Schiff und Crew könnte gegen Ducans Dickköpfigkeit ankommen. Also bleibt Kaylin nichts anderes übrig, als langsam den gewohnten Weg zur Krankenstation zu beschreiten. Nach kurzem Marsch, gefolgt von ihren beiden „Zieheltern“ erreicht man die Station für molekulare Dispersion. Ein Begriff, der soviel heißt wie: „Aha, sie haben einmal zu oft mit ihren Atomen herumgespielt, jetzt kommt die Rechnung“. Die Tür öffnet sich durch Annäherungssensoren. Ein helles grünes Gleißen gefolgt von einem Geräusch von elektrischen Kurzschlüssen schießt den drei Ankömmlingen entgegen. Jessie bekommt kaum ein Wort heraus, bevor sie von einem grünen Kugelblitz an die Wand geschleudert wird. Kaylin ist klein genug, um auszuweichen. Ducan bewegt sich überhaupt nicht. Das Interesse und die Zuversicht, die Kaylin Ducan gerade noch schenkte, weichen in ihm seinen typischen Handlungsmustern. Sein Gesicht wird ausdruckslos. Nicht einmal Jessies Lage schockiert ihn, als er die Krankenstation betritt. Er hat genau gesehen, wer da um sich schießt: „Hallo Erido.“
Kapitel 08: Das Geheimnis Drahl 5
Seine Arbeit vollständig und gewissenhaft ausgeführt sieht der Skorr Fureigh auf sein ungewöhnliches Gefieder herab. Er ist recht zufrieden mit seiner Arbeit, obwohl seine Ausrüstung in seinem Quartier um einiges effektiver und einfacher zu handhaben wäre. Keogk hat so seine Probleme. Die Ungeduld der Jugend scheint bei ihm immer wieder durch: „Wieso können wir nicht diesen Bunker als Basis übernehmen. Niemand schießt auf ein bereits zerstörtes Ziel. Außerdem schätze ich, dass es aufgrund der flachen Oberfläche keine geeigneteren Höhlen geben wird. Wir stehen schließlich auch unter Zeitdruck. C.P. verlässt sich auf uns. Dieser Ort ist doch...“ - „ Ich habe deinen Standpunkt verstanden.“ Fureigh ist leicht ungehalten. Keogks Benehmen könnte man als Faulheit auslegen. Doch seine Darlegung ist teilweise auch logisch. Auch Fureigh nimmt an, dass es keine weiteren derartigen Metallkonstruktionen oder natürlichen Höhlen in erreichbarer Entfernung gibt. Doch Faulheit gilt als ungeheuerlich schändlich in der stolzen Tradition der Skorr: „Also gut, Keogk. Wir werden diese Formation genauestens unter die Lupe nehmen: Elektronik, Öffnungen, strategische Lage. Ich will einen umfassenden Bericht. Sollte der Unterschlupf erhebliche Mängel aufweisen, müssen wir unser Versagen eingestehen und zu Christian zurückkehren. Der Landeplatz dort hat sich bisher als zufrieden stellend erwiesen.“ Man merkt, dass Keogk keineswegs zufrieden ist. Er hatte gehofft sofort zurückkehren zu dürfen, um sein Gefieder besser bearbeiten zu können. Ihn nahm der Verlust von Komfort recht übel mit. Fureigh gehörte zu einer anderen Liga, also Kaste, Skorr und kam somit mit weit weniger Mitteln aus. Dies möchten manche bezweifeln, die Fureighs mit Smaragden und Gold verzierten Brustharnisch seine gehobene Adelung ansehen. Aber in der Natur der Skorr liegt soziale Gerechtigkeit in einem lächerlichen Ausmaße. Keogks unterbewussten Eigenschaften verleihen ihm sein Ligadasein. Als Fureigh geboren wurde hatte er nichts an Wert, nur seine Eltern. Und diese waren erpicht darauf durch Erziehung einen Aufsteiger der Liga zu erschaffen. Ein Projekt, das meistens ohne Erfolg bleibt, obwohl dies viele arme Eltern versuchen. Die Gefahr liegt darin, dass man sein Kind zu sehr anspornt und damit aggressiv und arrogant macht. Und schon landet es in einer tieferen Liga als die Eltern. Wer aber seinem Kind Liebe schenkt und ihm Gerechtigkeitssinn, Toleranz und Edelmut nicht beibringt, sondern vormacht, der schafft es nicht nur sein Kind hohe Achtung und einen hohen Ligaplatz zu ermöglichen, sondern der sorgt auch dafür, dass man als Elternteil selbst aufsteigt. Keogk ging zur Föderationsflotte Starfleet, weil er Eindruck machen wollte und dem Ligawesen zu entkommen suchte. Sein Harnisch ist eine Standartversion. Fureigh dagegen liebt seine Arbeit. Und er wird nicht ruhen bis Keogk in der Liga aufsteigt ungeachtet dessen, das er dann bestimmt wieder aus der Sternenflotte austritt und zuhause auf Bra 3, eine der drei Heimatwelten der Skorr sein Glück versuchen wird. Was wieder ein deutliches Zeichen für Eigennutz und Selbstzufriedenheit ist und ihn wieder herabstuft. Ein schwieriges Konzept, die Liga, aber sehr schlüssig. Keogk entscheidet selbst, ob er erfolgreich und glücklich oder im sinnlosen Kampf um Kleinigkeiten sein Leben beschreitet. Fureigh wird ihm jedenfalls jegliche Unterstützung und Weisheit zukommen lassen. Keogk hat sich endlich erhoben. Seine Schwanzfedern sind übel zugerichtet durch den Sitzprozess. Er nimmt seine Ausrüstung und fängt an die Höhle zu scannen. Tiefenscans wie Fureigh bemerkt. Und das ohne Stöhnen und Widerworte. Fureigh prophezeit ihm insgeheim eine großartige Zukunft.
***
„Artus“ Der schwarz gekleidete Mann bietet Ashmodai seine Hand an. Der kleine Junge ist sich nicht sicher, wie er sich verhalten soll. „Mein Name ist Artus“ Die angebotene Hand zeigt keinerlei Zeichen von harter Arbeit oder Verletzungen. Keinerlei Hinweise auf Schweiß aufgrund der Wüstenumgebung und deren abnormen Hitze. Die Finger sind makellos, perfekt. Die üblichen Furchen und Ritzen, ja, aber trotzdem auf eine erschreckende Art und Weise unnatürlich. Ashmodai bringt immer noch kein Wort heraus. Obwohl der Fremde nur wenig spricht scheint jedes Wort von ihm wie ein Schrei inmitten der heißen Ödnis. „OK.“ Die eigenartige Hand verschwindet in dem weiten Umhang. „ Du willst nicht reden.“ Er blickt zu Boden: „Schön.“ Eine gewisse Selbstzufriedenheit ist Artus Stimme nicht abzusprechen: „ Ich kenne dich.“ Diese Augen. Erst die Hand und jetzt diese Augen. Kein Mensch, keine Lebensform, der Ashmodai je begegnet ist, hatte diese Ausstrahlung. Nicht einmal sein Vater. Diese Augen. So schwarz. So seelenlos: „Du bist also Ashmodai.“ Stille. Die Stille, von der sein Vater immer sprach, die ihm so viel bedeutete, die er mit ganzen Herzen suchte, umgibt sie jetzt und füllt Ashmodais gesamte Perspektive aus. Sie hält an. Sie breitet sich aus. Die Wüste verschwindet. Es handelt sich um keine Einbildung. Es ist der Fremde. Seine Macht übersteigt die Realität. Der Drache verschwindet. Er wirkt nur noch wie ein Utensil, nebensächlich. Ashmodais Körper verschwindet. Ein Utensil. Man hört Artus. Etwas leiser: “Du bist also Ashmodai.“ Das Herz schlägt ruhig. Jeder Schlag wie eine Erinnerung an die verrinnende Zeit. Die Stimme: „Komm mit mir Ashmodai. Deshalb bist du hier. Das ist deine Prüfung. Dein Vater wollte es so.“ Endlich legt Ashmodai seine Sturheit und Scheu ab, zugunsten von Neugier und Vertrauen. Er ist sich nicht ganz sicher, wieso. Aber wahrscheinlich reicht ihm die Erinnerung an seinen Vater, um Zuversicht zu gewinnen. Der Junge spricht: „Ja, ich bin Ashmodai.“ In Artus Gesicht zeigt sich keine Regung, die als Beweis gelten könnte, dass er überrascht wäre, Antwort zu erhalten. Er handelt viel mehr, als ob er einen Blick in die Zukunft getan hätte und das Schicksal sich ihm zu beugen habe. Oder er sich dem Schicksal. Der Junge redet weiter. Mit einer Stimme, die sich nicht wie seine übliche anhört. Stattdessen viel erwachsener: „Was ist mit meinem Vater? Wo ist er?“ Der große Unbekannte mimt den großen Bruder. Er lächelt wissend: „Ein Fortschritt. Dein Vater hat keine Probleme. Er ist... man könnte sagen unabkömmlich. Glaub nicht, dass ich hier aus Spaß bin.“ Das Lächeln weicht hartem Ernst. Nicht ohne einigen Druck haucht die Zigarette ihr Leben unter dem Stiefel des Fremden aus. „Ich bin hier auf Beten deines Vaters hin. Oder besser gesagt: Er zwingt mich hierzu.“ Im flüsternden Selbstgespräch folgen die Worte: „Ausgerechnet jetzt.“ Nach einem langen Atemzug kehrt das aufgesetzte Lächeln wieder zurück: „Ich bin dein Lehrer.“ Ashmodai glaubt falsch gehört zu haben: „Lehrer? Lehrer für was?“ Die Antwort folgt sofort: „Lehrer... für das, was dich erwartet.“ Die Wüste kehrt zurück.
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Der Zufall ist manchmal die beste Lösung für ein Problem. Es geschieht auch, dass es keine Lösung gibt, wenn der Zufall nicht hilft. Die Formation ist ideal. Die Lage ist ideal. Die Größe, na ja, vielleicht etwas zu groß. Was Fureigh am meisten Sorgen macht, ist die Tatsache, dass er sich nicht im klaren über die Bedeutung der Installation ist. Wer möchte schon sein Lager an einem Ort aufschlagen, der vielleicht einmal die Kommandobasis der gegnerischen Partei gewesen ist. Die Waffenspuren an den Wänden und den zerstörten Geräten sind eindeutig. Dieser Komplex war der Schauplatz einer der größten Schlachten dieses Wahnsinns. Vielleicht ist er das immer noch. Allein die zerstörten Verteidigungsanlagen lassen Fureigh schaudern und die einzelnen Federn spreizen sich von seinem Körper ab. Und wieder: Keinerlei Spuren. Keine Leichen. Nicht ein Anzeichen für geronnenes Blut, welche Farbe es auch immer haben mochte. Ein weiteres Zeichen für eine Roboterzivilisation? Laut Fureighs Instinkt sind Keogk und er zumindest für den Moment sicher. Der Skorr stellt Überlegungen über die ausgeklügelte Technologie an. Mit welcher technologischen und kulturellen Entwicklung haben sie es hier zu tun? Künstliche Intelligenz vom Feinsten: Anwendungskomfort weit über dem Niveau von Touchscreens. Ein Komfort, den sich die meisten militärischen Institutionen, denen Fureigh begegnet ist, nicht gönnen. Bei einigen Installationen ist sich Fureigh sogar sicher, dass sie per codierter Gedankenübertragung steuerbar sein mussten. Energiesignaturen sind kaum messbar, also keine üblen Überraschungen. Höchstens kleine Feuer, die von ausgelaufenen Triebmitteln genährt werden, aber keine Explosionsgefahr. Es könnte auch sein, dass einige Notsysteme versuchen Energie aus Batterien anzuzapfen. Doch wird dies sicher zu keinem Erfolg führen, wenn Fureigh seinem bisher gewonnenen Daten Vertrauen schenken darf. In diesem Bereich hat der Skorr alles gecheckt. Keogk dürfte jeden Moment von der Aufklärungsmission der restlichen Bereiche zurückkehren. Dann will Fureigh so schnell wie möglich zum Camp fliegen, um Bericht zu erstatten. Es scheint das Risiko wert zu sein in diesen Kammern auszuharren, bis das Notsignal empfangen wird. Fureigh dreht ruckartig den Kopf nach rechts, als Keogks Ruf ertönt. Ein schrilles Kreischen in der Dunkelheit. So viel zu annehmbaren Risiken. Fureigh ist alarmiert, hat jedoch seine Ausbildung nicht vergessen. Er ruft laut Keogks Namen, in Kauf nehmend, dass auch jemand oder etwas anderes ihn hören kann. Dann verändert Fureigh seine Position, um auf eine Reaktion zu warten. Hinter einem geborstenen Schaltpunkt sucht er Deckung. Fureighs Sorgen scheinen glücklicherweise unbegründet: Keogk taucht langsam aus dem schwarzen Schatten auf. Er sieht wütend aus: „Oh Mann! Verdammt noch mal!“ Verwirrt und mit einigen Schaltkreisen in den Händen sucht Keogk nach Fureigh, der sich jetzt natürlich zu Erkennen gibt. Der Außenteamleiter verlangt sofort einen Bericht inklusive einer Erklärung. Für einen Moment hatte sich Fureigh bereits ein unheilvolles Szenario mit all seinem grotesken Schrecken ausgemalt. Doch das einzig Ungewöhnliche an Keogk stellt der Technikmüll in dessen Greifen dar: „Tut mir leid, Sir. Ich machte gerade die Bekanntschaft mit einigen freiliegenden Leitungen.“ - „Welcher Art?“ Fureigh möchte jede Möglichkeit nutzen, um an Information zu kommen, die ihm sagen könnte, was dieses Gebäude darstellt. Doch Keogk ist keine große Hilfe: „Die Art mit den unangenehmen Stromstößen.“ Fureigh kann deutlich erkennen, dass Keogk buchstäblich Federn lassen musste. Doch wie die Scans bereits zeigten, sind die Energieemissionen äußerst niedrig. Und auch die zum Fliegen benötigten Federn scheinen ungeschoren davon gekommen zu sein. Doch aktive Stromverbindungen lassen auf intakte Anlagen oder Programme schließen. Fureigh lässt sich genau zeigen, wo der Unfall passierte. Und er staunt nicht schlecht, als er merkt, dass die von Keogk untersuchte Hälfte dieser Station noch einiges an elektronischer Aktivität aufweist: „Sieh dir das an, Keogk.“ Fureighs Scanner spuckt ein faszinierendes Diagramm aus: „Die Systeme sind in Endlosschleifen gefangen, um einen Kurzschluss zu verhindern. Ohne externe Energiezuführung sind sie aber ungefährlich. Ein Dämpfungsfeld sollte diesen Bereich von Scans schützen, aber es hat so wenig Energie, dass es nur noch ab 50 Meter Entfernung einen Schutz bietet. Ein netter Stand-by-Modus“ Fureigh ist zwar eher ein Taktiker als ein Forscher, aber prinzipiell hält er sich für durchaus fähig herauszufinden, wozu diese Leitungen dienten oder immer noch dienen. Da! Fureigh hat soeben einen kompatiblen Dataport entdeckt, um sein Aufnahmegerät anzuschließen. Dabei geht es weniger um die Form der Schnittstellen, als um deren energetische und kodierte Kompatibilität. Wie es sich Fureigh bereits vorstellte, hat er keinerlei Probleme festzustellen, dass es sich hierbei um einen öffentlichen Port handelt. Das sagt Fureigh bereits vieles über ihren jetzigen Standort. Zuerst einmal sind Fureighs Ängste zerstreut worden, eine militärische Basis vor sich zu haben. Dann wären die Sicherheitsvorkehrungen sicher um einiges schwerer zu überbrücken gewesen. Außerdem scheint die Kultur von Drahl ein fortgeschrittenes Technologielevel erreicht zu haben. Multiple Dataports, Energieendlosschleifen und Waffenspuren am Gebäude, die wirklich beeindrucken. Das kann sich sehen lassen und muss auch den Vergleich zu aktueller Technologie nicht scheuen. Doch Keogk teilt nichts von Fureighs Begeisterung. Im Gegenteil. Er übergibt seinem übergeordneten Offizier die Stromschalttafel über deren lose Kabel er gestolpert war und kümmert sich um seine oberflächlichen Verbrennungen. Immer tiefer dringt Fureigh in das Netzwerk ein. Keogks kleines Missgeschick scheint sich als eine Goldgrube herauszustellen. Die übermittelten Daten werden zur späteren Analysierung in den leistungsstarken Scanner überspielt, automatisch mit dem Universalübersetzer umschrieben und auf versteckte Programme hin überprüft. Sieht so aus, als könne sich ihr Auftragsgeber C.P. recht zufrieden sein: Das Gebäude scheint eine Art Fabrik zu sein. Eine Werkstätte nicht für Kriegsmaschinerie. Sondern eher eine zivile Produktionsstätte für Elektronik unbekannter Art. Daher auch die hohe Anzahl der Ports überall auf dem Areal. Und deshalb auch die Reststromversorgung. Deshalb auch die... Gesperrt? Fureigh kommt nicht weiter. Eine Subroutine hält ihn davon ab spezifische Daten abzurufen. Bisher war das gesamte Programm alles andere als interaktiv. Doch jetzt scheint Fureigh einen Fehler begangen zu haben. Keogk bemerkt, dass Fureigh in seiner Arbeit innehält: „Es wird Zeit, Sir. Pfleger erwartet uns“ Mit einer knappen Geste bringt Fureigh Keogk zum Verstummen: „Nur noch einen Moment.“ Ein leises Piepsen zieht Fureighs Aufmerksamkeit auf sich. Seine Sorgen kehren zurück. Hatte er vielleicht etwas ausgelöst? War er zu sorglos mit den Programmen umgegangen? Die Blockade breitet sich aus. Vorher offen zugängliche Bereiche werden abgeschottet. Der bleiche, kleine Bildschirm neben Fureigh wird schwarz. Eine Ahnung keimt in Fureigh. Noch ruhig und ohne seinen Kopf zu bewegen, lässt Fureigh Keogk an seiner Befürchtung teilhaben: „Keogk. Ich glaube wir sollten hier verschwinden.“ Keogks unruhige Bewegungen und sein ängstliches Gebaren zeigen deutlich, dass er der Letzte wäre, Fureigh in diesem Fall zu widersprechen. Er beugt sich zu Fureigh hinunter, einige Schweißperlen zwischen den Augen: „Was ist passiert? Es lief doch alles bestens.“ Fureigh steht auf: „Wir sollten hier verschwinden. Vertrauen sie mir.“ Keogk dreht sich geschmeidig um 180 Grad und breitet seine Flügel aus. Wenn beide knapp über dem Boden fliegen würden sie das Gebäude schnell verlassen haben. Fureigh steht langsam auf. Und setzt sich sofort wieder, als sich der leise Piepton zu einem Warnsignal auswächst, das nur aufgrund des Energiemangels so unscheinbar wirkt. Der schwarze Bildschirm bringt Buchstaben zu Tage: „IHR BLEIBT“
***
"Höflich, wie immer." Jessie Grosz erholt sich langsam von dem Anschlag und rappelt sich langsam vom Boden auf, während sie sich den Kopf hält. Ducan reagiert immer noch nicht. Nicht ein Wort verlässt seine Lippen. Kaylin ist Erido nie begegnet, doch sie fühlt den Horror, der hinter der Fassade der Fremden steckt. Sie hat einen winzigen Teil von Eridos Macht gerade live miterlebt. Das Mädchen versucht sich an Tempes zu halten, seine Gelassenheit zu kopieren. Der Versuch scheitert kläglich. Auch Erido konzentriert sich auf den Kommandant der Jubin: "Tempes" Ihre Stimme klingt hasserfüllt und gepresst. Doch wie üblich bietet Ducan keinerlei mentale Angriffsfläche. Er bleibt distanziert. Zu Erido. Zu Jessie. Selbst zu Kaylin. Mit leicht belustigten Unterton kontert er: "Erido!" Ducan war noch nie für Smalltalk zu haben. Er geht die Dinge direkter an: "Gibt es einen Grund dafür, dass du in einer Konservenbüchse durchs All reist? Probleme mit dem Raum-Zeit-Gefüge?" - "Keineswegs." Als Beweis stößt Erido ihren Arm in Richtung eines Nahrungsautomaten, der daraufhin eine anormale Umgestaltung erfährt. Seine Höhe und Breite bleibt gleich. Doch in der Tiefe büßt er einiges an Volumen ein: Er könnte jetzt mühelos mit einem Blatt Papier konkurrieren. Die perfekteste Schrottpresse der Welt könnte keine solche Dichte im Material erschaffen. Kaylin hinter sich lassend schreitet Tempes auf Eridos Kunstwerk zu. Mit seinen Fingern berührt er die eiskalte und perfekt glatte Oberfläche. Erstaunlich, wenn man den rohen Gewaltakt bedenkt und die Hitze, die durch Reibung hätte entstehen sollen. Es scheint an Ducan, dass Gespräch aufzunehmen. Er reagiert etwas ungewöhnlich, indem er einen tiefen, ernstgemeinten Seufzer ausstößt. Ein Zeichen dafür, dass er die ewigen Diskussionen mit Erido satt hat: "Erido." Der Captain weicht ihren eiskalten Blick nicht aus, sondern begrüßt ihn. Das ist ihre Denkebene, wo sie sich bis ins Mark kennen: „Erstens: Lass meine Leute in Ruhe." Das war immer sein erster Punkt. Man konnte vieles ersetzen, aber kein Leben, keine Gedanken. "Zweitens: Lass mein Schiff in Ruhe." Er liebt die Jubin und würde sie immer wieder bauen, wenn er sie verlieren würde. „Und drittens: Was zur Hölle geht hier vor?" Wer glaubt Erido würde sich rechtfertigen oder auch nur ansatzweise etwas Licht in die Angelegenheit bringen oder vielleicht ein Anzeichen dafür hinterlassen, auf Tempes zu hören, der kennt ihre Vorgeschichte nicht. Sie bleibt die Erido von früher und wartet keine Sekunde, um Ducan zu antworten, indem sie hinter sich zeigt: "Frag ihn." Eridos Geste folgend erkennt man Manny Simmons auf der Hauptdiagnoseliege. Professionellerweise kümmert sich Util Dah Po Ro Sop Du um ihn und nicht um den Eindringling Erido. Util Dah Po Ro Sop Du kann auch nicht großartig eingreifen. Er, oder besser es, überzieht die Decke aller Räume auf dieser Ebene. Es gehört einer Untergruppe der Glimmer an und kann nicht mehr entfernt werden. Der einzige Arzt, bei dem Ducan Tempes ohne Widerworte vorbeisah, nämlich Telek Kannt, hatte das Glimmer -Ei unwissend an Bord der Jubin gebracht, als Ducan das Kommando über das Schiff übernahm. Tempes traf Kannt damals auf den Weg zum Labor im Turbolift, das faustgroße Ei in der Armbeuge, und überredete Kannt zu einem kurzen Besuch der umgebauten Rarität. Und obwohl der kleine Felsklops nur für Sekunden aus den Augen gelassen wurde, schaffte er es, sich an die Decke zu heften und dort unentdeckt zu bleiben, bis ein Crewman einen quadratmetergroßen, dem Mineral „Glimmer“ ähnliche, Formation an der Decke meldete. Der Rest ist Geschichte. Wie gesagt, man weiß jetzt, dass er nicht entfernt werden kann. Das Überwachungsvideo von damals, als man verzweifelt versuchte Util Dah Po Ro Sop Du loszuwerden ist immer noch im Besitz von Kannt und sehr unterhaltsam. Doch die Probleme mit Erido sind ernsthafterer Natur. Und, ach ja, den armen Manny sollte man auch nicht vergessen: Tempes stellt schnell fest, dass ihm die Tour übel zugesetzt hat. Simmons Gesicht wirkt aufgedunsen und bläulich. Seine Uniform ist en mehreren Stellen zerrissen oder versengt. Doch er wird es überleben, wenn man darauf vertrauen kann, dass Util Dah Po Ro Sop Du sich sicher mehr um ihn kümmern würde, wenn er in Lebensgefahr schweben würde. Schließlich ist der Glimmer mittlerweile das, was einem Schiffsarzt am nächsten kommt. Obwohl man zugeben muss, dass keine Entscheidungsfreiheit in der Wahl seines Jobs an Bord der Jubin bestand. Musste es sich auch unbedingt an die Decke der Krankenstation heften? Doch nachdem seine Freizeit gezwungener Maßen aus dem Studium von medizinischen Daten bestand, wurde er recht schnell professionell. Mit einem Kopfschütteln nimmt Tempes zur Kenntnis, dass natürlich Simmons der Auslöser für den ganzen Tumult darstellt. Das wurde schon bald zur Gewohnheit. Er war schon immer ein Störenfried, aber auf eine sympathische Weise. Ducan reibt sich die Augen und zieht das Fazit, dass er sich wenigstens über das Schicksal eines Crewmitglied der Saint sicher sein kann. Ducan hätte gleich wissen müssen, wer sich da so „innovativ“ versuchte, sich umzubringen. Typisch Manny. Es liegt auch eine gewisse Ironie in der Situation, da Ducan Erido das letzte Mal in einem ähnlichen Moment verlassen hatte. Manny bewusstlos, das Schicksal der Crew unbekannt und Erido auf der Jagt nach Antworten. Hoffentlich geht es diesmal besser aus.
„Ducan!“ Ach ja, Erido steht ja immer noch mitten im Raum. Tempes blickt sie nun wieder an, nachdem er kurz in Erinnerungen geschwelgt war. Er tat sich schon immer schwer, sich auf Erido zu konzentrieren. Egal, was sie gerade angestellt hatte. Das ist wohl Teil des Grundes, warum Erido ihn nicht in Ruhe lässt. Ducans Pseudokopfschmerzen schwinden, als Erido auf ihn zutritt: „Wir werden reden. Allein.“ Dabei wirft sie Grosz einen abfälligen Blick zu. Der Captain ist sich klar darüber, dass eine Ausrede wohl nicht ziehen wird. Es ist schon höflich von Erido, die anderen im Raum nicht einfach zu verdampfen oder ähnlich Abscheuliches mit ihnen anzustellen. Ein weiteres Zugeständnis an Tempes, welcher nun die Zeit für gekommen sieht, Erido entgegenzutreten: „Also gut. In meinen Raum.“
***
C.P. ist nicht der Einzige, der in Deckung geht. Die Starfleet Ausbildung war gründlich. Die Situation ist zu unübersichtlich und zu unkontrolliert, um Risiken eingehen oder auch nur einschätzen zu können. Überall rennen Crewman durch die Gegend. Doch in diesem Fall bleibt die Dramatik auf der Strecke. Immer mehr Personen greifen nach ihren Headsets und suchen den Himmel ab. Weit entfernt über ihren Köpfen, so weit, dass man mit den bloßen Augen noch nichts erkennen kann bricht eine weitere Rettungskapsel als winziger schwarzer Fleck durch die Wolken und leitet ein Landemanöver ein. Damit hat sich für Christian das Ausruhen fürs erste erledigt. Er kehrt zu seiner Kommandokonsole zurück und checkt die Kommunikationsbarke, um herauszufinden, weshalb kein Subraumkontakt zu dem Schiff hergestellt wurde. Jedes der Rettungsschiffe ist mit einem Langreichweitentranceiver ausgerüstet, um schnellstmöglichst Kontakt zu Rettungstruppen aufnehmen zu können. Wenn Christian die Anzeigen richtig deutet, handelt es sich um einen Defekt an der ankommenden Kapsel. Noch mal sind laute, erschrockene Stimmen vor der Basis zu vernehmen. Pfleger greift schnell erneut zur Strahlenwaffe, die er gerade noch für unnötig erachtet hatte, und stürmt aus dem Zelt. Was er durch den Zoom mittels Headset erkennt, hat kaum mehr Ähnlichkeit mit einer Rettungskapsel. Langsam, extrem langsam nähert sich ein grauer Brocken aus Metall und Schaltkreisen. In diesem Tempo würde er erst in mehreren Stunden die Oberfläche erreichen. Das Headset ähnelt im Grunde einer Kombination aus Transmitter und visueller Unterstützung. Einige Einstellungen am optischen Scanner und Christian kann sich genau ansehen, was sich da einige Kilometer über dem Boden abspielt. Er erkennt nicht viel, aber das was er sehen kann, verrät ihm genug, um ihn zum Lächeln zu bringen. Das eine ist ein blauer Stiefel mit mehreren schwarzen Verzierungen und das andere ist das verheulte Gesicht von Lissy Leitner. Es ist ein Wunder, dass ihre Kapsel in einem Stück bleibt: Die Hälfte des Bodens fehlt und wird durch ein Kraftfeld ersetzt. Lissy sieht aus, als ob sie in der Luft knien würde. C.P. weiß nicht, ob sie an Platzangst leidet, aber ihrem Gesicht nach zu urteilen wird sie so schnell keiner mehr in eine Wartungsröhre kriegen. Endlich kann Pfleger ihre Möglichkeiten besser einschätzen. Rekapitulieren wir: Nach Aussagen verschiedener Crewmitglieder hat man in der Rettungskapsel oder bereits noch an Bord der Saint ein angreifendes Raumschiff der Menschheit ausmachen können. Auch die komplette Zerstörung der Saint gilt als sicher. Die ständig präsente Angst vor einem orbitalen Bombardement kann langsam als überflüssig angesehen werden. Andernfalls wären sie alle bereits tot. Und endlich bekommt C.P. aktuelle Informationen über die Situation im All. Konnte der Gegner aufgehalten werden? Was waren seine Intentionen? Wie sehen die Verlustraten, vor allem bei der Kommandocrew, aus? Ein zischendes Geräusch kündet von einer startenden Landekapsel. Jemand versucht, die landende Fähre zu erreichen und notfalls Evakuierungsmaßnahmen zu ergreifen. Zum einen fühlt sich Pfleger verärgert, da kein offizieller Befehl von ihm zu dieser Rettungsoperation gegeben wurde, doch andererseits versteht er die Motivation des Piloten: Es geht um jede Sekunde, will man vermeiden, dass das Glück der ankommenden Kapselcrew im letzten Moment versiegt und entweder Kraftfeld, Steuerdüse oder Trägheitsabsorbersystem doch noch ausfällt. Und so wie das Schiff aussieht, kann es jeden Augenblick dazu kommen. Wahrscheinlich ist der Trägheitsabsorber bereits unbrauchbar. Das würde den langsamen Landevorgang erklären und wäre auch hinsichtlich der offensichtlichen Schäden nachvollziehbar. Pfleger schafft es nicht sein Headset auch nur kurz abzulegen. Dafür fiebert er zu sehr mit der Rettungsaktion in atemberaubender Höhe mit. Die Kapseln befinden sich jetzt auf gleicher Höhe. Pfleger würde einen Andockversuch nicht empfehlen, um das fragile Kraftfeld nicht zu beeinträchtigen. Schon ein minimaler Aussetzer würde katastrophale Folgen haben. Doch wie sonst könnte man eine Rettung durchführen? Durch die Vergrößerung erkennt C.P., dass Leslie ihren Schock überwunden hat und jetzt zwar nicht gerade glücklich aussieht aber immerhin neue Hoffnung gewonnen hat. Und der Stiefel gehört zu niemand anderen als Doktor Rifa, der mit verschränkten Armen darauf wartet, dass doch noch etwas schief läuft. Optimismus war noch nie seine Stärke gewesen. Die Zeit verstreicht ohne sichtbare Veränderungen. Anscheinend ist sich der Pilot genauso des Risikos bewusst wie C.P. Soeben übernimmt Rifa die Initiative und stoppt den Sinkflug der Kapsel. Unsanft zerrt er Leslie von dem Kraftfeld, während sich die Hauptschleuse der intakten Kapsel, die zur Rettung eilte, langsam öffnet. Pfleger bekommt gerade die Nachricht, dass Tyler die intakte Kapsel steuert. So viel Risikobereitschaft und Entschlossenheit ist Pfleger von dem zugeknöpften Tyler überhaupt nicht gewohnt. Crewman Tyler bleibt meistens im Hintergrund und übernimmt Standartaufgaben. Christian wird ihn wohl im Auge behalten müssen und gegebenenfalls für eine Beförderung vorschlagen. Okay, soweit so gut. Rifa scheint vorzuhaben, seine demolierte Box aufzugeben und zu Tyler hinüber zu springen. Pfleger hält dies bei Rifa für kein großes Problem, da die Kapseln nur einem Meter voneinander entfernt sind, doch was war mit Leslie? Beide, Leslie und Rifa, müssen gleichzeitig springen, da nicht garantiert werden kann, dass die Öffnung der zerstörten Kapsel nicht zu ihrem sofortigen Absturz führt. Leslie steht mittlerweile und hört nervös auf Rifas Anweisungen. Doch die Lage wird schlagartig komplizierter: Die Kapsel verliert ihre Stabilität. Die Kraftfelder fallen unkoordiniert aus. Ob das an der nahen Sphäre von Tyler oder der voranschreitenden Zeit liegt, ist jetzt egal. Niemand konnte sich vorbereiten. Die Kapsel fällt. Der mutige Rifa wirft sich mit Schwung aus der Kapsel und bekommt gerade noch ein Eck von Tylers intakter Rettungssphäre zu greifen. Bei Leitner sieht die Sache ganz anders aus: Ihre Kapsel dreht sich unkontrolliert, während sie der sicheren Vernichtung entgegenfällt. Die Düsen sind ausgefallen. Pfleger setzt das Headset ab. Erstens kann er den Fokus bei dieser Geschwindigkeit nicht auf Leslie halten und zweitens will er auch nichts sehen, wie die Kapsel mit Leslie sich langsam im Flug Stück für Stück auflöst. Doch noch ist es nicht so weit. Pfleger rennt durch das Lager näher an den vermuteten Aufschlagsort heran. Unterwegs den Blick ständig dem Himmel entgegen gerichtet. Beide Kapseln sind als winzige Punkte mit bloßem Auge erkennbar geworden. Tyler hat noch nicht aufgegeben: Er will die Fallgeschwindigkeit an Leslies Kapsel anpassen und einen Andockversuch riskieren. C.P. drückt beide Daumen, doch die Chancen könnten kaum schlechter stehen. Wenn das Trägheitssystem wirklich ausgefallen ist, hat Leslie keine schöne Zeit. Falls sie noch lebt, wird sie sicher unsanft an die Decke gepresst. Wahnsinnig schnell werden die Kapseln größer. Ist Tyler so wagemutig, dass er eher selbst mit der Kapsel aufschlägt, anstatt Leslie aufzugeben? Die Kapseln trennen sich. Ein gutes oder schlechtes Zeichen? Pfleger schreit eine Warnung in die Runde. Alle vergrößern ihren Abstand zum vermuteten Ort des Aufpralls. Mit einem ohrenbetäubenden Knall schlägt die Kapsel in den harten Boden ein. Es gibt kaum umher fliegende Trümmer. Stattdessen bohrt sich das Geschoss metertief in die Erde. Die letzten Kilometer brachte die Kapsel in Hundertstel Sekunden hinter sich. Ein schneller, schmerzloser Tod.
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Endlich wieder Lachen! So ausgiebig, so unangefochten, dass Gedanken an schlechte Zeiten als makabre Mythen erscheinen. Ashmodai hat die beste Zeit seines Lebens. Unglaubliches wird zum Greifen nahe gebracht. Mit Arturs Hilfe kann Ashmodai seinen Horizont nicht nur erweitern, sondern ausfüllen. Und trotzdem bleibt Artur eine unbekannte Variable für den Jungen. Kein Vertrauen, keine Möglichkeit, etwas zu kontrollieren oder vorherzusagen und auch keine Beziehung zu der Gestalt, die Ashmodai nun „Lehrer“ nennt. Das erste Jahr ist noch geprägt von Misstrauen. Von Scheu und von Angst um seinen geliebten Vater. Er wird ihn nie wieder sehen. Im zweiten Jahr hat Artur mit seinem Schüler unsere Galaxis durchquert und alle materiellen Dinge für den Jungen erfahrbar gemacht. Er flog, er ging über Wasser, er manipulierte. Und es machte ihm Spaß. Er lacht. Artur lacht nie. Artur redet auch nicht viel. Für ihn vergehen die Jahre wie nichts. Er gibt knappe Anweisungen, die der Junge nach bestem Wissen versucht auszuführen. Was konnte er sonst tun? Der passive Widerstand brach bereits nach den ersten zwei Tagen zusammen. Nachvollziehbarerweise kommt Ashmodai aktiver Widerstand nicht in den Sinn. Auch wenn Ashmodai nicht viel von Artur weiß, erkennt er, dass Artur ihn nicht von sich aus als Schüler genommen hat. Ashmodai ist eine Last für seinen Herrn und das spürt der Junge. Auch nach fünf Jahren hat sich ihre Beziehung nicht geändert. Ashmodai hat enormes Wissen angesammelt. Er hat auch viel von Arturs Mentalität mitbekommen. Ashmodai redet weniger, dafür sind seine Worte wichtiger geworden. Ashmodai kümmert sich um weniger, denn er kennt bereits alles. Ashmodai vergisst einiges, z.B. seinen Vater. Ashmodai lacht nicht mehr. Nach zehn Jahren sind beide immer noch zusammen. Ashmodai ist 21. Er hat nie einen Geburtstag gefeiert und auch nie den Jahreswechsel. Er ist in seine Übung versunken und seine Gedanken schweifen nicht mehr ab.
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„BITTE GEBEN SIE IHREN AUTORISIERUNGSCODE EIN..." „BITTE GEBEN SIE IHREN AUTORISIERUNGSCODE EIN..." „BITTE GEBEN SIE IHREN AUTORISIERUNGSCODE EIN..." Sie sind gefangen. Gefangen in einem zerbombten Gebäude, dass ihnen als Schutz dienen sollte. Keiner von ihnen, weder Fureigh noch Keogk, haben einen Codeschlüssel, der hier akzeptiert werden würde. Überraschenderweise macht sich Keogk weniger Sorgen als der Teamleiter Fureigh: „Commander? Worauf warten wir? Lassen sie uns zum Camp zurückkehren.“ Fureigh nimmt die Worte auf dem Bildschirm wichtiger: - „Und wie wollen sie das anstellen? Laut Scanner ist der Bunker abgeschottet worden in dem Moment, als der Schirm aufleuchtete.“ - „Sir, mit allem nötigen Respekt: Der Bildschirm ist nicht unser Problem. Das ist eine aufgezeichnete Nachricht, die für wer weiß wen gedacht war. Hier gibt es überall Einschlagslöcher, die wir zur Flucht nutzen können.“ Die ständige Autorisierungsnachfrage wird eingestellt. Auf dem Bildschirm, der fasziniert von Fureigh beobachtet wird erscheinen neuen Buchstaben: „NEIN. KRAFTFELDGLOCKE INTAKT.“ Die Schnabelwinkel des Skorr Fureigh ziehen sich leicht nach oben: - „Das nenn ich eine prompte Antwort. Das Programm scheint interaktiv zu sein. Fragt sich nur wie beschädigt es ist.“ „98% INTAKT“ - „Computer, warum werden wir festgehalten?“ „BITTE GEBEN SIE IHREN AUTORISIERUNGSCODE EIN..." Keogk findet das überhaupt nicht lustig: - „Erbitte Erlaubnis, mich entfernen zu dürfen um die Kuppel zu überprüfen.“ „ERLAUBNIS VERWEIGERT. WARNUNG: BESTRAFUNG BEI FLUCHT.“ Langsam kommt in Keogk die Wut hoch: - „Wer hat den mit dir geredet, du Mülleimer!“ - „Keogk, ich halte es für eine bessere Idee wir folgen den Anweisungen. Ich denke, wir sollten zusammenbleiben und uns mit dem Programm auseinandersetzen. Das bietet die besten und sichersten Chancen hier raus zukommen.“ - "Aber das Ding ist darauf programmiert uns festzuhalten! Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir damit weiter kommen.“ Fureigh hat seine Entscheidung gefällt. Und als Skorr betrachtet Keogk seine Befehle als Gesetz. Ihr Zeitlimit zur Erkundung ist abgelaufen, was heißt, dass C.P. bald Nachforschungen anstellen wird. Fureigh rechnet auch damit, dass ihnen dieses Terminal noch sehr hilfreich sein wird. Für ihn stellt es den ersten Kontakt zum Planeten dar. Mal sehen, was tief in den Schaltkreisen verborgen liegt.
Kapitel 09: Wir beide und der Sturm
Für einen Na'Kuhl gibt es keinen Platz in seinem Selbst für Zweifel oder Misserfolg. Das gilt im Besonderen für den mächtigsten Vertreter dieser Spezies: Aho Melan. Dazu kommt, dass seine jetzige Mission die wichtigste im Leben des hochdekoriertesten Na'Kuhl aller Zeiten darstellt. Nach diesem Tag wird er nicht nur ein Held für sein Volk sein, sein Name wird auf jedem bekannten Planeten mit Bewunderung und Ehrfurcht ausgesprochen werden. Schließlich ist es seine Aufgabe, dass Unmögliche zu wagen. "Aho" steht für den höchsten militärischen Rang, von dem ein Na'Kuhl träumen kann. Melan hatte furchtbare Qualen erlitten, um jetzt hier stehen zu können. Seine Opfer verblassen jedoch neben der Wichtigkeit seiner Aufgabe. Melan ist nicht machtsüchtig, im Gegenteil. Er stellt sein Leben und das seiner Untergebenen unter das Leben aller Geschöpfe dieses Universums. Wenn er versagt wird kein weiterer Tag dem heutigen folgen. Deshalb sind Melans Machtbefugnisse auch grenzenlos. Er ist der König, der Erretter seines Volkes! Nichts wird ihn davon abbringen, sein Ziel zu erreichen. Nichts wird ihn aufhalten. Er darf die Hoffnungen, die in ihn gesetzt werden nicht enttäuschen oder es wird kein Morgen geben. Melan hat die größte Armada in der Geschichte der ihm bekannten Raumfahrt zusammen gestellt, um entschlossen und hart gegen die größte Bedrohung aller Zeiten anzutreten: Eine einzige Lebensform, die alles auszulöschen droht, was Wert besitzt. Ein gewissenloses Monstrum, geleitet von Wahn und Hass... Wer glaubt noch an das Märchen vom Urknall? Die nette Geschichte von expandierenden und implodierenden Universen? Die Menschen natürlich! Ha! Wie naiv. Instinktiv suchen sie Antworten und finden sogar welche, die ihrem begrenztem Verstand entsprechen. Doch nein. Nein! Alles Humbug! Melan kennt die Wahrheit: Diese Wesen sind die Drahtzieher. Sie haben keine Seele und verschwenden keinen Gedanken an Unschuldige! Die Geißel der Universen. Das perfekte Beispiel, dass verantwortungsvolle Allmacht ein undenkbares Konzept ist. Es gibt keinen gütigen Gott! In diesem Moment bereitet der Letzte, Artus, seine schändliche Tat vor. Melan könnte schreien, wenn er ihn sich vorstellt, wie Artus lacht während sich das Universum seinem erneutem Ende zuneigt. Doch nicht diesmal! Melan, Arturs Nemesis, wird nicht weichen und auf keinen Fall zulassen, dass Artus diese Existenzebene beendet. Wenn es nach Melan geht wird es nie wieder einen Urknall geben. Er wird dort obsiegen, wo jeder scheitern musste: Beim Töten eines Gottes.
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Der Bereitschaftsraum des Captains an Bord der Jubin stellt kaum mehr als ein Büro dar. Ein Tisch, zwei Stühle und ein Fenster, dass die drohende Gefahr durch die Ulysses deutlich macht, indem es das Forschungsschiff zeigt, wie es sich nach wie vor ohne Antrieb um eine schiefe Achse dreht. Der Captain ergreift das Wort: „Du könntest mir mit dem Ding nicht zufällig helfen?“ Die Stirn in Falten gelegt, den Kopf in eine Hand gestützt und mit dem Blick aus dem Fenster gerichtet, sitzt Ducan mit dem Rücken zur stehenden Erido. Sie scheint keineswegs vor zu haben auf Ducans Spruch einzugehen: - „Die Saint ist zerstört.“ Erido fand immer schon die schönsten Einleitungen. - „Deine Loyalität kannst du vergessen. Komm mit mir.“ Ducan schüttelt den Kopf: - „Es ging nie um Loyalität. Außerdem habe ich jetzt ein neues Schiff, eine neue Crew.“ Dabei wendet er sich Erido zu und breitet seine Arme weit aus, als ob er das ganze Schiff umfassen möchte. Müde nimmt er seine Hände auf den Schoß und blickt nachdenkend in die Leere: - „Wir sind dort, wo wir bereits einmal standen. Wo wir immer stehen werden.“ - „Nein!“ Manchen mochte Eridos Ausbruch überraschen, doch nicht Ducan. Er steht auf, geht langsam um den Tisch herum und setzt sich nahe Erido auf denselben. Noch traut er sich nicht, näher zu treten. Er weiß, welches Risiko er eingeht, wenn er Folgendes zu Erido sagt: - „Vielleicht solltest du...“ - „Lass es.“ Erido weiß ganz genau, was Ducan sagen will. Sie wird sich von einem Humanoiden nicht raten lassen, was sie tun soll und was nicht. Sie muss sich von niemandem belehren lassen. Erido weiß genau, was Ducan vorschlagen will. Er denkt so klein, so unwissend. Nur weil ihre Rasse sich selbst auslöschte, wird sie diesem Erbe nicht nachfolgen. Solange sie lebt, lebt ihre Spezies. Die Krone der Evolution kann nicht in der Selbstauslöschung liegen. Alles würde gut werden, wenn sie mit Tempes zusammen sein würde. Alles ist bereits jetzt gut, während sie mit Ducan in diesem Raum steht. Es liegt nur an ihm, dass ihr die Erlösung verwehrt bleibt. Für einen Moment lässt Erido ihre Hülle aus aggressivem Auftreten fallen. Nur ihm gegenüber. Nur hier. Verführerisch bewegt sie ihren Körper Richtung Tempes und nimmt seine Hände in die ihren. Ducan wehrt sich nicht. Doch nicht, weil er sich angezogen fühlt, sondern weil er nicht weiß, wie er Erido helfen kann.
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Einige Minuten vor Einschlag von Lizzy Leitners Rettungskapsel: Tyler war noch nie so gefordert worden. Das Adrenalin schoss durch seinen Körper. Gott sei Dank steht ihm nun Rifa zur Seite. Allein der Sturzflug, um zu Leslie zu gelangen, hätte gereicht, um Tyler ohnmächtig werden zu lassen, würde Rifa nicht an der Steuerung sitzen. Niemals würde Tyler dem Andorianer erlauben, ihn in einer schwächlichen Situation zu erleben. Das würde ihm ja ewig nach hängen! Rifa ist ein erfahrener Pilot. Innerhalb von Sekunden übernimmt er wortlos das Kommando und jagte Leslies Kapsel hinterher, aus der er soeben nur knapp entkommen war. Ein knappes: „Übernehmen sie!“ von Rifa und schon kehrt der Andorianer wieder auf die Plattform zurück, sich nur mit einer Hand sichernd, während er die andere hinüberstreckt: „Kommen sie, Leitner! Los!“ Tylers Augen werden größer und größer als er auf seiner Konsole abliest mit welchem Tempo beide Kapseln parallel dem Boden entgegenstürzen. Leslie sieht sich nicht imstande, sich zu bewegen. Sie hat bereits mit dem Leben abgeschlossen. Doch damit gibt sich Rifa nicht zufrieden. Plan B. Plan B? Wollte Rifa Leslie retten musste er auf Plan Z zurückgreifen: Ohne weiter zu überlegen nimmt Rifa seinen Hochleistungsschneider vom Gürtel, brennt unter den schockierten Augen von Tyler ein Stück der intakten Kapsel aus der Wand und wirft es mit aller Wucht zu Leslie hinüber, die das Teil auch prompt am Kopf trifft. Sie schreit und in ihrem Schock umfasst sie das Stück voller Verwunderung. Bevor Tyler vor Angst zu zerschellen die Notbremse zieht, kann Rifa nur noch auf das schwarze, angekokelte Fragment deuten und schreien: „Drück den Knopf!“ Die Kapseln trennen sich. Ein gutes oder schlechtes Zeichen? Pfleger schreit eine Warnung in die Runde. Alle vergrößern ihren Abstand zum vermuteten Ort des Aufpralls. Mit einem ohrenbetäubenden Knall schlägt die Kapsel in den harten Boden ein. Es gibt kaum umher fliegende Trümmer. Stattdessen bohrt sich das Geschoss metertief in die Erde. Die letzten Kilometer brachte die Kapsel in Hundertstel Sekunden hinter sich. Ein schneller, schmerzloser Tod. Christian steht wie gebannt vor dem rauchenden Einschlagsloch. Die zweite Fähre landet ohne Komplikationen. Mit gesenktem Kopf schreitet C.P. auf Rifa und Tyler zu. Letzterer ist den Tränen nahe. Er kannte Leslie gut. Rifa hingegen kommt mit großen Schritten auf Pfleger zu, seinen Schneider immer noch in der rechten Hand. Noch bevor Pfleger ein Wort herausbringt, stößt Rifa C.P. aus dem Weg, läuft an Pfleger vorbei zur Unfallstelle und verschwindet mit einem Sprung im Loch. Pfleger kann ihm nur hinterher sehen. Er hört nicht einmal Tylers zerknirschte Entschuldigungen über die unverzeihliche, egoistische Aktion und sein Versagen. Stattdessen geht Pfleger, die Arme in die Hüften gestemmt, Rifa nach und sieht ihn, wie er ungefähr fünf Meter in der Tiefe mit seiner Strahlenwaffe hantiert: „Was tun sie da, verdammt noch mal?“ Rifa widmet ihn keines Blickes. Viel zu Zerschneiden gibt es nicht mehr: Der Absturz hat kaum etwas übrig gelassen. Geschmolzenes Metall brodelt an verschiedenen Stellen. Wenn Rifa sich nicht durch den Sprung hinab verletzt hat, dann würden ihm bald die verdampften Schadstoffe in der Luft oder Verbrennungen Schmerzen zufügen. Ist dies ein Zeichen für die berüchtigte Art der Andorianer, sich nicht mit dem Unabwendbaren abfinden zu können? Zu Kämpfen bis zum Schluss? So etwas würde Rifa ähnlich sehen. Niemand ist Pfleger gefolgt. Die Stimmung ist auf einem Tiefpunkt. Jeder, der nicht gebraucht wurde, hat sich zurückgezogen, auch Tyler. Pfleger würde später mit ihm reden, doch jetzt geht es um Rifa: „Kommen sie da raus, das ist ein Befehl!“ C.P. kann sich keinen Reim auf das Alles machen. Rifa schält Stück für Stück der Kapselstruktur mit einer sehr niedrigen Einstellung seiner Waffe weg und erreicht langsam eine pinkfarbene Schicht, die nicht sehr verbrannt aussieht. Dabei läuft ihm geschmolzenes Material über Hände und Rücken, ohne das Rifa ein Geräusch der Schmerzen von sich gibt. „Hören sie, Rifa?“ Anscheinend hört Rifa im Moment überhaupt nichts. Ganz anders als Pfleger, der vernimmt, wie jemand gleich einem Taucher der nach langer Zeit ohne Luft an die Oberfläche kommt, nach Luft schnappt. Und wie derjenige schimpft: „Holt mich hier raus! Rifa! Ich bring sie um! Sie Mistkerl! Verdammt! Helfen sie mir!“ Es ist Leslie. Putzmunter. Umgeben von grell leuchtenen Schaum in Farbtönen von pink und rosa. Christian kann sich nicht halten. Er beugt sich über und prustet vor Lachen. Sein Rang ist ihm jetzt egal: „Leslie! Sie leben!“ Erst jetzt realisiert er, dass er Aufgaben hat. Sein verschmitztes Leuten in den Augenwinkeln verschwindet, als sein Drill ihn einholt. Zackig dreht er sich um und rennt in das Hauptlager, um Sanitäter zu holen. Währendessen bricht Rifa endgültig in Leslies Armen zusammen. In einem Loch, das tiefer als fünf Meter liegt und dessen Gestein an den Wänden langsam unter der Hitze zerfließt.
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„Wie wird der Planet genannt?“ Fureighs Hoffnung schwindet, je länger er versucht schlau aus dem Programm zu werden. Meistens kam genau die Antwort, die er jetzt erneut zur Kenntnis nehmen muss: „ANFRAGE FEHLERHAFT. WIEDERHOLEN.“ - „Wer hat dieses Gebäude angegriffen?“ - „ANFRAGE FEHLERHAFT. WIEDERHOLEN.“ - „Wie viel Zeit ist seit dem Angriff vergangen?“ - „ANFRAGE FEHLERHAFT. WIEDERHOLEN.“ Keogk hat weit weniger Geduld: „Das ist doch Blödsinn! Fragen sie das Ding doch gleich nach dem Wetter!“ Der zornige Blick von Fureigh lässt ihn hastig ein „Sir“ hinterher stammeln. Keogk will bestimmt nicht, dass Fureigh seinen Frust über das Terminal an ihm auslässt. „Regen, 12 Grad.“ Antwortet der Bildschirm, der eine vereinfachte, graue Wolke mit animierten Regenstreifen präsentiert. Neue Hoffnung keimt in Fureigh, der sich von Keogks Verblüffung angespornt fühlt. Der junge Skorr lässt sich aber nicht gerne für dumm verkaufen: „Oh, Mr. Neumalklug. Wichtige Daten hast du nicht, aber sonst bist du kooperativ?” - „ANFRAGE FEHLERHAFT. WIEDERHOLEN.“ Ein brummiges „Komiker...“ lässt Keogk fürs erste mit verschränkten Armen verstummen. Fureigh startet einen neuen Versuch: „Wie viele Kontinente hat dieser Planet?“ - „ANFRAGE FEHLERHAFT. WIEDERHOLEN.“ - „Wann wurdest du in Betrieb genommen?“ Noch bevor eine Antwort kommt, hält es Keogk erneut nicht aus: - „Sie fragen ihn nach seinem Geburtstag? Kommen sie schon. Was soll das?“ - „ZWEITER SLID, 2965“ Mit einem höhnischen Grinsen stellt sich Fureigh wieder aufrecht, nachdem er sich die ganze Zeit über hat ducken müssen, um an das Schaltpult heranzukommen: „Keogk, sie scheinen mir ja einen guten Draht zu dem Ding zu haben. Reden sie mit ihm.“ Dabei dreht Fureigh dem Apparat den Rücken zu, zeigt aber anschließend mit einer Klaue auf ihn. Die Verblüffung, die Keogk bei der ersten Antwort empfand, ist nichts im Vergleich zu Keogks jetzigem Gesichtsausdruck: „Ich kann mit dem Programm überhaupt nichts anfa...“ Fureigh unterbricht ihn abrupt indem er die gefiederte Hand hebt und macht klar, dass er es ernst meint: „Das war kein Vorschlag, sondern ein Befehl. Los, sie sind dran.“ Missmutig beugt sich Keogk zu dem Terminal herunter: „Computer?“ - „Ja?“ Die Skorr glauben ihren Ohren nicht trauen zu können. Ein <Ja>? Dafür, dass das Programm seit Stunden mit Standartantworten um sich wirft, ist ein „Ja“ erstaunlich persönlich formuliert. Kein <Aktiviert> oder <Bereit> oder sonst eine Antwortklausel. Nur „Ja“. „Wie...?“ Keogk unterbricht und schaut noch einmal Hilfe suchend zu seinem Freund Fureigh. Doch der wartet nur ungeduldig darauf, dass Keogk anfängt und hat die Arme verschränkt. Also bleibt Fureigh's Partner wohl keine Wahl: „Wie heißt du?“ - „MEIN NAME IST NOD“ - „Und das... steht für?“ - „NEUTRALER ORDNUNGSDIENER“ - „OK.... ,NOD...“ Keogk dehnt die worte um sich in der Zwischenzeit zu überlegen, was er als Nächstes von sich geben soll. Sein erster Impuls liegt darin, das Gespräch erneut an Fureigh zu übergeben, doch dieser bleibt hart und winkt Keogks hilfesuchende Gesten ab. „...Was ist deine Aufgabe?“ - „PRODUKTION VON GOD.“ - „Und das wäre?“ - „GLOBALER ORDNUNGSDIENER“ In diesem Moment kann man in der Ferne ein Geräusch wahrnehmen, als wenn ein Stapel Blechdosen umfällt. Fureigh zögert nicht: „Keogk, sie bleiben hier. Arbeiten sie mit dem Programm. Ich sehe mir das näher an.“ Dabei zieht er seinen Strahler und verschwindet langsam in der Dunkelheit. Keogk wird nicht protestieren, wenn er hier in Sicherheit bleiben darf.
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Der junge Adjutant kann die Botschaft kaum in den Händen halten, ohne vor Angst zu zittern. Es ärgert Melan, dass nicht er der Auslöser ist, sondern die Nachricht. Mit einem Ruck reißt er den Ausdruck an sich. Mit einer knappen Verbeugung sucht der Überbringer das Weite. Jeder im Kontrollraum blickt hoch zu Melan welcher im Zentrum auf einem erhöhten Podest steht. Die Brücke ist so dunkel, dass er sich einige Schritte dem Hauptbildschirm nähern muss, damit das Licht der nächsten Sonne die Zeilen lesbar machen, die seine Hoffnungen bestätigt: Die wenigen niedergeschriebenen Worte machen klar, dass die Berechnungen über den Untergang, sowie die Informationen über den Aufenthalt seines Verursachers, korrekt sind. Die Muskeln um die Augen des Aho spannen sich an, als er seinem Hass an dem Papier auslässt. Würde er es nicht sofort mit beiden Händen zerreißen, würden seine roten Augen sicher ein Loch hinein brennen. Bisher lief alles genau nach Plan, obwohl zwei Schiffe aus der Formation ausbrechen mussten. Melan will ihnen keine Feigheit unterstellen, aber sich dem sicheren Tod auszuliefern, benötigt die Kraft und den Geist eines wahren Na'Kuhl: „Dohn! Kurs auf das Drahl System. Die Flotte hat zu folgen.“ Die Menschen also. Sie hatten sich einmal zu oft eingemischt. Diesmal würden sie nicht durch einen glücklichen Zufall oder die Gutmütigkeit eines Na'Kuhl entkommen. Wer sich mit dem Teufel einlässt kommt mit ihm um, sagt sein Volk. Wie wahr. Laut der Na'Kuhl Mythologie ist dies der dritte Versuch seiner Spezies, Armageddon zu verhindern. Seine Art ist die einzige, die jeden der drei Anschläge überlebt und sich von Neuem dazu aufgemacht hat, Vorbereitungen zu treffen für den Tag des jüngsten Gerichts. Den anderen, naiven Mächten kann man nur bemitleidend zusehen, wie sie um Kleinigkeiten wie Territorien zanken. Und dieses Mal würde es gelingen. Keine vierte Runde. Aus und vorbei. Ein weiterer Jüngling nähert sich ihm: „Aho! Eine Meldung!“ Mit ihm geht Melan nicht weniger rücksichtsvoll um. Vor Verblüffung stolpert der Adjutant rückwärts von einer Stufe, als Melan ihm seine Nachricht entreißt. Glücklicherweise keine Korrekturbotschaft zur ersten. Im Gegenteil: Dies bestätigt Melans Vermutungen. Die Menschen sind dümmer als er dachte. Sie haben keine Ahnung, was vor sich geht. Kein Wunder, wenn sie nicht einmal die Na'Kuhl Spione in ihrer Mitte erkennen können. Ihm würde so etwas nie passieren. Seine Informanten auf der Erde hatten über die Jahrzehnte hervorragende Arbeit geleistet. Zuerst die Entdeckung der Höllenkreatur und jetzt dessen Versuch, die Menschen auszunutzen. Doch dieses Spiel können zwei spielen. Warum sollte Melan die Menschen nicht auch für seine Zwecke einspannen? Diese Dummköpfe können ihm mehr als nützlich sein. Ihre pazifistische Einstellung würde auf eine harte Probe gestellt werden. Ein Test, den nicht einmal die Menschen bestehen würden. Drahl ist perfekt. Mit einem demonstrativen Schwung seines Umhang dreht sich Aho Melan in Richtung Nebenbrücke. Von dort wird er den Herrscher der Menschen kontaktieren. Und wehe ihnen, wenn sie ihm nicht mit dem gebührenden Respekt begegnen würden!
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Die Augen sind das Tor zur Seele. In diesem Augenblick ist Ducan bewusst, dass es wieder genauso wie beim letzten Mal sein würde. Es gibt einfach keine Lösung. Oder vorsichtiger ausgedrückt: Alle Ideen, die Ducan einfallen (und ihm fällt es normalerweise nicht schwer, innovative Ideen aus dem Ärmel zu schütteln) sind unzufriedenstellend. Vielleicht stellt gerade ein Kompromiss das Richtige dar. Ein Kompromiss ist eine Lösung, die beiden etwas abfordert. Doch weder Erido noch er könnten das akzeptieren. Nicht, wenn so viel auf dem Spiel steht. Halbe Sachen sind einfach nicht ihr Stil. Es war Ducan schon immer klar gewesen, dass dieser Tag einmal kommen würde. Er hatte sich in all den Jahren nicht vorbereiten können. Wahrscheinlich liegt ein gewisses Maß an Gerechtigkeit in der Tatsache, dass Ducan, der so viel Schönes in seinem Leben erfahren hatte, mit diesem Fluch leben muss. Paihet, die Jubin, Grosz, Kaylin... eigentlich kein schlechter Deal. Doch was hatte Erido? Ihre Allmacht? Sie war für Erido so normal wie ein Blinzeln. Wofür kann sie dankbar sein? Was fordert sie noch? Was lehrt sie Demut? Die Antwort auf diese Fragen lässt Tempes nach Schmerz in Eridos Augen suchen. Doch diese sind leer. Wie immer. Sie spricht kein Wort und noch immer berühren sie sich. Es scheint so, als ob Erido die Ewigkeit in Ducans Armen verbringen möchte. Einfach nur nahe bei ihm, das würde ihr reichen. Doch im Gegenteil zu Erido hat Tempes Verpflichtungen. Und andere Menschen, die ihn brauchen. Er möchte sie aber auch nicht wegstoßen. Er gibt zu, es zu genießen, dass eine Frau sich zu ihm hingezogen fühlt, doch er verlangt mehr. Und für ihn ist sein persönliches Glück nichts im Gegensatz zu den vielen Menschen, denen er helfen kann. Die Ulysses erlangt bald wieder ihre volle Stärke zurück. Manny und Erido haben viel zu viel Zeit in Anspruch genommen, was die Saint Crew auf Drahl ernsthaft gefährdet. Eridos leichtes Lächeln verschwindet, als ob es nie existiert hätte, als sie Tempes Ernsthaftigkeit wahrnimmt. Sie weiß ganz genau, was in Ducan vorgeht. Und sie hasst, es zu wissen: „Du kannst es einfach nicht, nicht wahr?“ Einen Moment lang sträubt sich Tempes zu antworten: „Es steht nicht in meiner Macht.“ Wenn Erido nicht so grässlich zumute wäre, hätte sie bestimmt laut losgelacht: „Du musst es nur zulassen. Aber du willst es nicht.“ - „Du verstehst es nicht.“ - „Ich verstehe alles! Es geht um deine Freunde, um die Menschheit, um dein Schiff... Aber nie geht es um dich. Oder uns.“ Tempes weiß, dass er seine Worte immer vorsichtiger wählen muss. Er riskiert Erido in ihrem Hass und ihrer Frustration zu verlieren. Es kämpft sich etwas in ihr hoch, das genauso zu ihr gehört, wie seine Pflicht zu ihm. Noch strafen Eridos Worte seine Ahnung Lüge: „Glaubst du, dass es eines Tages anders sein wird?“ Dabei sieht sie aus dem Fenster auf Drahl hinab, dessen blaue Meere herrlich im Sonnenlicht strahlen. Doch Ducan kann auch diese Frage nicht beantworten. Er steht auf und befreit sich vorsichtig von Erido. Ihr Gesicht von Trauer erfüllt. Gefühle und die Ewigkeit. Nein, Bewusstsein und die Ewigkeit: Das charakterisiert die größte Strafe, die sich Ducan vorstellen kann. Eine Strafe göttlichen Ausmaßes, die mit dem Fegefeuer der Apokalypse durchaus mithalten kann. Tempes weiß nicht, wie sehr seine Allegorie zutrifft. Ihn ihm regt sich auch keinerlei Angst gegenüber Erido, obwohl sie ihn mühelos in seine Moleküle zerlegen könnte. Höchstens Mitleid. Und das ist ein weiteres Element, dass Erido rasend macht. Und zur Verzweiflung treibt. Der einfache Weg für Ducan wäre, Erido die kalte Schulter zu zeigen. Das würde dem entsprechen, was Erido von ihm erwartet. Doch Tempes war schon immer schlecht darin gewesen, ihren Erwartungen zu entsprechen. Zuerst wehrt sie sich noch und hält Ducan davon ab, sie beiseite zu schieben. Doch dann gibt sie auf und straft Tempes mit einem Blick, der zu fragen scheint: Was soll ich tun? Was erwartest du von mir? Der Captain flüchtet nicht aus dem Raum, sondern konfrontiert Erido: „Ich weiß nicht, was eines Tages sein wird und ich bin der Letzte, der dir deine Hoffnung nehmen will. Solange du Hoffnung hast, lebst du. Aber im Moment kann ich einfach nichts für dich tun. Tut mir leid.“ Nach einer kurzen Pause in der Erido nachdenklich den Kopf senkt, wagt Ducan einen weiteren Versuch: „Wie war dein Leben früher? Bevor all dieser Wut und der Besessenheit?“ Und leiser: „Bevor alles kompliziert wurde?“ Erido sieht auf, doch nicht in Gedanken. Mit Tränen im Gesicht teilt sie Tempes mit: „Ich weiß es nicht. Es ist mir egal!“ Ihre Augen haben einen goldenen Schimmer bekommen. Wie Ducan befürchtet hat, helfen seine Worte nicht, sondern entfachen bei Erido ein lang für tot geglaubtes Feuer: „Du hast recht! Du kannst mir nicht helfen!“ Tröstend versucht Tempes Erido zu beschwichtigen. Doch der Schmerz sitzt zu tief. Bei ihrem letzten Treffen hat Ducan ihr eine neue Richtung zeigen können. Das hatte ihr gereicht. Für eine Zeit. Bis sie merkte, dass sein Weg sie anscheinend in eine Sackgasse geführt hatte: „Fass mich nicht an! Kein wahres Wort hat je deine Lippen verlassen! Du wolltest nur dein mickriges Leben retten!“ Ducan Tempes kann bei einer derartigen Verdrehung der Tatsachen nur den Kopf schütteln. Noch immer denkt er, dass Erido ihm nie etwas antun könnte. Und selbst wenn, dann würde es Ducan nicht stören. Der Tod war all die Jahre über sein alltäglicher Freund gewesen. Trotzdem möchte er kein weiteres Wort riskieren. Nicht seinetwegen, sondern für sie. Hin und hergerissen von ihrer Enttäuschung und ihrer von der Realität eingeholten Phantasien, sucht Erido mit ihren Augen ziellos den Raum ab. Sie findet ein Bild von Ducans Crew. Und verbrennt es. Sie findet eins von Ducans Büchern auf dem Schreibtisch liegen und lässt es in Flammen aufgehen. All die Möglichkeiten, die Erido zur Vernichtung zur Verfügung stehen und nichtsdestotrotz ist Erido eine Pyromanin. Feuer fasziniert sie. Feuer entspricht ihr. Ducans Stuhl, ein Regal, der Teppich... Eins nach dem anderen geht in Rauch auf. Feuermelder springen an – Erido verbrennt sie. Tempes weiß: Seine Crew wäre schon längst mit Feuerlöschern herbeigeeilt, doch sie wissen, was vor sich geht und können nur hoffen, dass es nicht Ducan ist, der die Flammen zu spüren bekommt. Keiner traut sich, in das Gespräch einzugreifen. Erst als Erido die Sinnlosigkeit ihres Handelns klar wird, hört sie auf. Ein letztes Mal blickt sie auf eine Antwort wartend in Tempes Augen. Als kein Wort Ducans Mund verlässt, löst sich Erido auf. Als ob nichts geschehen wäre. Traurig und nachdenklich verlässt Ducan seinen Raum. Als sich die Türen automatisch vor ihm öffnen, purzelt ihm Kaylin entgegen. Offensichtlich hatte sie gelauscht. Sie übernimmt viel zu viele Angewohnheiten von Grosz.
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Yii, Baracturum und jetzt Rifa. Was würde Captain Paihet sagen, wenn Pfleger die überlebende Crew in demselben Zustand übergab, wie diese drei? Aber Spaß beiseite: Wichtig ist, dass Leslie überlebt hat. Rifa, dieses Genie: Pfleger besitzt keinerlei Ahnung über den Aufbau von Rettungskapseln, aber Rifa, dieser Halunke, hatte vor seinem Medizinstudium ein außerordentliches technisches Wissen über Maschinenbau angehäuft. Aber die Kreativität, mit der Rifa die Situation meisterte, spottet jedem Beispiel. Um es kurz zu machen: Das rosa Material, war ein Schaumstoff, der in flüssiger Form aus einer Düse austrat und an der Luft in Millisekunden aushärtete. Normalerweise wird damit ein Absturz gemildert. Doch eine der sechs Zylinder einer Kapsel heraus zu schneiden und zu Leitner zu werfen, war mehr als ein Geniestreich. Eigentlich sollte man Rifa vor ein Militärgericht schleifen. Beinahe wäre er dafür verantwortlich gewesen, dass Leslie in der rosa Masse erstickt wäre. Kann man überhaupt sicher sein, dass das Zeug ungiftig ist? Schließlich hat sich das Zeug im gesamten Inneren der Kapsel ausgebreitet. Wohl der beste Airbag, den Pfleger in seinem Leben je gesehen hat oder je sehen wird. Nun aber Schluss für heute. Hoffentlich würde die Nacht erholsamer sein als dieser Tag. Zwar vermisste er Fureigh und Keogk, aber er gab ihnen ruhig 24 Stunden, um sich auszutoben. Erst dann macht er sich Sorgen. Das Geheimnis von Drahl sollte man besser nicht unterschätzen. Die Wachen sind eingeteilt und die Sonne sinkt langsam unter den Horizont. Noch ist es angenehm warm, doch wer weiß, wie lange dies anhält. C.P. wollte sich eigentlich noch einmal duschen, bevor er zu Bett geht aber im Moment ist ihm jede Bewegung zuviel. Er lässt sich einfach auf seine Liege fallen und schläft innerhalb von Sekunden.
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Er hat keine Angst. Er hat keine Angst! Die Skorr sind für ihren Mut bekannt. Es kann also keine Angst sein. Draußen bricht die Nacht herein, während Fureigh Stück für Stück weiter durch die Todesstille wandert.. Der Regen will nicht aufhören. Allein in den Tiefen eines zerbombten Bunkers in der Schwärze der Nacht – warum sollte man da Angst haben? Keogk steht ihm doch zur Seite. Zwar nicht im Moment, aber er wäre innerhalb von Sekunden bei ihm, sollte es nötig werden. Er lauscht in die Ferne. Dieses verflixte Programm. Dieses Mal hätte er auf Keogk hören sollen. Seit dem Scheppern vorhin ist nichts mehr zu hören. Er wird das Gefühl nicht los, dass sie nicht die Einzigen sind, die diese Hallen als Unterschlupf verwenden. Gerade als er um eine weitere Ecke biegt, hört er erneut Keogks Ruf, wie vorhin, als er sich einen Stromschlag zuzog. Verdammt. Wie zum Himmel kann das Vieh an ihm vorbeigekommen sein? So schnell ihn seine Schwingen tragen, eilt er zum Terminal und damit ins fahle Licht des Mondes, das durch einen transparenten Teil der Decke scheint. Keine Spur von Keogk. Nicht ein Stück seiner Ausrüstung liegt herum, obwohl Keogk nicht gerade zu den ordentlichsten Skorr gehört. Das Programm muss Zeuge gewesen sein: „Computer! Was ist passiert?“ - „ANFRAGE FEHLERHAFT. WIEDERHOLEN.“ Fureigh hat genug. Er lässt seinem Zorn freien Lauf und zerschlägt die Scheibe des Monitors schreiend mit einer herumliegenden Metallstange. Das Programm läuft hinter dem zersplitterten Glas weiter: - „ANFRAGE FEHLERHAFT. WIEDERHOLEN.“ Es reicht Fureigh. Ohne Keogk wird er diesen Ort nicht verlassen: „Keogk! Antworten sie!“ Er probiert sein Kommgerät, er schreit in die Dunkelheit. Er hämmert auf NOD ein. Doch nichts hilft. Mit der Metallstange bewaffnet will sich Fureigh noch mal in den hinteren Bereich begeben, wo er den Auslöser der Geräusche bereits gejagt hatte. Doch bevor er auch nur fünf Meter hinter sich gebracht hat, fällt er über eine Vertiefung im Boden, die kurz zuvor noch nicht existiert hat. Da er beide Hände um die Stange gelegt hatte, konnte er den Sturz nur wenig auffangen. Benommen schüttelt er den Kopf, während sich die Vertiefung unter ihm vergrößert. Nachdem sich ein rechteckiges Stück des Bodens um Fureigh herum um zirka zehn Zentimeter in den Boden gesenkt hat, klappen zwei Türen explosionsartig nach unten weg. Fureigh kann sich gerade noch mit den breiten Flügeln festhaken, doch als ihn etwas in den Rücken tritt, verliert er jeden Halt und stürzt in die dunkle Tiefe an deren Ende ihm ein bläulicher Schimmer entgegenkommt. Er hat nicht gesehen, dass ihn einer von zwei Metallarmen, die unter dem Terminal herausgefahren wurden, in den Rücken getroffen hatte. Die Rutschpartie in der Röhre kann man nicht als gefährlich bezeichnet, höchstens als unbequem. Sobald die Schwärze vorübergezogen ist, kann Fureigh nicht umher, die Schönheit seiner Umgebung anzuerkennen: Die Dunkelheit war Vergangenheit. Helles Neonlicht strahlt durch die bläulich/ durchsichtige Röhre. Mehrere Federn flattern durch die Luft, als Fureigh endlich von der Rutsche ausgespuckt wird und in einem gigantischen Raum landet. Überall Rohre. Er steht auf und erkennt, dass die Röhre, aus der er kam, viele Zwillinge hat, deren Ausgänge hier alle nebeneinander aufgereiht sind. Vielleicht sieht Keogk das gleiche woanders zur gleichen Zeit? Vorsichtig sieht sich Fureigh um. Ein Weg, mit den Röhrenausgängen auf der linken Seite, wird rechts von einem Geländer abgegrenzt. Über diese Geländer blickend, erkennt er eine Vielzahl von stillgelegten Maschinen. Deren Zweck bleibt Fureigh verschlossen. Da hinter ihm eine starre Wand prangt, scheint es logisch zu sein, dem endlos scheinenden, aneinander gereihten Ausgängen bis an ihr Ende zu folgen. Nicht zu vergessen, dass das Geländer keinerlei Probleme für das Vogelwesen Fureigh darstellt. Doch er möchte lieber der Route folgen, dem jedes humanoide Wesen folgen muss. Nach kurzem Marsch gelangt er an ein geöffnetes Tor, welches beschädigt ist und dieselbe bläuliche Farbe aufweist wie der Rest der Oberflächen. Danach folgt ein dunkelblauer Gang.
Blau in blau. Die gesamte unterirdische Anlage wirkt kalt und steril. Fureigh kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Drahl 5 scheint genauso gefährlich wie undurchschaubar zu sein. Noch immer haben sie keinerlei Informationen über die Bevölkerung oder die Katastrophe, die hier stattgefunden haben muss. Doch Fureigh wird dies nun ändern. Auch wenn das bedeutet Risiken einzugehen. Sie wurden jetzt lange genug an der Nase herumgeführt. Und jetzt ist Keogk auch noch verschwunden. Er würde es sich nie verzeihen, wenn Keogk etwas unter seinem Kommando zugestoßen war. Schritt führ Schritt bahnt Fureigh sich seinen Weg hin zu der einzigen größeren Energiequelle in seiner Nähe. Hier unten, tief in der Erde, sind viel mehr Apparaturen unzerstört. Wahrscheinlich existieren mehrere Schichten aktiven Gesteins oder aktive Verteidigungsschilde, die die ersten Scans abblockten. Hier ist viel mehr los, als man von außen hätte erahnen können. Der Gang wird enger und enger. Es gibt kaum Platz, um seine Flügel ausbreiten zu können. Doch es gibt keinen anderen Weg, dem man folgen könnte. Endlich erkennt Fureigh das Ende des Tunnels. Einzelne, weiße Stromstöße fließen ihm an den Wänden entgegen. Die Kabel sind nicht gerade durchsichtig, aber die darin umgeleitete Energie scheint enorm zu sein. Dieser Ort ist alles andere als tot. Noch wenige Schritte und Fureigh wird den nächsten Raum erreichen. Schon bevor der Skorr den Gang verlässt, erkennt er ein thronartiges Podest, welches das Zentrum einer perfekten Kugel einnimmt. Die Abgrenzungen des Raumes lassen auf ein faszinierendes mathematisches Verständnis erahnen. Das Podest besitzt exakt den gleichen Abstand von jedem vorstellbaren Wandsegment, was heißt, dass der Raum eine kugelförmige Konfiguration innehat. Ein schmaler Steg führt Fureigh zum Zentrum. Langsam und vorsichtig, den Blick angespannt die unnatürliche Umgebung erkundend, begibt sich Fureigh näher heran. Insgesamt führen sechs glatte, lang gezogene Metallbalken zu seinem Ziel in der Mitte. Keiner der Stege wird durch ein Geländer unterstützt. Erneut freut sich Fureigh insgeheim, zu den Vögeln gezählt zu werden. Er kann sich kaum vorstellen, dass die Planken nach oben und unten sinnvoll genutzt werden können: Sie stellen ausschließlich einen Ausgleich im Design dar oder haben eine stützende Funktion. Der Steg, der Fureighs Weg nach dem Podest geradeaus weiterführt, sowohl der Steg, der im neunzig Grad Winkel nach links abbiegt, sind zerstört oder verschüttet. Selbst die letzte Möglichkeit rechts scheint keinen Ausgang zu bieten, da sich an dessen Ende eine massive Tür befindet. Fureigh kann sich nicht vorstellen, dass es leichtfallen wird sie zu öffnen, aber er hat ja seine Waffen. "STOP." Eine mechanische Stimme. Es reicht Fureigh: "Ich bin Leutnant Fureigh vom medizinischen Schiff Saint. Wir sind hier, um Kontakt mit den Drahlanern herzustellen und unsere Hilfe anzubieten. Wir wurden angegriffen und brauchen..." - "STOP" Fureigh war einige Schritte vorwärtsgegangen, während er sprach. Das sollte er besser lassen. Der Skorr weiß nicht, ob man ihn versteht oder ob sein Übersetzer arbeitet: "Helfen Sie uns. Was ist hier passiert? Wissen Sie wo sich Fähnrich Keogk befin..." - "ANFRAGE FEHLERHAFT." Fureigh hat langsam genug davon, sich unterbrechen zu lassen. Dieser verdammte Computer! Er vergisst seine Furcht und schreitet geradewegs auf das Podest zu. Captain Paihet, die Überlebenden und Keogk zählen auf Fureighs schnelle, konkrete Fortschritte. "STOP. SPERRGEBIET. WARNUNG WAFFENGEB... " Unbeeindruckt erreicht Fureigh die Zentrale: "Ich werde nicht warten und mich untersuchen lassen. Ich muss diesen Ort verlassen. Versteht mich jemand? Handelt es sich um ein interaktives Programm?" Die laute Computerstimme hört nicht auf anscheinend wichtige Bemerkungen zu verkünden. Die letzte Geduld fallenlassend begibt sich Fureigh an ein ähnliches Terminal wie zuvor und versucht die Abdeckung zu entfernen. Er versucht nicht weiter gegen die Stimme anzuschreien. "Hören Sie auf, Fureigh." Das hinterlässt bei Fureigh einen Eindruck. Er beendet seine hektische Aufgabe und gibt der jetzigen Stimme eine Chance. Vor allem deshalb, weil sie sich so anhört, als ob jemand keine zwei Meter von ihm entfernt stehen würde.
Kapitel 10: Schuld
In den frühen Morgenstunden war alles noch in Ordnung gewesen. Er wachte neben seiner Frau auf, die ihn mit ihrer Schönheit blendete. Er sah aus dem Fenster ihrer gemeinsamen Wohnung im 92ten Stock und wurde auch von dem Ausblick nicht enttäuscht: Wundervoll funkelte jedes Gebäude, jeder Vogel und sogar jede einzelne Wolke im Glanz des aufsteigenden roten Riesensterns am Horizont. Gebbit war gesegnet. Doch das alles war Vergangenheit. Lan Gebbit kann nicht mehr zurück, nachdem er zum Spielball des Schicksals degradiert wurde. Seine Fehler kosteten Millionen das Leben. Dabei sah alles so alltäglich aus. Woher sollte er vorher wissen, wie alles verlaufen würde? Doch kehren wir zum Anfang zurück. Nachdem Gebbit eine lange Schalldusche genossen hatte, die ihm die Müdigkeit aus den Gliedern spülte, wartete bereits ein üppiges Frühstück auf ihn. Mit einem Lächeln verfolgte Lan, wie seine Frau in ihrem kurzen, seidenen, mit weißen Blumen verzierten Dessous das Badezimmer betrat. Sie lachte ihm sogar noch ausschweifend zu, während Lan in sein Sandwich biss. Und jetzt steht Lan in einer dunklen Seitengasse, den braunen Mantel tief ins Gesicht gezogen. Niemand würde ihn suchen aufgrund dessen, was er getan hatte, sondern nur, weil seine Familie sich Sorgen machte. Gebbit will nicht gefunden werden. Doch zurück zur verlorenen Vergangenheit: Gebbit verließ sein Heim um 334.751. Er hatte noch viel Zeit, um zu seinem Arbeitsplatz in der Botschaft zu kommen und lässt sich auch dementsprechend Zeit. Seine Schritte verhöhnen den mittlerweile gebrochenen Mann Lan Gebbit, dem Träne für Träne über das Gesicht läuft. Es war nur dieser eine Auftrag an diesem Morgen, der an allem Schuld war. Die Botschaft war so geschäftig wie immer gewesen. Lan suchte sein Büro auf und fast sofort erkannte er die Datendisk, die auf ihn zu warten schien. Noch bevor er sich von seinen Umhang befreit hatte, bewegte er die Disk über den Abtaster und konnte lesen, dass man ihn um 000.012 zu einem Gespräch bat. Nichts Außergewöhnliches, wenn man bedenkt, wie wichtig Gebbit für die Botschaft geworden war und wie inständig er seine Vorgesetzten um einen neuen Auftrag gebeten hatte. Gebbit ging pünktlich zu dem Treffen und konnte sich tatsächlich über eine neue Mission freuen, auch wenn der Anlass nicht besonders schön war: Eine Regierung musste davon überzeugt werden, dass ein Bürgerkrieg drohte, wenn nicht schleunigst Reformen für eine Unterstützung der unteren Schichten sorgten. Bei so kleinen Planeten hatte das Wort eines erfahrenen und überzeugenden Botschafters wie Gebbit einen großen Einfluss. Lan hatte so etwas bereits einmal erfolgreich hinter sich gebracht und dies schien auch der Grund, warum sie ihn jetzt erneut wollten. Gebbit verschwendete keine Zeit, sondern kontaktierte seine Frau und erklärte ihr, dass er für einige Wochen unterwegs sein würde, aber bis zu ihrem Geburtstag auf jeden Fall wieder zurück sei. Ein Monat war mehr als genug. Gebbit rechnete damit, dass sich das Ganze schlimmstenfalls eine Woche hinziehen würde. Der Flug war schnell gebucht und verlief ohne Probleme. Auf Drahl wurde er überraschenderweise von Regierung und Bevölkerung fast schon wie ein Prophet gefeiert. Hätte er von der Gastfreundschaft und der Hoffnung, die in ihn gesetzt wurde, gewusst, dann hätte er Gelzeh, seine Frau, mitgenommen, damit sie ihm bei den Banketten zur Seite stand. Jetzt ist er froh, dass er sie nicht mitgenommen hatte. Das Unternehmen war ein voller Erfolg: Die Drahlaner der Führungsriege hingen an jedem seiner Worte. Gebbit merkte früh, dass die Drahlaner sehr technikorientiert waren. Gab es Zweifel oder Einwände, so musste Gebbit sein Gegenüber nur mit den technischen Erfindungen der Menschen ködern: Vor allem die Erzählungen über die Raumschiffe ließen die Drahlaner mit Kinderaugen seinen Worten folgen. Dies war der einfachste Auftrag, den Lan Gebbit bisher bekommen hatte. Auf Drängen der Führung inspizierte Lan Werkshallen und zeigt sich beeindruckt von der Technik. Die Drahlaner waren vielleicht noch weit hinter dem Stand der größten Völker dieser Galaxis, doch ganz sicher nicht, was Technik anging. Keine Sekunde lang brach das hier versteckte Gefahrenpotential in Lans Bewusstsein. Es war nur ein-einhalb Jahrhunderte her, dass die erste Direktive zugunsten von „Jedem helfen, der Hilfe braucht“ verändert wurde. Unzählige Unterpunkte sorgten dafür, dass dies nicht ausgenutzt oder falsch interpretiert wurde. Gebbit hatte nach der Katastrophe nachgeforscht: Unterm Schlussstrich war die neue Direktive sicherer als die andere über „Nichteinmischung“, welche ständig ungestraft unbeachtet blieb. Doch Statistiken hatten nicht immer recht. Pünktlich nach einer großartigen Woche trat Gebbit die Heimreise an. Sicher, dass der Bürgerkrieg niemals wieder ein Thema werden würde. Und damit begannen die Probleme. Die Technik, von der Gebbit eine Woche lang den Drahlanern vorgeschwärmt hatte, versagte. Der Hauptantrieb fiel komplett aus, ohne das ein Grund dafür erkennbar wurde. Vermutete die Reparaturcrew vorerst eine Reparaturzeit von zwei Tagen, so wurde bereits nach dem ersten Tag ein Notrufsignal ausgesendet. War es zu fassen? So etwas war Gebbit nie zuvor passiert! Um alles noch schlimmer zu machen, gab es keinerlei Antworten auf ihren Notruf. Das war doch lächerlich! Drahl war so nah an der Erde, dass zumindest irgendein Frachter auf sie aufmerksam werden musste. Doch nichts. Also beschloss man einfach mit dem Fusionsantrieb bis zum nächsten Center zu fliegen. Das würde zwar über eine Woche dauern, doch was blieb ihnen anderes übrig? Irgendwer würde früher oder später sicher das Notsignal auffangen. Und Lan Gebbit hatte schließlich alle Zeit der Welt. Er würde den Geburtstag von Gelzeh trotzdem nicht verpassen. Sie würde sich nicht einmal Sorgen machen, da er ja von einem Monat gesprochen hatte. Kaum stoppte seine Fähre am orbitalen Center, wurde er auch schon zu einem Gespräch gerufen. Im Grunde ergab das Gespräch folgendes: Gebbit hatte versagt – zwei Schiffe, die unmittelbar den Erfolg von Gebbit ausnutzen sollten, um gute Kontakte herzustellen, wurden mit Notrufen überschwemmt. Der Planet lag im Chaos. Die Botschaft hatte bereits die Flotte verständigt, welche in diesem Moment einen Rettungstrupp auf den Weg schickte. Gebbits Arbeit wurde nicht veröffentlicht, um kein schlechte Licht auf ihn oder die Botschaft zu werfen. Doch damit gab sich Gebbit nicht zufrieden. Er würde herausfinden, was schief gelaufen war. Er wollte nicht die Schuld am Tode eines Planeten tragen, wenn er nicht genau wusste, in wie weit er dafür verantwortlich war. Er würde sich dem Landetrupp anschließen und zu Drahl zurückkehren. Doch im Nachhinein weiß Lan, dass es damals bereits zu spät war. Paihets Plan war bereits angelaufen. Nach allem was Gebbit bisher wusste, hatte Paihet nicht nur vor, dabei zu helfen, dass Universum zu vernichten. Er war auch dafür verantwortlich, dass Gebbit aus dem Verkehr gezogen wurde. Eine Bestechung hier und da und schon dümpelt Gebbits Fähre grundlos ohne Antrieb nach Hause. Doch beinahe hätte Lan dies schon früher entdeckt: Nur Paihets Befehl zum Notstart sorgte dafür, dass Gebbit nicht rechtzeitig auf Paihets Schiff kam, um dieses Monster aufzuhalten und zu Drahl zurück zu kehren. Und da kein weiteres Schiff Drahl ansteuern durfte, musste Lan Gebbit woanders nachforschen. Er würde bis ganz nach oben gehen und das Blut von seinen Händen tilgen – bis zum Präsidenten, wenn es sein musste.
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Man kann es ihm ansehen. Nicht jeder wäre dazu in der Lage, aber wenn Ashmodai seinen Meister ansieht, so entgeht ihm kein Hinweis auf das, was ihn beschäftigt. Ashmodai, der von seinem Lehrer nur mit „Junge“ angesprochen wird, hält sich mittlerweile für ebenbürtig. Ihm würde es niemals passieren, dass andere derart in ihm lesen könnten, wie es Ashmodai bei Artus gelang. Der Junge ist eine neue, verbesserte Version von Artus Spezies. Eine vollkommenere. Sein Meister unterschätzt ihn völlig. Im Moment wird Artus von Wut und Unsicherheit zerfressen. Nach außen hin ist er ruhig, fokussiert. Doch das kann Ashmodai nicht täuschen. Eigentlich ist Ashmodai damit ganz zufrieden: Es bietet ihm eine einzigartige Möglichkeit seinem Herrn zu beweisen, wozu er mittlerweile in der Lage ist. Wenn Ashmodai ein Problem lösen würde, dass nicht in Arturs Macht liegt, dann würden ihm endlich der Respekt und die Dankbarkeit zuteil, die sich Ashmodai über die Jahrzehnte verdient hatte. Nie wieder würde man ihn „Junge“ nennen. „Was ist los?“ Fragt Artus, während er sich eine Zigarette anzündet und Ashmodai nur kurz mit einem Blick würdigt: „Langweilig, oder?“ Es dauert nur kurz bis Ashmodai begreift, was Artus meint. Sie befinden sich an einem Strand mit einem angrenzenden Meer aus gelber, dickflüssiger, gummiartiger Flüssigkeit. Es gibt keinen Sand, stattdessen besteht der Grund aus schwarzem Teer, der glatt im Meer verschwindet. Es gibt keine Atmosphäre auf diesem Mond, weshalb das Leuchten der Sterne viel stärker ausfällt als üblich. Ashmodai weiß, was ihm blüht, wenn er nicht auf Artus Fragen eingeht. Irgendwann würde er sich weigern auf diese „Wer-ist-der-Meister-und-wer-der-Schüler“ Demonstrationen zu antworten. Doch nicht heute: „Ist doch egal, wo wir sind.“ Ashmodai schnitzt weiter an dem Diamanten, den er gestern aus einem Klumpen Dreck gepresst hat. Eigentlich wäre die Konversation für ihn damit erledigt, doch eine Frage drängt sich auf. Vielleicht ist dies ein Zeichen, dass Ashmodai doch nicht mehr allzu lange auf eine Konfrontation mit seinem Meister warten kann: „Welcher Ort wäre denn nicht langweilig für dich? Die Frage ist ziellos.“ Artus kontert nur mit einem Lachen. Er lehnt sich mit dem Rücken gegen die Leere, was Ashmodai daran erinnert, wie er sich bei ihrem ersten Treffen an den Drachen gelehnt hatte. Die „Leere“ als Materie zu begreifen, war eine der ersten Lektionen, die Ashmodai damals erhalten hatte. Plötzlich wird Ashmodai aus seinen Erinnerungen gerissen, als er unsanft in der gelben Brühe landet, die sich zähflüssig an seinen Körper heftet. Das Ufer war gut zwei Meter entfernt gewesen und er kann es nur Artus zu verdanken haben, so weit geschleudert worden zu sein. Sich zu beschweren oder aufzuregen wäre sinnlos. Stattdessen wartet Ashmodai geduldig auf die Erklärung, oder besser, die Lektion, die Artus beabsichtigt. Langsam schreitet Ashmodai aus der klebrigen Masse, während sich ihm sein Lehrer mit den Worten nähert: „Unaufmerksamkeit“. Der Hass in seiner Stimme ist unüberhörbar: „Unaufmerksamkeit ist nur eines von vielen Dingen, die du hinter dir lassen musst. Deine Ausbildung ist noch lange nicht beendet. Du hättest mich sehr leicht aufhalten können, wenn du auch nur eine geringe Ahnung gehabt hättest, was auf dich zukommt.“ - „Das ist unfair! Wieso soll ich meine Aufmerksamkeit auf dich lenken, wenn du mir gerade nichts offiziell beibringst? Wärst du ein Feind wäre ich sowieso aufmerksamer gewesen.“ Ashmodai sieht Enttäuschung in Artus seelenlosen Augen. Sein Herr kommt näher und näher bis sich ihre Gesichter beinahe berühren: „Offiziell...“ Artus nutzt die Pause um sich an den mit Erwartung strotzenden Augen Ashmodais zu ergötzen. „hat es seit Aphron keine lernfreie Zeit für dich gegeben und außerdem... Darauf weiß Ashmodai nichts zu erwidern. Und auch das, was darauf folgt, trifft den Jungen unerwartet: „Woher weißt du, dass ich nicht dein Feind bin?“
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„Erlaubnis an Bord zu kommen?“ Fast jeder strahlt Manny Simmons fröhlich an, glücklich darüber, dass der Steuermann der Saint die Vernichtung seines Schiffes überlebt hat. Nur Tconar und Volat bleiben wie immer unnahbar. Der Captain geht gerne auf Mannys Spruch ein: „Willkommen an Bord, Mr. Simmons. Leider wird Jessie die Steuerkonsole nicht ohne Kampf aufgeben, also schlage ich vor, sie treffen sich nachher im Deck 4-Boxring.“ Simmons Grinsen wird bereits dünner, als er daran denkt, dass er bereits einmal vor langer Zeit von Grosz KO gekickt wurde. Er findet keinen freien Sitzplatz, also entscheidet er sich einfach dazu, stehen zu bleiben. Wer sich fragt, warum Manny die Brücke überhaupt aufgesucht hat, der sollte sich im klaren darüber sein, dass die Brücke im Moment einfach den einzige Ort darstellt, an dem Manny Antworten bekommen kann. Er hatte sich von dem Vieh in der Krankenstation bereits über einen Bildschirm an der Wand alles über das Schicksal von Paihet und Co berichten lassen. Jetzt scheint es an der Zeit, dass sich Manny selbst davon überzeugt, wie schlimm die Situation sich darstellt. Die Jubin ist schlimm angeschlagen und hat soeben einen stabilen Orbit um Drahl 5 angesteuert. Nach wenigen Sekunden hat Volat die Überlebenden lokalisiert. Es haben sich 3 größere Gruppen zusammengefunden, wobei die größte sehr nah an einer der restlichen beiden liegt. Außerdem scheint eine einsame Seele einen völlig falschen Kurs eingeschlagen zu haben und befindet sich sehr nah an einem arktischen Gebiet. Zwar braucht Rufus im Maschinenraum noch einige Zeit bis die externe Kommunikation wieder einwandfrei funktioniert, doch zumindest der Transporter ist aktiv und sobald sich der Planet weit genug gedreht hat plant Ducan den einzelnen Crewman an Bord zu holen. So schlimm es sich anhört, aber Tempes ist froh, dass seine allmächtige Bekanntschaft das Schiff verlassen hat. Es mochte sich noch rächen, doch im Moment hat der Captain andere Probleme. Er würde Erido nicht hängen lassen, doch wie kann man jemandem helfen, der davon überzeugt ist, dass er alles allein schaffen kann? Noch dazu, wenn dies generell der Wahrheit entspricht? Irgendwann würde sich Erido der Wahrheit stellen müssen, dass der einzige Grund, warum sie sich mit den Menschen abgab, darin besteht, dass sie Hilfe sucht. Nirgendwo sonst kann sie auch nur hoffen, eine Antwort zu finden. „Captain.“ Tconar meldet sich. Aus seinen Gedanken gerissen, dreht sich Tempes zu seinem Wissenschaftsoffizier um. Indem er beide Augenbrauen hebt, verdeutlicht Ducan, dass er auf eine genauere Erklärung wartet. Doch die Mimik scheint zu subtil für Tconar zu sein, der bereits wieder hektisch an seinem Display arbeitet. Also hakt Ducan nach: - „Noch eine schlechte Nachricht, Tconar?“ - "Das kann ich bislang nicht mit Gewissheit feststellen.“ - "Was ist los?" - "Sir, eine Energiequelle ist in Sensorreichweite gelangt.“ - "Na und? So weit entfernt dauert es..." Tempes braucht einen Moment bis er zugeben muss, dass er es nicht im Kopf ausrechnen kann, wie lang ein Schiff mit Maximalgeschwindigkeit bis zur Jubin braucht: „...keine Ahnung wie lang.“ - „3,4 Minuten, Sir“ - „Bist du sicher?“ Ducan beißt sich auf die Zunge. Die Frage kommt einer Beleidigung für T’Conars Intellekt gleich. Doch viel gravierender ist die Tatsache, dass diese Energiequelle keinen natürlichen Ursprung haben kann, wenn es sich so schnell fort bewegt. Tempes hat schon viele Phänomene kennen gelernt, doch er spürt, dass Erido ihre Finger im Spiel haben muss. „Transporterraum 3 an Brücke. Wir können beginnen den Überlebenden der Arktisregion vom Planeten zu holen.“ - „Brücke hier. Verstanden. Beamen sie ihn direkt in die Krankenstation. - „Ähm... Sir?“ - „Gibt es ein Problem?“ - „Ja, ich habe den Befehl nicht durch Sop Du zu beamen. Und er ist überall in der Krankenstation.“ - „Wen sie’s ihm nicht sagen, dann mach ich das auch nicht.“ - „Schon, Sir, aber er wird merken, dass gebeamt wurde, wenn jemand bei ihm materialisiert.“ Das stimmt natürlich. Ducan kratzt sich am Kopf, bevor er antwortet: „Können sie erkennen, ob der Überlebende ärztliche Hilfe braucht? Wenn nicht, dann beamen sie ihn einfach hoch.“ - "Aye, Sir. Keine Verletzungen erkennbar.“ Soviel zu diesem Thema.
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Tief unter der Erde von Drahl 5 hat Fureigh bereits damit gerechnet ein Monster hinter sich zu erblicken, doch der kleine Roboter, der hinter ihm schwebt, stellt keine Gefahr dar. Obwohl man das eigentlich nicht vom Äußeren her einschätzen sollte. Um sicher zu gehen, dass Fureigh nicht an der Nase, oder besser dem Schnabel, herum geführt wird, blickt sich der Skorr noch weiter um. Kam die Stimme wirklich von diesem kleinen Roboter. Augenscheinlich besteht er nur aus einem Kreisel mit einem Radius von 13 cm. An seinem oberen und unteren Ende stechen verschieden lange Antennen hervor. Im Gegensatz zu den Wänden ist seine Oberfläche in einem trüben grau gehalten. Einige bläuliche Streifen beugen sich an der Oberfläche entlang. Von Fureighs Blickwinkel sehen zwei von diesen Streifen wie breite Augen aus. „Ist hier jemand?“ Ruft Fureigh, doch nur ein kurzes Echo antwortet ihm. Gerade als er das Risiko eingehen will, dem Roboter den Rücken zu zukehren, um weiter am Terminal zu arbeiten, erwidert der Roboter Fureighs Frage: „Hier bin nur ich.“ Also war es doch diese Apparatur, die mit ihm geredet hatte. Um sie etwas zu provozieren, will Fureigh dessen ‚Aussage sofort richtig stellen: „Deine Programmierer sind bei dir wohl etwas ungenau gewesen. Ich bin nämlich hier.“ Mit diesen Worten wendet sich Fureigh wieder seiner Arbeit zu. Mit einem schraubenzieherartigen Werkzeug testet er einzelne Leitungen und fährt fort: „Außerdem wäre es mir nur recht, wenn dein Bruder GOD nicht auch hier wäre.“ - „Ich bin NOD.“ Fureigh unterbricht seine Arbeit und sieht noch einmal in Richtung des Neuankömmlings: „Lass mich raten: Das alles hier ist NOD.“ Dabei macht er eine ausladende Bewegung mit seinen Armen. Doch schnell vergießt er seinen Zynismus, um eine viel wichtigere Frage zu stellen: „Wo ist Keogk? Was hast du mit ihm angestellt?“ Stille regiert den Raum erneut. Doch so leicht schreibt Fureigh seinen Freund nicht ab. Mit einem Satz steht der Skorr vor der Maschine und greift mit beiden Greifen nach ihr, um sie notfalls gegen eine Wand zu schleudern, sollte er nicht bald eine Antwort bekommen. Glücklicherweise scheint NOD kein Kraftfeld oder ähnliches zum Schutz zu besitzen. Die Schuld für sein unbedachtes Handeln liegt bei Fureighs Angst um Keogk. Normalerweise geht er vorsichtiger vor: „Sag mir, wo Keogk ist, oder ich zerlege dich Schraube für Schraube!“ Das scheint NOD nicht sonderlich zu beeindrucken. Die fehlende Antwort entgeht Fureigh nicht, doch anstatt seine Drohung wahr werden zu lassen, überdenkt Fureigh seine Strategie: „Deine Existenz scheint dir nichts wert zu sein. Wahrscheinlich stehen Hunderte Dronen bereit, um dich zu ersetzen.“ Mit einem Mal zieht Fureigh seinen Strahler. „Doch du hättest nicht diesen Maschinenkörper übernommen, wenn du mich nicht von dem Zentrum abhalten wolltest. Was, wenn ich es zerstöre? Nur ein Schuss wäre nötig.“ Das Gerät bleibt regungslos in Fureighs Gewalt. Doch diese Drohung war kein Bluff. Sobald er den Arm zum Schuss hebt, ertönt NOD: „Halt! Wenn du die Kontrollen zerstörst hast du auch keinen Anhaltspunkt mehr, um Keogk zu finden.“ - „Ich finde ihn schon! Für mich ist dieses Terminal eines von vielen.“ Ruhiger fügt er hinzu: - „Doch für dich nicht.“ Nur kurz widersteht NOD Fureighs Blick, während dieser die Waffe immer noch auf den Kern der Anlage richtet. Dann gibt NOD auf: „Keogk ist sicher.“ - „Wo ist er?“ - „In Stasis.“ - „Wo verdammt! - „2 Ebenen unter uns.“ Die Spannung weicht langsam aus Fureighs Körper. Doch diesen unachtsamen Moment nutzt NOD, um ruckartig auf die Waffe zu zuschnellen und sie Fureigh aus der Hand zu schlagen. Noch bevor Fureigh etwas unternehmen kann, stößt NOD sie über die Plattform hinweg in die Tiefe. Gerade als NOD wieder in Augenhöhe von Fureigh aufsteigt gleißt ein Laserstrahl über NOD hinweg und brennt ein Loch in ein Stück der Wand. NOD rotiert etwas, als Fureigh erklärt: „Wo die Waffe herkommt gibt’s noch mehr. Keine Tricks, wenn dir wirklich etwas an der Technik liegt.“ Es ist nach wie vor nützlich vier Waffen bei sich zu führen. Fureigh warnt NOD, sich nicht vom Fleck zu rühren und fliegt hinunter, um seine Waffe aufzuheben. Der runde Boden des kugelartigen Raums ließ sie genau in die Mitte rutschen. Doch als er endlich wieder auf den Steg zurückkehrt ist NOD verschwunden. „War ja klar“ hört man Fureigh zu sich selbst sagen, gefolgt von der monotonen Stimme NODS, der doch nicht verschwunden war, sondern nur näher an die Anlage geflogen war: „Ich hätte dich auch in Stasis versetzen können.“ - „Ich hatte gesagt <nicht vom Fleck>! Was ist daran so schwer zu verstehen?“ Kontert Fureigh ohne auf NOD einzugehen. Er schiebt NOD beiseite und arbeitet weiter am Terminal. Wenn er hier nicht fündig werden würde, dann weiß er nicht wo sonst. Langsam denkt Fureigh darüber nach, was NOD gesagt hat. Er wird neugierig: „Weshalb sitze ich mittlerweile nicht in Stasis? Reicht dir ein Exemplar zum studieren?“ - „Ich studiere euch nicht. Ich suche Jemanden zum Reden.“ - „Und wie lange hast du gebraucht, um zu merken, dass Keogk in Stasis kein Wörtchen sagt?“ - „Zwei Personen sind zu gefährlich.“ - „Und ich dachte, du verstehst dich so gut mit ihm. So sah es jedenfalls vorhin aus.“ - „Woher kommst ihr?“ Erneut unterbricht der Skorr seine Arbeit: „Du meinst das ernst, oder?“ Als keine Antwort erklingt, hört Fureigh auf, sich mit der Technik zu beschäftigen: „OK, wenn du reden willst, dann lass uns reden. Ich wette ich habe mehr offene Fragen an dich, als ich dir beantworten kann.“
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Die Lage schien doch nicht so aussichtslos, wie zuvor vermutet. Der Rat fand unabhängig von Gebbits Informationen bereits alles über Paihet heraus. Lan Gebbit gewann sogar neue Einblicke, als er zu einer geheimen Sitzung gerufen wurde. Seine Weste glänzte wieder weiß, nachdem die Wahrheit über die Saint und ihre Fracht ans Tageslicht kam. Der Anführer des geheimnisvollen und mächtigen Volkes der Na'Kuhl hatte sich direkt an den Präsidenten gewandt und den Rat über die drohende Gefahr gewarnt. Ein Wesen würde die Galaxis, nein, das ganze Universum, vernichten. Das war wahrscheinlich eine unheimliche Übertreibung, aber mit einem derartigen Gefahrenpotential sollte man nicht spaßen. Alte Berichte kamen zum Vorschein. Überaus interessant waren die Berichte von Ducan Tempes, der von einer „göttlichen Entität“ sprach. Auch Aho Melan, der Na'Kuhl Anführer, konzentrierte seine Darstellung auf eine unbeschreibbare Macht, die Ursprung der Apokalypse sein würde. Zusammen mit Gebbits Überzeugung konnte die menschliche Regierung zu einem großen Schritt verleitet werden: Man konnte die „Saint“ nicht kontaktieren, da ihre einzige Chance darin bestand, das allmächtige Wesen zu überraschen. Melan bezweifelte zwar die Möglichkeit, dass die Menschen genügend Feuerkraft aufbringen könnten, um etwas ausrichten zu können, doch im gesamten Gespräch trat die „Überlegenheit“ des Ahos deutlich hervor. Unbeeindruckt kam der Rat zu dem Ergebnis, dass ein Forschungsschiff der neuesten Klasse keinerlei Probleme haben dürfte, die „Saint“ mit wenigen Schüssen zu erledigen. Die moralischen Aspekte waren hoch brisant, doch eine andere Möglichkeit bestand nicht, außer man wollte die Schuld an einem Desaster übernehmen. Man sollte nicht vergessen, wie oft die Menschheit in ähnlichen Momenten gezögert und versagt hatte. Die Menschheit war gereift und hatte mindestens das gleiche Entwicklungslevel wie die Na'Kuhl erreicht. Die „Saint“ war ein kleines Schiff mit einer im Vergleich zu modernen Schiffen, kleinen Crew. Mit ihrem Tod würde die Besatzung das Universum retten. Diese Argumentation fand Gebbit unerhört. Er wusste genau, dass die gesamte Crew dieses mörderische Wesen unterstützte. Wahrscheinlich wurde ihnen ein Platz in diesem „neuen Universum“ versprochen. Jedem ein eigenes Sonnensystem zum regieren. Diese Menschen waren keine ausgebildeten Flottenanhänger, sondern antriebslose Zivilisten. Ihnen würde Lan keine Träne nachweinen. Kamen Zweifel auf, dann dachte Gebbit einfach an die Millionen, die auf Drahl den Tod fanden. Die Leute, die ihn eingeladen hatten. Mit denen er sich unterhalten hatte. Er dachte an ihr Lachen und ihre Neugier. An Senioren, Kinder und Frauen. Paihet würde dafür bezahlen. Schon bald.
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Sie will es sich nicht zugestehen, doch auf wundersame Weise schwingt ihr Herz wieder im richtigen Takt. Jedes Mal, wenn sie versucht die Wut wieder an sich zu reißen, zerfließt sie zwischen ihren dünnen Fingern. Stellt dies nicht das dar, was sie sich erhofft hatte? Was ihr fehlte? Diese Ruhe, die sie immer geschenkt bekam, wenn sie Ducan berührte. Sie trennten sich im Streit, ja. Doch Erido kann nicht ändern, was sie fühlt: Stille. Nichts kommt im Moment gegen dieses Gefühl an. Sie nicht und der ganze Rest erst recht nicht. Nur die Zeit würde alte Wunde aufbrechen. Nicht so bei den Menschen. Der Schmerz vergeht bei ihnen mit der Zeit. Fast jeder. Und obwohl Eridos Menschlichkeit in diesem Moment greifbar nahe gerückt ist und sie endlich zu funktionieren scheint, gibt es etwas, dass leise an ihre Tür klopft. Sie dreht sich um und erblickt es oder besser gesagt, sie erblickt ihn. Ihre erste Reaktion ist Abscheu: „Was willst du, Artus?“ Der hagere Mann mit dem leichten Bartansatz und der üblichen Zigarette im Mund antwortet nicht. Seine Anwesenheit reicht aus, um ihr die Vollendung zu verwehren. Er sieht ihr direkt in die Augen, obwohl sie mehrere Meter voneinander entfernt stehen und sagt; - „Ich dachte, es sei an der Zeit.“ - „An der Zeit mich zu belästigen?“ Sie kann den Hohn aus ihrer Stimme nicht verdrängen. Doch andererseits kommt es ihr auch nicht ungelegen, dass der einzige weitere Überlebende ihrer Spezies diesen Moment mit ihr teilt. Sie haben sich lange nicht gesehen. Ihr fehlen nur leider die Worte. Außer Beleidigungen fällt ihr nichts ein. Deshalb lässt sie ihn das Gespräch kontrollieren: - „Ich habe ein neues Spielzeug. Schon gesehen?“ - „Dein Vieh ist lächerlich. Wem soll der Angst machen?“ - „Ich meine das Tier. Ich meine den Ashmodai.“ Es dauert nicht lange bis Erido klar wird, dass es soweit ist. Als das Universum noch leer war und Tausende existierten, die ihr glichen und es sonst nichts gab, da gab es nur eine Geschichte, die man sich erzählen konnte. Wenn man alles besitzt und alles kennt, dann gibt es nur eine interessante Geschichte: Die, in der alles endet. In dieser Erzählung wird geschildert, wie der letzte ihrer Art das Sein verlässt, um auf einer anderen Ebene wieder unendlich neue Entitäten zu erschaffen, die glücklich, ohne den Einfluss von begrenzten Lebensformen wie in dieser Galaxie, existieren dürfen. Und obwohl die Geschichte so lange und so komplex ist, dass sie in der menschlichen Sprache über ein Jahr brauchen würde, um ausgesprochen zu werden, wenn man Tag und Nacht zubringen würde ohne zu schlafen, so wird in nur einem Wort eine menschliche Kreatur beschrieben: Der Ashmodai. Er ist nicht wichtig und wird auch nicht beschrieben, sondern stellt nur einen Bezug dar, damit ihr Volk weiß, wann der Zeitpunkt in der Unendlichkeit der Ewigkeit gekommen ist. Doch Artus kann man nicht trauen: „Bist du dir sicher?“ Ein bemitleidender Blick ist alles, was Erido aus ihrem Gegenüber heraus holen kann. Ein Mensch gibt sich mit Artus ab und besitzt den Namen „Ashmodai“. Das kann kein Zufall sein. Unsicher fragt sie: „Und was hast du jetzt vor?“ Ein Lächeln umspielt Artus Lippen: - „Dasselbe wie immer.“ Er bleibt unverbesserlich. Doch jetzt, wo Artur von Ashmodai angefangen hat, spürt sie diesen Jungen. Er mag äußerlich erwachsen sein, doch seine Entwicklung steht still und das seit Jahrzehnten. Artus bestaunt Eridos Äußeres während sie keinerlei Notiz mehr von ihm nimmt. Sie konzentriert ihr Selbst auf diese starke Energiequelle. Ashmodai steht knapp vor dem Ausbruch. Er scheint unkontrollierbar. Gut, dass er Artus Verantwortung ist und nicht ihre. Gleichzeitig mit diesem Gedanken erfasst Erido eine weitere Energieform in unmittelbarer Nähe zu Ashmodai. Sie ist schwach, doch sehr bekannt. Es ist Ducan. Soll sie ihn warnen? Soll sie Artus bitten, Ashmodai zu befehlen zurück zu kommen? Nein, es ist soweit. Die Sage wird Wahrheit. Und auch wenn Artus ein schlechtes Wesen in einer unvollkommenen Welt bleibt, wird Erido ihren Weg gehen und ihr Schicksal erfüllen: „Es tut mir leid.“ Mit diesen Worten verlässt Erido den überraschten Artus. Zeit Ashmodai kennen zu lernen.
Kapitel 11: Krieg der Diener
Immer noch keine Antwort von dem Skorr Erkundungstrupp. In C.P. brodeln langsam Befürchtungen empor, dass sein Gespür oder sein taktisches Urteilsvermögen nicht ausreichend war, um Schaden von Keogk und Fureigh fern zu halten. Der Abend war sehr aufwühlend gewesen. Vor allem wegen der nervenaufreibenden Landung von Leslie und Rifa. Christian hatte sich vorgenommen den beiden Vogelwesen mindestens noch Zeit bis zum Abend des nächsten Tages Zeit zu geben. Doch als er mitten in der Nacht schweißgebadet von einem Alptraum erwacht war, in dem das gesamte Außenteam auf schreckliche Weise umkam, fühlt sich C.P. nicht mehr so zuversichtlich wie zuvor. Er kann nicht mehr einschlafen. Stattdessen holt er sich eine Flasche Wasser aus dem Materietransformator. Soll er jetzt, mitten in der Nacht, einen Suchtrupp zusammen stellen? Nein, das würde wenig Sinn machen. Die Leute sind müde, ausgebrannt. Das Beste wird sein, dass Pfleger sich auf eine Möglichkeit konzentriert von diesem Planeten zu entkommen. Gerade als er über eine Verstärkung des Notrufssignals nachdenkt, fängt eines der Geräte an, einen gleichmäßigen Signalton von sich zu geben. Jemand versucht allen Anschein nach Kontakt herzustellen. Mit einem Mal ist Pfleger hellwach. In diesem Moment ist ihm egal, wen er aufwecken könnte.
***
Endlich hörte die Leitung über Ducans Kopf auf, ihm Gas in die Haare zu blasen. Die oberflächlichen Reparaturen kommen gut voran. Außerdem hat sich ein weiteres Problem in Wohlgefallen aufgelöst, da sich die Energiesignatur nicht um die Jubin kümmert, sondern direkt auf die Oberfläche von Drahl zusteuert. Glücklicherweise sogar nicht mal in die Nähe eines der Außenteams, sondern viel weiter in den Norden. Aus den Aufzeichnungen geht nicht hervor, um was es sich genau handelt, aber Ducan weiß einfach, dass es Erido gewesen sein musst, die sich hin und her gerissen fühlt zwischen ihren Gefühlen. Zu glauben, sie wäre einfach von seinem Schiff verschwunden, wäre sehr naiv gewesen. Der Captain kann es nicht abwarten bis er endlich etwas von den Überlebenden zu hören bekommt und da er im Moment nichts Besseres zu tun hat, kann er Rufus auch etwas bei der Kommunikationsbarke helfen. Technisch gesehen laufen bereits alle erforderlichen Geräte wieder. Es scheint sich eher um letzte Programmierungsfehler zu handeln. Ducan weiß ja, dass Rufus lieber mit Hardware statt mit Software arbeitet, also sieht er sich die Schaltkreise genauer an, um Rufus Status besser einschätzen zu können. Grosz gönnt sich eine Auszeit in ihrem demolierten Quartier. Sie musste sich erholen und etwas Schlaf tanken, bevor ihre momentane Situation erneut eskaliert. Die beiden Vulkanier hinter Ducan brauchen glücklicherweise viel weniger Schlaf. Nur kurz meldet sich in Ducans Geist der Gedanke, dass auch er müde ist und Ruhe benötigt. Doch da mischt sich auch schon Volat ein: "Sir, eine zweite ähnliche Energiesignatur ist zu uns unterwegs. Gleiche Art. Gleiches Tempo." Tempes braucht nicht zu antworten. Er fährt sich kurz mit den Händen über das Gesicht, während er hofft, dass auch diese potentielle Gefahr an ihnen vorüber ziehen wird. Kurz darauf meldet sich Rufus vom Maschinenraum aus: "Kommunikation zum Planeten ist wieder möglich. Ich hab CP in der Leitung." - "Das sind doch mal gute Neuigkeiten, Rufus. Geben sie ihn mir." Bestätigt Ducan. Noch bevor er eine Antwort erhält öffnet sich der Turbolift und entlässt eine große, kantige Figur. Es ist Tout, der sich wortlos in der Brücke umsieht. Aus dem Interkomm ist zu hören: "Captain? Captain? Hier Pfleger. Was ist bei euch da oben los?" - "Pfleger! Na sie machen ja Sachen." Ducan fasst sich schnell wieder von dem Schock, den die Freude über das Wiedersehen mit dem Riesen Tout in ihm auslöst. Seine Fragen an die Überlebenden auf Drahl sind jetzt wichtiger. Tconar hingegen begrüßt den Brikar auf eine für Vulkanier sehr impulsiven Art, indem er nicht bei seiner Station stehen bleibt, sondern zu Tout hinüber geht und ein Gespräch beginnt, dass Tempes allerdings nicht verfolgen kann: - "Das gleiche wollte ich sie fragen. Ist bei ihnen da unten alles in Ordnung?" - "Ducan? Sind sie das? Wir haben hier unten ein Camp errichtet. Wir vermissen zwei Drittel der Crew und haben viele Verwundete. Die Skorr sind als Scouts unterwegs." - "Wir beamen sie so schnell wie möglich hoch." Volat mischt sich laut in Tconars und Ducans Gespräch ein: "Die Energiequelle dringt soeben in die obere Atmosphäre ein. Auch diesmal werden wir ignoriert." - "Energiequelle?" fragt Pfleger mit leichter Angst in der Stimme. Ducan kann ihn beruhigen: - "Nichts Wildes. Sie zielt auf die nördliche Hemisphäre." Volat unterbricht erneut: -"Sir, noch eine Energiequelle auf dem Schirm." Langsam bekommt es Tempes auch mit der Angst zu tun. Irgend etwas bahnt sich an und Tempes hasst es nicht im Bilde zu sein, was. Endlich nimmt er sich die Zeit Touts Blick mit einem freundlichen Nicken zu erwiedern. Seine Geschichte wird er sich später anhören. Die Kälte der Arktisregion hat ihm hoffentlich nicht allzu sehr mitgenommen. "Volat. Finden sie die exakten Zielkoordinaten der Energiesignaturen und senden sie sie auch an Pfleger." Befielt Ducan. CP meldet sich daraufhin erneut: - "Können sie Skorrlebenszeichen erfassen? Das Team ist überfällig." Ein Blick zu Volat reicht, um dessen Bericht vorherzuahnen: - "Nichts auf den Scannern. Aber die Ulysses meldet sich zurück. Sie wird in wenigen Minuten wieder manövrierfähig sein." - "Haben sie verstanden, CP?" Fragt Ducan. Doch Pfleger benötigt viel mehr Informationen: - " Heißt das Schiff Ulysses, welches uns angegriffen hat?" - "Ja, es ist ein Föderationsschiff. Wir konnten es ausschalten, doch nur kurz. In einer Minute wird uns die dritte Energiesignatur ereichen. Ich melde mich später noch mal. Ich möchte ihnen nur noch mitteilen, dass es weitere Camps von Überlebenden auf dem Planeten gibt und wir Tout und Simmons an Bord haben. Tempes out." - "Verstanden." Kaum schließt Ducan den Kanal, meldet ihm Volat, dass die Energiesignatur diesmal nicht auf den Planeten, sondern auf die Jubin zusteuert. Ein Ausweichmanöver ist in ihrem derzeitigen Zustand sinnlos. Der Captain hält sogar einen Warptransit für zwecklos, um Wesen wie Eridozu entkommen. Gibt es wirklich noch so viele von ihnen? Ducans Meinung nach stellt Erido die Letzte ihres Volkes dar. Als der romulanische Hybrid die Brückencrew vor dem Aufschlag warnt, entsteht bereits zwischen Ducan und dem Hauptbildschirm eine runde, schwebende Form, die immer heller zu glühen scheint. Sie "schält" sich geradezu aus dem puren Nichts und bezaubert durch ihren weißen Glanz. Irgendwann wird das Licht so hell, dass Tempes die Augen schließen muss. Noch bevor Tout auf das Licht zustürmen kann, hat es sich bereits um Ducan gelegt. Der Brikar kann nur noch zusehen, wie das Licht erlischt und mit einem Mal alles wieder normal beleuchtet ist. Doch mit dem Licht ist auch der Captain verschwunden.
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So viele Leben vergeudet. Die Geschichte von Drahl und seinen Menschen stellt ein Drama dar, dass sich Fureigh zuvor nicht in seinen schlimmsten Träumen hätte vorstellen können. Sie sind alle tot. Vernichtet von Maschinen, wie der, die direkt hinter ihm schwebt. Nein, nicht genau wie diese. Nod ist noch schlimmer. Den er war verantwortlich für die Herstellung all der Mördermaschinen, die die Bevölkerung ausradiert haben.Und dieses Gerät spricht davon, als würde es dies schon sein ganzes Leben lang machen. Wahrscheinlich entspricht genau das der Wahrheit. Der Skorr hat das Gespräch unterbrochen. Er fragt sich langsam, ob ihm die informationslosen Fehlermeldungen von vorher nicht lieber gewesen waren, als er noch nichts durch das Gespräch herausgefunden hatte. Fureigh hatte anfangs vorsichtig versucht, nicht zu viel von sich preiszugeben, doch Nod kennt dieses Problem nicht. Es scheint geradezu, dass er sich von Fureigh Absolution erhofft. Doch eine Maschine spürt keine Scham oder Reue. Jetzt steht Fureigh vor der Kammer, in der Keogk in gefrorenem Zustand festgehalten wird. Er sieht so friedlich aus. "Hol ihn da raus." Fureigh unterdrückt die Furcht und die Wut in der Stimme. Er spricht keine Bitte aus, aber er wird auch nicht flehen. ImUmgang mit Nod ist es wichtig, wie Nod zu denken. Emotionslos. Nachdem der Kontakt hergestellt ist, hat Nod keineVerwendung mehr für den zweiten Skorr. Nod ist nicht böse. Er will keine Geiseln oder Druck ausüben. Er ist wie ein Kind, das einen schrecklichen Fehler begangen hat. Doch wer kann sicher sein, dass dies nicht noch einmal passiert. Fureigh weiß, dass er Nod vernichtet muss, auch wenn dieser, für Fureighs Begriffe, unschuldig ist. Doch er ist ja nur eine Maschine. Ohne Widerworte öffnet Nod den Kokon. Keogk wird noch einige Minuten brauchen, um sein Bewusstsein zurück zu erlangen und sich bewegen zu können. Zeit genug um das Gespräch weiter zu führen: "Wie konnte das passieren." Fureigh dreht sich um, will seinem Gegenüber in die Augen sehen. Doch nichts deutet darauf hin, was in Nod vorgeht. Die Augen sind das Tor zur Seele. Nod hat weder das eine, noch das andere. - "Es war mein Auftrag." - "Dein Auftrag war es sie zu töten?" - "Nein. Ich sollte God erschaffen. Die God Einheiten töten." - "Und warum?" - "Weil es ihr Auftrag war." Das kann doch nicht die Wahrheit sein. Wer programmiert eine Maschine, um sich selbst zu töten? Von so etwas wie Massensuizid hat Fureigh noch nie etwas gehört. Er fragt genauer: - "Hattet ihr einen Krieg? Zwei zerstrittene Parteien? Gab es Kämpfe God gegem God?" - "Nein." - "Zeig mir den Befehl!" Fureigh hatte geschrien. Fast sofort hat er sich wieder unter Kontrolle und glättet die Federn, die sich von deinem Kopf gelöst hatten. Man hört das Rattern von Nod durch die Leere hallen, wie er ein Dokument ausdruckt. Anscheinend geht Nod mittlerweile auf jeden von Fureighs Befehlen ein. Hat dies mit Fureighs Waffen zu tun? Oder musste Nod nur vorher feststellen, ob man den Eindringlingen vertrauen konnte? Oder war es ihm einfach gleich? Fureighs Fassung besteht nur noch aus einer dünnen Haut und vielleicht wird der Text sie erneut zerfetzen. Langsam und mit Bedacht liest Fureigh die Zeile: "Config Sys Code N: Bau 1; Code G: Zerlegung 3." Das ist alles. Das hilft ihm nicht weiter. - "Nod, ich brauche ein historisches Dokument zu diesem Befehl. Gib mir etwas zu lesen." Erneut verbreitet sich das Echo der Druckmaschine durch die Räume. Diesmal dauert der Vorgang länger. Nach einer Pause geht Fureigh davon aus, dass Nod fertig ist und reißt ihm den Ausdruck aus dem Ausgabefach. "Volksrat unter dem Vorsitz des dritten Bauleiters Zaf an die Bevölkerung. Fünfter Slid 2965. Wir sind das Volk. Wir sind das Recht. Der Bürgerkrieg ist abgewendet. Mit Stolz sehen wir gemeinsam in eine Zukunft, die strahlt vor Erneuerung und Leistung. Nur unseren Nachbarn und Freunden im interplanetaren Austausch haben wir es zu verdanken, dass wir nicht weiter vor dem Abgrund unserer Zivilisation stehen, sondern vor ihrem Aufblühen. Wir wussten es schon immer: Technik ist der Schlüssel. Technik macht aus einem Nichtnutz einen Könner. Technik macht aus einem Problem eine Lösung. Technik macht aus Personen ein Volk. Wir haben die Technik. Wir sind die Technik! Von heute an werden wir das Wort Krieg aus unserem Wortschatz streichen können. Von heute an wird es nie mehr etwas anderes geben als das eine Volk. Das technische Volk. Bereits am Ende dieser Woche werden unsere Ordnungsdiener unser Leben für immer verändert haben. Lasst uns nicht von Opfern sprechen, sondern von Helden. Ihr seid die Helden unserer Generation. Seid standhaft im Glauben. Glaubt nicht an uns, aber glaubt der Technik. Und wir werden schon bald unseren Platz im Universum eingenommen haben." Opfer? Hatte Fureigh richtig gelesen? Sie hatten mit Opfern gerechnet? Wie soll man das verstehen? Der Skorr muss eine weitere Herangehensweise finden: "Nod, was bedeutet <Zerlegung 3>?" - "Problembeseitigung." - "Und was sind 1 und 2?" - "Entsorgung und Reperatur." Einfachste Programmierungen. Code N und Code G steht wahrscheinlich für Befehle an Nod und an G. - "Welches Problem durfte God beseitigen?" - "Die Bevölkerung." - "Aber das macht keinen Sinn!" Langsam fasst sich das Vogelwesen wieder: - "Der Bürgerkrieg war vorbei. Es gab ihn nichtmal. Es gab auch keinen Krieg." - "Wegen uns." Antwortet Nod. Der Kern entzieht sich immer noch Fureighs Verständnis: - "Was führte zu dieser Nachricht des Präsidenten?" - "Es gab nie einen Präsidenten. Es gab nur den Rat." - "Ja, schon gut. Aber was brachte den Rat dazu einen derartigen Befehl zu geben?" - "Lan Gebbit." - "Was?" - "Lan Gebbit." - "Was soll das sein?" - "Ein Botschafter der Vereinigten Föderation der Planeten." Fureigh kann es nicht glauben. Seine Föderation soll Auslöser gewesen sein? - "Du lügst doch!" Nod zeigt keine Reaktion. Bereits als die Worte Fureighs Schnabel verließen, ist ihm klar gewesen, dass dies nicht den Tatsachen entsprach. Nod kann nicht lügen. - "Wenn der Rat jeden Anderen umbringen ließ, wo ist dann der Rat?" - "Das weiß ich nicht." - "Was hat dieser Botschafter der Föderation gesagt, um Völkermord zu rechtfertigen?" - "Das weiß ich nicht." - "Hör doch auf! Sind wir jetzt wieder bei dem <Zugriff verweigert> Spielchen?" Fureigh tut der Maschine unrecht. Sie weiß es wahrscheinlich wirklich nicht. Ein kaum wahrnehmbares Stöhnen lässt Fureighs Aufmerksamkeit wieder zu Keogk wandern. Während des Gesprächs hatte sich die schwere Glasplatte, die Keogks Körper bedeckte, in die Wand zurückgezogen. Fureigh nennt Keogks Namen mehrmals, bis dieser endlich einen Arm hervorsteckt. Kleine Eiskristalle schwirren durch die Luft, doch es wird nicht mehr lange dauernd bis Keogk wieder munter ist. Und dann wird ihm Fureigh einiges zu erzählen haben.
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Er hatte Artus ausgetrickst. Sich davon gestohlen, ohne dass sein Meister irgendetwas davon mitbekommen hatte. Über Artus Allmacht kann Ashmodai nur lachen. Mit einem Ruck landet der Jugendliche auf dem sandigen Boden der schneebedeckten Oberfläche von Drahl 5. Die morgendliche Kühle lässt Ashmodai innehalten. Er spürt, dass jemand seine Anwesenheit bemerkt hat. Nicht sein Meister, sondern genau die Entität, mit der Ashmodai gerechnet hat. Eine Frau, die die selben Fähigkeiten besitzt wie Artus. Nein, weniger als Artus. Und somit weniger als er, der er sogar gegen Artus aufzubegehren wagt. Doch Erido wird ihm gute Dienste leisten. Er wird sich seinen Rang an Artus Seite verdienen, indem er Artus größte Angst tilgt. Artus Schwachpunkt. Artus Fehler. Nur ein Gleichberechtigter kann dies vollbringen. Lange muss Ashmodai nicht warten bis er hoch oben im Himmel eine Figur ausmachen kann. Dann ist es auch schon soweit. Erido hat zu ihm gefunden. Sie stehen sich ungefähr vier Meter entfernt gegenüber. Bevor er beginnt zu sprechen, lässt sich Ashmodai von Erido eingehend mustern: "Und? Gefällt dir, was du siehst?" Keine Spur in Eridos Gesicht zeigt, dass sie amüsiert ist: - "Du bist Ashmodai?" - "Der einzig Wahre. Schön, bekannt zu sein." Erneut kein Zucken in Eridos Mundwinkeln. Wer so spricht, hat nur etwas zu kaschieren: - "Was willst du auf Drahl? Was hat dir Artus gesagt?" - "Oh, ich höre nicht mehr auf Artus. Ich gehe wohin ich will." - "Dann bist du nicht der Ashmodai." Erido macht sich bereit, um wieder ins All zurückzukehren. Ihre Zeit ist zu kostbar, um sie mit dieser traurigen Kreatur zu verschwenden. Artus ist ein Narr. Doch Ashmodai hat andere Pläne: - "Ich habe dir nicht erlaubt zu gehen." Echte Verblüffung lässt sich in Eridos Augen erkennen: - "Was meinst du?" - "Wir beide haben noch etwas zu erledigen." - "Du bist ja lächerlich." Ohne ein weiteres Wort schießt Erido in die Luft. Doch sie kommt nicht weit. Nach nur zehn Metern wird sie Ashmodai abgefangen und mit Wucht zurück auf den gefrorenen Boden von Drahl 5 geschleudert. Zwar erholt sie sich schnell von dem Aufprall, der das Eis unter ihr in tausend Stücke zerbrochen hat, doch jetzt ist sie wütend. Mit roten Augen steht sie auf und befielt den Schnee um sie herum sich aufzulösen, bis die Gegend einer Wüste gleicht und man bis zum Horizont nichts Weißes mehr erkennen kann. Dieser kleine Emporkömmling hat es gewagt Hand an sie zu legen. Dieser Fehler wird ihn sein Leben kosten. Artus hin oder her.
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Tout und Tconar verbindet eine Freundschaft, die sich mit keiner anderen vergleichen lässt. Ihre Gelassenheit und ihre Ehrlichkeit stellt das Spiegelbild des jeweils Anderen dar. Es gibt nichts Schöneres, als sich in jeder Situation so gut zu verstehen, dass Worte unnötig sind. Am liebsten würde Tout den Romulaner/Vulkanier Volat von seiner Konsole schubsen, um an der Seite von Tconar die Waffenkonsole zu kontrollieren. Doch jetzt, wo der Captain verschwunden ist, ertappt sich Tout bei dem Gedanken, sich einfach in den Captainsstuhl zu setzen. Doch das wäre unpassend. Außerdem würde er ihn womöglich durch sein Gewicht beschädigen. Also bleibt er am Turbolift stehen, nachdem Tconar wieder an seine Konsole zurückgekehrt ist, um Tempes mit den Sensoren zu suchen. Auch Volat ist beschäftigt mit der Suche. So beschäftigt, dass Tout der Erste ist, der feststellt: "Erwarten wir Besuch?" Die beiden Vulkanier blicken gleichzeitig auf und erkennen sofort, was Tout meint. Eine Flotte aus unzähligen Schiffen strömt auf die Jubin zu. An der Spitze erkennt man deutlich die Ulysses. Durch nur dieses Schiff gehört zur Föderation die anderen Schiffe gehören zur: "Na'Kuhl Flotte. Das ist die Na'Kuhl Flotte!" stellt Volat fest. Tout hat noch nie etwas von dieser Spezies gehört: - "Nakuhl?" Während dessen hat Tconar wichtigere Fragen auf den Lippen: "Wieviele Schiffe?" - "Ich kann sie nicht scannen, doch von der Masseverdrängung her kommen ständig weitere Schiffe in den Sensorbereich. Die größte Flotte, die ich je gesehen habe."
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Langsam atmend versucht Ducan die Orientierung wieder zu finden. Er kann nichts sehen. War er in Ohnmacht gefallen? Er kann nichts hören und außer einem glatten, gewundenen Untergrund befindet sich auch nichts in der Nähe, dass er berühren könnte. Seine Kehle ist wie zugeschnürt. "Herr Tempes." Ducan kennt die Stimme nicht. Es ist wohl das erste Mal, dass der Captain mit <Herr> angesprochen wird. "Ist ihnen bekannt, auf welches gefährliche Spiel sie sich eingelassen haben? Sie und Erido." Ducan kann nicht antworten. Doch bei Eridos Namen versucht er auf die Stimme zuzugehen. Erfolglos. "Captain? Wollen sie mir etwas mitteilen?" Von einem Moment auf den anderen gelingt es Tempes wieder eine Frage zu stellen, die ihm auf der Zunge brennt: - "Wer sind sie?" - "Artus." Das war es dann auch schon wieder. Nachdem Ducan einen Lufthauch im Gesicht spürt, kann er seine nächste Frage bereits nicht mehr artikulieren. Doch Artus kann nach wie vor sprechen: "Wie enttäuschend." Artus scheint Raucher zu sein. Der Captain hört, wie Artus an einer Zigarette zieht, bis er fortfährt: "Erido hat mich also nie erwähnt? Nun, von ihnen habe ich hingegen viel gehört, Herr Tempes." Ducan muss von dem Rauch, der ihm unvorbereitet in die Nase steigt, husten. Artus hatte ihm mit Absicht ins Gesicht geblasen. Doch kein Geräusch entgleitet Ducans Mund. "Erido hat sie maßlos überschätzt. Sie sollten ihre Fragen sorgfältiger wählen." Ducan ist erneut an der Reihe und bekommt die Erlaubnis zu reden: - "Mischen sie sich nicht ein. Erido kommt zu mir, um..." - "Das genügt. Sie hier her zu bringen war ein Fehler. Sie sind dem hier unwürdig." Ducan kann seine Wut kaum im Zaun halten. Doch sein Plan geht auf. "Sie schieben die Schuld also zu Erido. Typisch Menschen. Keine Angst, ich werde dafür sorgen, dass sie sie nie wieder als Vorwand benutzen können."
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Christian Pfleger kann endlich gute Nachrichten an seine Gruppe weitergeben. Die Stimmung bessert sich. Rifa Verletzungen wurden geheilt und sogar Yii erholt sich. Nur Baracturum ist in eine typische Heilstarre eingetreten. Doch bald würden sie an Bord von Tempes Schiff diesen furchtbaren Ort verlassen können. Der gestrige Regen hat den Boden aufgeweicht, doch die Teams, erfüllt von neuer Hoffnung, kommen schnell mit dem Zerlegen und Zusammenpacken der Ausrüstung voran. Der Moment wird natürlich getrübt von dem Gedanken, dass die Skorr wahrscheinlich nicht mehr zurückkehren werden. Dieses Volk hasst Unpünktlichkeit und würde sich nur in Notfällen ernsthaft verspäten. Da außerdem alle Scans aus dem Orbit ergebnislos blieben, lässt dies wohl nur einen Schluss zu. Keogk und Fureigh sind Opfer des Drahlgeheimnisses geworden. Wahrscheinlich hatten sie sogar Erkenntnisse erlangt, die alles aufklären könnten. Doch ihre Neugier war ihr Untergang gewesen. Noch spürt CP keine Schuldgefühle, weil er sie aussandte. Er hatte nur an die praktischen Flügel gedacht. Das war der einzige Grund, warum er sie ausgewählt hatte. Nicht, weil sie gute Soldaten waren oder weil sie sich auf fremden Planeten gut zurechtfanden. Sondern nur des Fliegens wegen. Zurück auf der Erde würde er sich Hilfe suchen, bevor er das Ganze verdrängt. Er erinnert sich noch gut an einen Freund an der Akademie, der die Kommandolaufbahn eingeschlagen hatte und nicht damit fertig wurde, den Tod von anderen Lebewesen zu verantworten. Das würde Pfleger nicht passieren. Dafür würde er sorgen. Er sagt sich vorerst immer, dass er diese Verantwortung von Anfang an akzeptiert hatte. Nicht als Techniker, aber in dem Moment, als er ein Raumschiff betreten hatte. Wolken verdecken die Sonne zunehmend. Es wird düster und der Wind zieht stärker an am Boden entlang. Das Wetter auf diesem Planeten ist ein einziges Tohuwabohu. "Chris! Chris!" Tyler nähert sich Pfleger, während dieser einige Kisten stapelt. Nach Tylers Rettungsoperation hat sich Pfleger vorgenommen, ihn mehr zu beachten und ihm auch größere Aufgaben zuübertragen. Doch sein Geschrei lässt ihn bereits wieder unprofessionell wirken. Auch, weil seine Brille mal wieder verrutscht ist: - "Ja, Tyler?" - "Sehen sie nur!" Erst jetzt erkennt Pfleger, dass sich nicht nur Tyler eigenartig verhält. Alle möglichen Leute rufen umher und starren auf die Sonne. Pfleger folgt Tylers ausgestreckten Arm und schnappt sich den Visor erneut, um besser sehen zu können. Es handelt sich nicht um Wolken, die die Sonne verdunkeln, sondern um Raumschiffe. Unzählige, abertausende Raumschiffe. Pfleger kann es nicht erwarten wieder mit Ducan zu reden. Der Außenteamleiter nimmt das Gerät von den Augen und nimmt seine Arbeit wieder auf. Er kann jetzt nichts zu den Anderen sagen, um ihre Nervosität zu lindern. Er kann seine eigene schließlich auch nicht bekämpfen.
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Ein Donnern lässt die blauen Stützbalken vibrieren und die Energieleitungen immer schnellere Lichtkugeln den Gang entlang flitzen. Keogk kann sich nur mit Mühe auf den Beinen halten. Ihm ist kalt und er stützt einen Großteil seinen Gewichts auf Fureigh. Zusammen versuchen sie einen Ausgang zu finden, während ihnen der Roboter still nachfolgt. Ein erneutes Tosen lässt Stücke der Decke hernieder fallen. Fureigh gibt die Hoffnung auf Antworten nicht auf: "Nod! Was geschieht jetzt?" Der Skorr muss schreien, um sein eigenes Wort verstehen zu können. - "Wir werden angegriffen." - "Von wem?" Keogk fällt über einen der Brocken und reißt Fureigh mit sich zu Boden. Nod kann ihnen nicht aufhelfen. Er schwebt nur teilnahmslos über ihnen: - "Unbekannt." Fureigh pustet Staub aus seinen Lungen: - "Wie lange wird das Gebäude stand halten?" - "Die Kraftfeldglocke fällt in sechs Minuten aus." - "Und dann?" Fureigh schafft es, Keogk hinter sich her zu schleifen. Er hat erneut das Bewusstsein verloren. - "Dann wird das Gebäude einfallen." Fureigh hat nicht viel Zeit. Er geht davon aus, dass keiner der Gänge den Einsturz des Gebäudes über ihnen überleben wird. Und somit wird auch keiner von ihnen überleben: - "Wo ist der nächste Ausgang?" Anstatt eine Antwort zu bekommen, rast Nod den Gang entlang. Fureigh hat nur einen kurzen Moment Zeit, um zu entscheiden, ob er Nod folgt oder er bei Keogk bleibt. Er entschließt sich kurzerhand für Ersteres. Schließlich würde keiner überleben, wenn sie keinen Ausgang finden. Glücklicherweise hält Nod bereits um die nächste Ecke vor einer ovalen, weißen Tür, die man auch für ein Ornament hätte halten können. Ein weiterer Einschlag lässt Fureigh befürchten, dass der zurückgelassene Keogk unter Trümmerstücken begraben wird. Nod verstärkt seine Angst: - "Noch drei Minuten." So schnell ihn seine Flügel tragen jagt Fureigh zurück zu seinem Freund. Er ist unversehrt, doch ihn erneut auf die Füße zu bekommen ist keine leichte Aufgabe. Er schlägt mit den Flügeln um Keogk aufheben zu können. Erneut hört man Nod: - "Noch zwei Minuten." Sie würden es nicht schaffen. Die Tür ist zu weit weg und der Gang dahinter müsste mindestens noch 200 Meter weg führen, um sie aus der Gefahrenzone zu holen. Doch Fureigh gibt nicht auf. Er zerrt mit aller Kraft an Keogk. Er nimmt keine Rücksicht mehr darauf, dass sich Keogk durch Fureighs Kraftakt verletzen könnte. - "Noch eine Minute." Fureigh sieht keinen Ausweg. Nods Zeitangaben, während er nur untätig neben Fureigh schwebt, gehen dem Skorr auf den Geist. Er will nicht, dass dies seine letzte Erinnerung ist, bevor er sterben muss: - "Verdammt! Hilf mir lieber!" Nod reagiert indem er ein kleines rechteckiges Fenster auf seiner Hülle öffnet, sich um Keogk positioniert und einen Energiestrahl über Keogks Körper legt. Sofort fällt Fureigh rücklings hin, da Keogk Gewicht umgehend aufgehoben wurde. Sich zu ärgern, dass Nod dies schon längst hätte tun sollen, schluckt Fureigh zugunsten ihres Überlebens runter. Mit Nods Hilfe zieht er Keogk vor die Tür als gerade ein lauter, greller Alarm ertönt, welchen Nod kommentiert: - "Noch Zehn, Neun..." - "Öffne die Tür!" Gesagt, getan. Mit einem Zischen verschwinden die beiden Türhälften in der Wand. Doch hinter ihnen findet Fureigh nicht den erhofftne Gang oder einen Schutzbunker, sondern nur eine leere blaue Abstellkammer. - "Vier, Drei..." Fureigh gibt auf.Gerade als er in sich zusammensacken möchte, bekommt er einen Schubs von hinten, der auch Keogk in die Kammer fallen lässt. Fureighs letzter Gedanke ist dem Umstand gewidmet, dass ihn Nod noch gestoßen hat, bevor auf sie Tonnen von Beton hernieder fallen.
***
Sterben ist keine Option. Sterben stellt keine Alternative dar. Allmacht schützt nicht vor dem Tod. Wut schon. Und Ashmodai ist voller Wut. Er zerfetzt den nächsten Felsen, der auf ihn hernieder zu fallen droht. Wir reden hier nicht von einem Kieselstein. Das Trümmerstück allein würde ein klingonisches Schlachtschiff implodieren lassen. Wir befinden uns im All im Orbit um Drahl 5. Hier oben finden Erido und Ashmodai viel bessere Möglichkeiten sich gegenseitig zu vernichten. Und schon folgt der nächste Aufschlag. Ashmodai trägt nicht einmal einen Kratzer davon. Er durchschneidet Meteor nach Meteor und nähert sich immer mehr seinem Ziel: Erido. Sie war an allem Schuld! Nichts Menschliches an ihr. So sehr sich Ashmodai auch bemüht: Ihren Standpunkt kann niemand nachvollziehen, geschweige den ertragen. Sie tötet aus Spaß! Es kümmert sie nichts. Sie fühlt sich so unangreifbar. Doch er würde ihr das Gegenteil beweisen. Die Weisheit ihrer aller Vorfahren brachte ihr den Tod. Sie hatten ihre Unsterblichkeit willentlich abgelegt. Es gibt kein zurück mehr. Selbst jetzt blickt Erido hochmütig. Diese Geste hatte sich in ihr Gesicht gefressen. Es bleibt ein Teil von ihr bis Ashmodai ihr den Teufel austreibt. Bis er an ihr Innerstes heranreicht. Und wenn dann nichts von ihr übrig blieb, so war dies ihr Schicksal: Zu Verschwinden. Sich aufzulösen in einem hellen Licht, welches Ashmodai schaffen würde. Er würde es schaffen. Er ist sich sicher. Er schreit während ein weiterer Block gefrorenen Materials auf ihn einprügelt. Seine Augen gleißen vor Hass und Entschlossenheit. Erido bildet dazu einen krassen Kontrast, indem sie sich kaum bewegt und ihre Waffen die Arbeit erledigen lässt. Dabei wirkt sie keine Sekunde lang, als ob sie im Zweifel darüber wäre, wer in diesem Moment die Kontrolle hat. Sie verschwendet nicht einmal einen Gedanken daran, wie hart es für den Menschen gewesen sein muss auch nur annähernd Eridos Möglichkeiten, das Erbe ihrer Spezies, zu erlangen. Für Sie ist Ashmodai ein Emporkömmling, kaum mehr als eine Abwechslung. Ashmodai schreit. Sein Körper wird langsam durchsichtig. Als Reaktion darauf hört Erido mit dem Bombardement auf und teleportiert sich wenige Zentimeter vor den Jungen. Noch bevor Ashmodai reagieren kann bekommt er einen Schlag verpasst, der ihn seine Kontrolle verlieren lässt. Er wusste, dass Erido damit kontern kann und hatte darauf trainiert, bei jeglicher Berührung wie eine Stahlplatte für eine Ameise zu wirken: Hart. Unmöglich zu durchdringen. Doch erneut hat er Erido unterschätzt. Sein Kontrollverlust ist fatal. Zurückzufallen in menschliche Maßstäbe, auch nur für Sekunden, lässt ihn die eisige Kälte des Weltalls und den Sauerstoffmangel spüren. Doch sein Willen lässt ein Versagen nicht zu. Sterben ist keine Option. Sterben ist keine Option! Er schreit erneut! Lauter als zuvor! Er wird Sie bezwingen! Erido versucht seine Schwäche auszunutzen und ihm seine interzellulare Kohäsion zu entziehen. Praktisch das, was ein Transporter beim Beamen vollbringt. Doch ohne Musterpuffer werden seine in Energie umgewandelten Körperteile nie wieder zueinander finden. Wenigstens bleibt ihm dabei der Schmerz einer Desintegration erspart. Diese Todesart hätte den gleichen Effekt inklusive immenser Qualen. Doch nun ist es an Ashmodai zu überraschen: Seine Zellen bleiben da, wo sie sind. Erido versagt. Nicht einmal ein Zucken in ihrem Gesicht lässt Ashmodai seinen kurzen Sieg genießen. Er unternimmt eine weitere Attacke, indem er einen mehrere Dutzend Kubikmeter großen Felsen mit bloßen Gedanken schmelzen lässt, um Erido darin einzusperren, während diese den Kurs eines nahen Mondes verändert, um Ashmodai in dessen oberer Atmosphäre verglühen zu lassen. Die Uhr tickt.
Kapitel 12: In vorderster Reihe
So nah. So nah. Sie hatten sich alle versammelt, um Artus Kunstwerk zu betrachten. Sein Meisterwerk. Tempes, Melan und natürlich Erido. Sie sitzen in den vordersten Reihen, wenn sich Puzzlestück an Puzzlestück zusammenfügt und Artus seinem Ziel immer näher kommt. Noch ist es zu früh, aber bald. Bald wird er bewiesen haben, dass sein Plan makellos ist. Lans Fehler hatte Erido hergelockt und Ashmodais Dummheit würde Erido ihre Unmenschlichkeit beweisen. Danach würde sie endlich in seinen Armen liegen. Sie würden nicht mehr argumentieren können. Wie würde nicht mehr argumentieren wollen! Ihr würde endlich klar werden, was für irrwitzige Figuren im Universen umher irren und dass nur er ihr das geben kann, was ihr fehlt. Er ist ihre einzige Hoffnung, nicht Ducan. Wäre er wirklich der Ashmodai, dann hätte er ihr schon längst Erlösung gebracht. Wieso hat Erido das nicht eingesehen? Wieso blieb sie auf einem Menschenraumschiff? Es war so leicht gewesen es hierher zu holen. Es war so leicht gewesen für seine Zerstörung zu sorgen. Es war so leicht den Jungen dazu aufzuhetzen, sich beweisen zu müssen. Aufmerksamkeit um jeden Preis. Stolz um jeden Preis. Der Junge hat nichts erreicht, nichte gelernt bei Artus. Macht hatte er ihm hingeschmissen wie man ein Stück Knochen einem Hund hinwirft. Danke Lan Gebbit, der du immer die Schuld bei anderen suchst. Danke, Aho Melan, der du deine Aufgabe um jeden Preis bestehen musst. Ihr seid eine große Hilfe gewesen. Das Universum ist ein verrückter Ort. Alles so chaotisch und gleichzeitig alles so vorhersehbar. Lenkbar. Mit einem Grinsen streicht Artus durch das Wasser in dem Becken vor ihm. Sonst hat er nichts erschaffen an diesem Ort. Er liebt das Dunkle, das Minimalistische. In den Wellen des Wassers sieht er Erido und Ashmodai kämpfen. Mittlerweile haben sie die Ratskammer betreten. Endlich tragen sie ihren Kampf geistig und nicht körperlich aus. Sogar diesen Ort hat Artus vorhergesehen. Die Ratskammer der Drahlaner zeugt genau von dem Schnickschnack, den Erido so mag: Statuen, Gold, Marmur. Eine hohe Decke und endlose Fresken. Unperfekte Dinge von unwichtigen Lebensformen erschaffen. Und auch Ashmodai zieht dieser Ort an. Es macht für ihn den Moment noch erhabener und wichtiger. Für Artus gibt es nur noch eine Priorität: Erido. Zeit Ashmodai eine Lektion zu erteilen. Mit einem Tropfen, den Artus in das Becken fallen lässt, verschwindet nicht nur das Bild vom Kampfgeschehen, sondern auch alle Kräfte, mit denen Artus den Jungen Ashmodai ausgestattet hat.
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"Sie bombardieren weiter den Planeten." Tout hört sich Tconars Bericht weiter an. Grosz würde in wenigen Minuten auftauchen, nachdem sie von Tconar erfahren hat, dass Ducan verschwunden ist und sich ihre Gegener stark multipliziert haben. Tout hat vorerst das Kommando übernommen, da er von den Anwesenden am meisten Kampferfahrung aufweisen kann.Volat ist einfach viel besser im Befehle ausführen als Befehle geben. "Was zur Hölle geht hier vor?" Jennie hat die Brücke betreten. Man merkt ihr an, dass sie sich nicht extra Zeit genommen hat, um sich herzurichten. Ihre langen, schwarzen Harre fallen in die verschiedensten Richtungen. Tout macht ihr Platz, damit sie den Hauptsitz erreichen kann und lässt Tconar seinen Bericht wiederholen. Sie haben sich auf die andere Seite des Planeten zurückgezogen und so viele Saint Überlebende wie möglich von der Oberfläche geholt. Nur die zweite Hälfte von Pflegers Team fehlt noch. Die systematische Bombardierung wird den Standort der letzten Überlebenden in wenigen Minuten erreichen. Sollte die Jubin Crew versuchen, einen Transport durchzuführen, könnte das Schiff unter Feuer genommen werden. Jennie Grosz zögert nicht und übernimmt die Steuerkonsole. Ihre Verteidigung und Waffen sind zerstört, doch der Transporter funktioniert dank Rufus. Und das ist ales, was Grosz im Moment wissen muss. Sie meldet dem Transporterraum, dass sie sich auf den Transport der letzten Personen von Drahl vorbereiten sollen. Sie schaltet die Schilde aus. Diesmal würde Jennie ernsthaft beweisen müssen, dass sie es schaffen konnte, jedem Schuss auszuweichen. Auch wenn sie von allen Richtungen kommen. Je weiter sich die Jubin aus dem Schutz des Planeten hervorwagt, desto mehr grüne Strahlen schlagen ihr entgegen. Dies ist ihr Schiff. Sie kennt jede Niete. Diese Mission hatte ihm genug angetan. Die Na'Kuhl würden nicht einmal die Chance erhalten, Lack von der Hülle zu kratzen.
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Es hört einfach nicht auf. Schreie und ohrenbetäubender Lärm von allen Seiten. Das ist der Tod? Das ist das große Geheimnis? Wenn man stirbt, erlebt man also den letzten Moment seines Lebens immer und immer wieder? Wie grausam. Fureigh kann dies nicht akzeptieren. Wo ist der blaue Himmel? Wo waren all die schönen Dinge, die er sich verdient hatte? Seine Familie sollte hier sein. Es sollte hell sein und die Luft so klar wie noch nie in seinem Leben. Doch zumindest ist Keogk bei ihm. Die beiden Skorr liegen auf dem Rücken, die Flügel abgeknickt und zerfleddert. Sand rieselt ihnen ins Gesicht. Erneut spürt Fureigh wie die Luft ionisiert wird vor energie. Ein weiterer Schrei folgt. Dies ist nicht der Tod. Dafür ist ales zu schrecklich. Und Skorr glauben nicht an die Hölle. Mit Mühe erhebt sich der riesige Vogel und folgt dem Krach eine Ziegeland entlang bis zu ihrem Ende. Sie befinden sich immer noch unter der Erde, doch die modernen blauen Schimmer sind verschwunden. Modergeruch liegt in der Luft. Die Gemäuer sind alt, aber deshalb nicht minder beeindruckend. Viel Arbeit steckt in jeder kleinen Ritze der Wand. Das fühlt Fureigh. Und endlich erhascht der Skorr einen kurzen Blick auf die Verursacherin der Geräusche. Es ist Erido. Sie hat also die Zerstörung der Saint überlebt. Kein Wunder eigentlich. Doch sie ist nicht allein. Ihr gegenüber steht ein junger Mann mit kurzenden dunkelblonden Haaren und einem Hass im verschwitzten Gesicht, wie es Fureigh nie zuvor erlebt hat. Fureigh kann sich nicht vorstellen, welche Zerstörungskräfte hier zum Einsatz kommen. Die beiden Kontrahenten stehen hauptsächlich an verschiedenen Enden der riesigen Halle, mindestens hundert Meter entfernt voneinander. Bis auf die Schreie von Erido und ihrem Gegner deutet nichts auf den Kampf hin, der stattfindet. Man sieht keine Schüsse oder Energiestrahlen. Der Kampf wird für sterbliche Augen unsichtbar ausgetragen. Jetzt hat Erido ihre Position erneut verändert. Sie bewegt sich einen kurzen Moment lang so schnell zu einer Seite, dass ihre Konturen verwischen. Was dies bedeutet, kann Fureigh nur erahnen. Leider muss sich Fureigh von dem Spektakel loslösen, um Keogks Zustand zu überprüfen. Langsam schleppt er sich zurück zu seinem Kamerad. Nachdem er Keogks Puls gespürt hat erkennt eine Art rundes Feld unter Keogk. Wahrscheinlich war Nods Ausgang eine Teleportationskammer oder ähnliches. Fureigh hoffte, dass auch der Roboter die Zerstörung der Produktionshalle überstanden hatte. Schließlich könnte er verschwunden sein, als Keogk und er bewusstlos waren. Keogk kommt langsam wieder zu sich und versucht zu sprechen. Beruhigend redet Fureigh auf ihn ein und bringt ihn in eine stabile Sitzposition. Eine kurze Zusammenfassung später macht sich Fureigh wieder auf, Erido beizustehen. Doch nicht sie ist es, dieHilfe braucht, als Fureigh in die Halle zurückkehrt. Der Junge liegt zu Eridos Füßen, unfähig sich zu verteidigen. Es scheint das Fureigh gerade rechtzeitig kommt, um das Schlimmste zu verhindern.
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Besonders viel Zeit blieb CP nicht, um zu feiern. Nach ihrer Rettung dachte er, dass das Schlimmste, was noch auf ihn zukommt, der Streit zwischen Buck und dem Chefingenieur der Jubin, genannt Rufus, über die Handhabung der Energieleitungen sein würde. Doch die Steuerkünste von Tempes Pilot sind eine derartige Katastrophe, dass Pfleger sich den Anfänger Hesiff auf die Brücke wünscht. Pfleger gibt sich alle Mühe, die Verletzen nicht durch die Gänge purzeln zu lassen. Das Raumschiff ist mittlerweile mit all den Überlebenden der Jubin bis zum Bersten vollgepackt. Eigentlich kann man gar nicht mehr stürzen, da dafür einfach nicht genügend Platz zur Verfügung steht. Erst jetzt lernt CP den Komfort von großen Raumern wie der Saint richtig zu schätzen. Mit Müh und Not schafft es Pfleger sich durch eine der Türen in den Gang zu quetschen, woraufhin er auch schnell Bekanntschaft mit einer der Wände macht, als sich das Schiff erneut aufbäumt. Eigentlich will er nur sehen, wo Paihet und die anderen stecken, um ihnen von den Erlebnissen auf Drahl und den Skorr zu berichten. Er hockt sich kurz auf dem Boden und hält sich den schmerzenden Kopf. Glücklicherweise blutet er nicht. Nebenbei bemerkt Pfleger ein kleines Mädchen, dass völlig aufgelöst neben ihm liegt. Hatte er es bei seinem Unfall zu Boden geworfen?. CP kann nicht anders, als sich zu wundern, was sie auf Tempes Schiff zu suchen hat. Von der Saint kommt sie jedenfalls nicht: "Hey? Alles klar?" Das Mädchen reagiert nicht. Im Gegenteil. Als es merkt, dass jemand mit ihr spricht, versucht es aufzustehen und sich weiter durch die Menge zu kämpfen. "Warte doch mal!" Pfleger hat etwas Mühe, dem weißhaarigen Schopf zwischen den Leuten, die sich hin und her bewegen, zu folgen.Noch dazu, wo alle zusammen heftig durchgeschüttelt werden. Doch zwischen den Köpfen kann er sehen, dass dass Mädchen in den Transporterraum einbiegt, aus dem Pfleger gerade heraus kam. Das Ganze ist so merkwürdig, dass Pfleger ihr zurück in den Raum folgt. Dort angekommen strömen ihm weitere Massen entgegen, die gerade die Transporterflächen verlassen. Es dauert einige Minuten bis er das Kind erneut wiederfindet. Es versucht gerade die Einstellungen zum Beamen zu ändern. Schnell hält Pfleger sie an den Armen fest mit den worten: "Was tust du denn da? Wir müssen noch Leute retten." - "Ich muss nach Drahl! Lassen sie mich los!" - "Nichts da. Wer bist du überhaupt?" - "Ich bin Kaylin. Jetzt lassen sie mich los. Alle Überlebenden wurden an Bord geholt. Ich muss mich beeilen." Pflegerweiß nicht, was er davon halten soll, aber seine Verblüffung reicht aus, um seinen Griff so weit zu lockern, dass ihn der nächste heftige Stoss der Jubin von Kaylin wegschleudert. Das Mädchen, dass sich an der Konsole festgehalten hat, tippt schnell weiter Befehle ein. Als Pfleger sich wieder aufrappelt, kann er nur noch zusehen, wie Kaylin von Bord geht.
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Fureigh: "Hören Sie auf! Das hat doch keinen Sinn!" Erido beachtet ihn nicht. Ihre Augen glühen rot. Ihre Haare bäumen sich auf. Ashmodais Blut säumt jede Ritze der sie umgebenden Steinplatten. Und doch: Er atmet noch. An einen Angriff seinerseits ist nicht mehr zu denken. Er benutzt jede Technik, jedes Fitzelchen Macht, das ihm geblieben ist, um seine Organe am Leben zu erhalten. Und um Erido anzusehen. Wie schön Sie ist. Wir tödlich. Und wie erbarmungswürdig. Fureigh versucht Erido zu erreichen. Ihn kümmert es nicht, was mit ihm passiert. Hier steht mehr auf dem Spiel. Mit einem Gedanken jagt ihm Erido einen Luftstoß entgegen, der ihn in die Richtung zurück wirft, aus der er kommt. Bewusstlos bleibt er am Boden liegen, nachdem er unsanft gegen eine Statue prallt. Eridos Feuer lässt nach. Bestimmt nicht, weil sie sich Sorgen macht, sondern weil es niemanden gibt, der ihrer ganzen Kraft bedarf. Sie hat alle geschlagen. Ihr schwarzes Haar legt sich. Ihre Augen bekommen wieder ihre undurchdringliche Schärfe. Langsam bewegt sie sich auf Ashmodai zu. Dieser liegt schwer atmend mehrere hundert Meter entfernt. Eine Entfernung, die für ihre Waffen so gut wie nicht existent war. Erst jetzt nimmt sich Erido die Zeit zu reflektieren, den Blick dabei auf den übel zugerichteten Ashmodai fixiert. Diese Kammer ist bemerkenswert. Selbst für allmächtige Wesen. Ein Werk wird nicht bei seinem Ergebnis gemessen, sondern anhand des Aufwands mit der es bewerkstelligt wurde. Erido könnte leicht eine dreimal so große und prunkvolle Halle erschaffen. Doch der Stil, die Atmosphäre und das Alter sind hier einzigartig. Erido kennt die Figuren nicht, die hier als Statuen verewigt werden. Jahrzehnte müssen für dieses Volk vergangen sein, um diese Halle zu erbauen. Eine Leistung, der selbst Erido Tribut zollt. Selbst wenn dieser Junge, der ihr nun zu Füßen liegt keinen Moment lang eine Gefahr für Sie darstellte: Er kann glücklich sein, an einem Ort wie diesem seinem Schicksal entgegen getreten zu sein. Sie steckt ihre rechte Hand aus. Ein zweischneidiges, wenig verziertes Messer erhebt sich von einer Ecke, wo ein Leichnam unter etwas Schutt begraben liegt. Es schwebt zu Erido, die die Waffe mit beiden Händen umfasst. Ashmodai wirkt nicht ängstlich oder enttäuscht darüber, dass er sie nicht aufhalten konnte. Er wusste, dass es nur auf zwei Weisen enden kann. Erido kniet nieder, um Ashmodai zu erlösen. Der Dolch hebt sich... Ashmodai fühlt den Wunsch seines Vaters auf ihn einströmen: Stille. Die Zeit ist auf seiner Seite. Mit einem Ruck schneidet das Messer in Fleisch, bis es auf einen Knochen trifft. Erido sieht auf. Es ist nicht Ashmodai, der getroffen wurde, sondern Ducan. Kein Schrei entgleitet ihm. Er sieht nur Erido an. Er wurde am Unterarm getroffen. Ducan demonstriert seine Macht, die weit über Eridos steht, indem er ihr einen überraschten Gesichtsausdruck entlockt: "Tempes? Was tust du hier? Der Captain redet um einiges leiser als Erido: - "Ich dachte, ich müsste dir helfen. Hübsche Gegend." Erido senkt den Blick und schließt die Augen. Langsam zieht sie das Schwert zurück. - "Ich muss ihn töten. Er denkt, er kann mich schlagen. Er denkt, es sei seine Aufgabe." - "Ist sie das nicht?" Erido liebt und hasst diese Konversationen. Mit niemand anderem würde sie so reden: - "Wie konntest du dich annähern, ohne das ich dich fühle?" Man merkt, dass Ducan kurz mit einem Lächeln überlegt, ob er diese Information preisgeben soll. In einer weiteren Konfrontation wäre ihm dieses Wissen nützlich. Doch Tempes hat nicht wirklich das in sich, was an intrigantem und manipulierendem Denken vorhanden sein muss, um derart strategisch zu sein. Er ist lieber ehrlich: - "Du erinnerst dich an Artus?" Erido nickt. - "Er hat Ashmodai mit allem vertraut gemacht, dass der Junge lernen konnte. Mich nur mit einem." Erido versteht. Artus hat Ducan für Erido unempfänglich gemacht. Mit einem Lächeln, dass ansonsten nur Tempes typischerweise zur Schau trägt, steht sie auf. Tempes Verletzung sieht übel aus. Anscheinend ist eine Hauptschlagader getroffen. Mittlerweile ist sein gesamter Arm in dunkelrote Schlieren getaucht. Erido nimmt seine Hand in ihre und geht mit ihm dem gigantischen Ausgangstor entgegen: - "Anscheinend bin ich dann wohl erneut deine Gefangene." - "Darauf kannst du wetten. Und deine Privilegien sind auch fürs erste futsch. Im Klartext: Du hast Hausarre..." Ein Blitz schlägt zwischen ihnen ein und trennt beide voneinander. Tempes kann sich nicht mehr bewegen. Entweder weil seine Rückenwirbel oder sein Gehirn beschädigt wurde. Erido ist entsetzt: - "Ducan!" Die Decke der Halle erhellt sich. Ein gleißendes Licht lässt keinen einzigen Schatten im Raum zurück. Erido muss ihre Augen nicht abschirmen, um zu sehen, was über ihr geschieht: Artus steigt herab. Erido hört Chöre von Hunderten von Stimmen. Arturs Augen glühen vor Hass. ER ist ihr Schicksal! Sie kann das nicht einfach so wegwischen. Und ihr Spielzeug, der Mensch, kann das erst recht nicht. Wie kann man Erido in diesem Moment beschreiben? Verzweifelt? Nein. Hilfesuchend? Nein, auch nicht. Sie wirkt so und ist es doch nicht. Sie spürt nur ihre Einsamkeit und hält sich an ihr fest. Keiner kann ihr ihre Einsamkeit nehmen. Dieses Gefühl, dass ihre Kraft und ihre Schwäche darstellt. Oder gibt es ein Entkommen aus diesem Wahnsinn, der ihr Sein ausfüllt? Erido dreht sich zu Ducan. Dieser ist kaum bei Bewusstsein.
***
Tout hat aufgegeben zu versuchen, stehen zu bleiben. Kein Absorber der Welt würde Jennie Grosz Manöver mitmachen. Auch Tconar, Volat und der Rest der Crew haben nur noch den Wunsch, sich irgendwo festhalten zu können. Hoffentlich würde der Transport vom Planeten keine Probleme mit dem Umherwirbeln der Jubin haben. Der Impulsantrieb glüht mittlerweile schon tiefrot, doch Grosz scheint alles im Griff zu haben. Bisher gleicht es einem Wunder, dass sie bisher keine nennenswerten Treffer einstecken mussten. Obwohl es recht logisch erscheint, dass die Na'Kuhl recht vorsichtig feuern, um sich nicht gegenseitig abzuschießen. Je mehr Gegener, desto geringer die Chance daneben zu schießen. Ein kleines blinkendes Licht sagt Grosz, dass der Transport von der Oberfläche abgeschlossen ist. Ohne zu zögern leitet sie die letzten Energiereste um und aktiviert die Schutzschilde. Jetzt muss sie die Jubin nur noch aus dem Gewimmel von Schiffen hindurch steuern. Umzukehren, um erneut den Planetenschatten als Schutz zu nutzen ist unsinnig, da die Flotte mittlerweile den Planeten umfassend umstellt hat. Nein, sie würden sich durch die gesamte Ansammlung von Schiffen kämpfen müssen. Je weiter sie nach hinten dringen, desto größer werden die Schlachtkreuzer. Gerade im Moment zielen sie auf das Kommandoschiff zu. Mit keinem anderen Schiff würde Jennie den Versuch wagen, gegen dieses Monster anzutreten, egal wie das Ergebnis ausfällt. Nur dieses Schiff gibt ihr das Vertrauen und die Macht, um sich einfach derSituation hingeben zu können.Sie würden es auf jeden Fall schaffen. Sie ist sich ganz sicher. Und obwohl der rechte Antrieb ausfällt und das Schiff ins Trudeln gerät, bleibt Grosz voller Zuversicht. Immer mehr Waffenfeuer trifft die Jubin.Heute wird das Raumschiff einer harten Prüfung unterzogen. Schon bald würden sie die gegnerische Flotte hinter sich lassen und auf Warp gehen können. Die Jubin würde sich ein weiteres Mal behauptet haben. Leider beinhaltet diese Prüfung noch einen weiteren Test. Als die Jubin so knapp wie möglich an der Hülle des Kommandoschiffs entlangschleicht, um die gegnerische Zielerfassung unbrauchbar zu machen, schwankt das Schiff aufgrund der zerstörten Technik gefährlich oft auf die äußere Hülle des Na'Kuhl Kreuzers zu. Selbst Tout tropfen die Schweißperlen von der Stern. Volat liegt zu Füßen seiner Konsole. Tconar versucht ihn zu erreichen ohne seinen eigenen Halt zu verlieren. Nur langsam regen sich in Grosz Zweifel, als ihr wie in Zeitlupe bewusst wird, dass auch die Schaltfläche für den sekundären Antrieb ihre Arbeit einstellt. Das Schiff kippt abrupt zur Seite und schrammt für einen kurzen Moment an der Hülle des Gegners entlang, bis es auf eine Sensorenreihe trifft und diese abreißt. Danach treibt Ducans Schiff allein im Weltall, da es soeben das hintere Ende des Na'Kuhl Schiffes erreicht hat. Auf der Brücke wird es still und Jennie nimmt die Finger von den Kontrollen. Jetzt sind sie wehrlos.
***
"Du gehörst mir." Erido schenkt der Kreatur, die durch die Decke brach keine Beachtung. Das strahlende Sonnenlicht, das durch das Loch in der Kuppel dringt, färbt alles um sie herum in goldene Schattierungen. In Zeitlupe fährt Artus herab, die Arme eng an seinen Körper angelegt. Seine Zigarette fehlt. Artus scheint gleichzeitig furchtbarer und menschlicher als jemals zuvor. Erido sinkt in sich zusammen. Von absoluter Macht zu absoluter Machtlosigkeit ist es nur einen Gedanke weit. Sie kann nicht mehr denken. Ihre Augen sind weit aufgerissen und blicken ins Nichts. Die goldenen Farben des Raums spiegeln sich in ihnen. Artur erreicht den Boden und nähert sich mit langsamen Schritten dem Geschöpf, über das er sich definiert. Sie ist alles, was ihn ausmacht. Schon wenige Schritte später hält Artus an und reicht Erido, die am anderen Ende des Raumes liegt, die Hand entgegen. Wie eine kaputte Marionette wird die weibliche Q in die Luft gehoben, unfähig sich dagegen auch nur im geringsten zu wehren. Meter für Meter schwebt sie Artur entgegen, bis er sie in seinen Armen hält. So nah war er ihr noch nie. Er fühlt ihren Körper, doch das was sich ihm entzieht ist ihre Seele, denn ihre Augen sind leer. Stärker und stärker wechselt Artus Gefühl von Selbstbewusstsein hin zu Frustration. Für einen kurzen Moment ist Artur irritiert. Er hat sein Ziel erreicht. Oder nicht? Sein glückliches Lächeln, der zufriedene Blick und das Gefühl in seinem Herzen verschwinden Stück für Stück. Artus kann es nicht verstehen. Zum ersten Mal in seinem Leben kann er etwas nicht verstehen. Wo bleibt der Kampf? Was fehlt hier? Ist das der Grund für die Selbstauslöschung aller Q? Haben sie begriffen, dass ihnen keine Zukunft bleibt? Und hat Erido das vor ihm begriffen? Artus sieht sie mit völlig neuen Augen. Er weicht vor ihr zurück. Erido fällt unsanft auf den Boden zurück. Ducan! Er ist schuld! Eine Verschwörung! Ein Witz auf seine Kosten! Eridos Aura ist nicht mehr von Artus lesbar. Er kann doch alles und jeden fühlen! Wieso sie nicht! Wenn er versucht, Erido näher zu kommen, sieht er in seinem inneren Auge nur Splitter um Splitter unzählbarer Scherben. Das ist doch Artus Moment! Davon hatte er Ewigkeiten lang geträumt! Jeder seiner Pläne war aufgegangen: Lan, Ulysses, Drahl! Es ist perfekt! Perfekt! Tränen laufen dem Gott über sein Gesicht. Alles, was er noch kontrolliert, sind seine Beine, die ihn gerade noch so halten. Erido gehört ihm. Jetzt und auf ewig. Kein Zweifel. Erst jetzt erkennt Artur das Dilemma, dass Eridos Seele zerfraß: Alles zu haben und nicht zu wissen, was einem fehlt. Artus weiß es jetzt. Er reißt seinen Kopf von einer Seite zur anderen. Die Kontrolle verlierend ist er immer noch unfähig Erido zu folgen. Oder zu sterben. Nichts beugt sich mehr seinem Willen. Nicht einmal die Physik. Er möchte, das alles endet. Jetzt und hier mit ihm. Er wird die Kontrolle nicht verlieren. Er wird ruhig. Er wird die Kontrolle niemals verlieren! Er wird das Universum vernichten, denn wenn er schon gehen muss, dann sorgt er dafür, dass ihm alle folgen müssen, die ihn zerstörten. Sollen ihm alle in die Hölle folgen! Sein Körper spannt sich und seine Augen schließen sich ein letztes Mal. Das Gold weicht den blauen Tönen, die Artus durch die Energie seines Körpers erzeugt. Gesteinsbrocken fangen an am Boden zu vibrieren. Ducan bleiben nur wenige Momente, um Artus aufzuhalten. Doch seine Beine versagen ihm den Dienst. Seine Lippen bringen keine Worte zustande. Ohnmächtig sackt er auf die Felsplatte unter ihm zurück, seine Probleme vergessend. Artus bricht zusammen, schreiend. Seine Knie prallen auf den kalten Boden. In seinem Geist: Schwärze. Keine Hoffnung, keine Zukunft und keine Erido. Die Erde bebt. Was bleibt noch außer dem Nichts? "Artus". Eine flüsternde Stimme brennt unbarmherzig inmitten von Artus Pein. Artus hat nur eine Antwort: - "Lass mich in Ruhe!"
***
Die Energie der Jubin ist erschöpft. Die Lebenserhaltung funktioniert noch, doch keiner weiß für wie lange. Zumindest haben die Na'Kuhl sie nicht zerstört, sondern nur in einen Traktorstrahl genommen. Verständlich, wenn man bedenkt, dass die Jubin nicht das Feuer auf Na'Kuhl Eigentum eröffnet hat und der Zusammenprall nur ein Unfall war. Die Na'Kuhl töten Niemanden, der wehrlos ist. Sie suchen die Herausforderung. Tconars Vorschlag mit den Na'Kuhl Kontakt aufzunehmen ist gescheitert, da die nötige Technik bereits in der Drahl Sonne verglüht ist. Da das Schlimmste wohl ausgestanden ist, lässt sich Tout in einer Ecke nieder und versucht Zeit tot zu schlagen. Ab jetzt gibt es nichts mehr, was sie tun konnten. Sie wissen nicht, wo der Captain ist und auch nicht, was die Ulysses oder die Na'Kuhl von ihnen wollen. Also heißt es Abwarten. Plötzlich öffnet sich der Lift und spuckt Simmons aus. Erneut muss Tout seine Freude unterdrücken, um sie nicht zu deutlich zu zeigen. Manny hingegen nimmt kein Blatt vor den Mund, während er sich mit einer Hand die imaginäre Kopfschmerzen an der rechten Schläfe weg massiert: "Mann, Grosz. Sie fliegen schrecklich." - "Sie werden's überleben. Dank mir." Erst jetzt entdeckt Manny Tout, obwohl man den Riesen kaum übersehen kann. Das letzte Mal, als sie sich sahen, lag die Brücke in feurigen Trümmern: "Tout, sie Titan! Sie leben!" Mit ein paar Schritten ist Simmons bei dem Brikar und strahlt ihn an: "Haben sie etwas von Paihet gehört?" - "Er ist tot." Diese Worte treffen nicht nur Manny schwer. Auch Grosz und der Rest hören zum ersten Mal davon. Wäre Ducan hier müsste sich Tout auf eine Rede über Takt einstellen. Doch Mannys Geheimnis liegt ihm genauso schwer auf dem Herzen. Tout ermöglicht ihm, es genauso schnell und unzensiert wie der Brikar loszuwerden: - "Anna hat es auch nicht geschafft. Wir haben viele Freunde verloren." Das Schweigen wird unterbrochen, als der Nächste die Brücke über den Turbolift betritt. Diesmal ist es Christian Pfleger: "Wer zur Hölle ist Kaylin?" Schreit er in Richtung Grosz.
***
Artus hat sein Gesicht in seinen Händen begraben. Der Saal ist still geworden und dunkel. Der Prunk der Umgebung ist vergessen. Außer Artus liegen nur bewegungslose Körper auf dem Boden verstreut. Nur eine Stimme durchdringt die Dunkelheit: „Du...“ Damit ist Artus gemeint. „Du musst aufhören.“ Es ist Kaylin. Ohne zu überlegen ist sie Ducan gefolgt. Sie wusste nicht, was sie dazu veranlasste nach Drahl zu kommen. Oder sich in die Ratskammer zu beamen. Doch ohne Ducan kann ihr keiner sagen, was richtig ist. Und jetzt bleibt niemand anderes mehr übrig, der Artus aufhalten kann. Ein grausames Lachen entgleitet Artus. Seine grauen Augen richten sich auf das kleine Mädchen. Seine rechte Hand zielt auf sie. Doch nur ein kleiner Rauchschwall verpufft in Kaylins Richtung. Überraschend untersucht Artus seine Hand. Schockiert versucht Artus mit der linken Hand eine Statue aus der Wand zu reißen und auf Kaylin stürzen zu lassen – wieder ein Fehlschlag. Nur etwas Staub schwebt von der Steinfassade herab, als die Statue vibrierte. Seine Fassung zurück gewinnend geht Artus auf seinen Gegner zu. Kaylin weicht nicht zurück, als Artus sich auf ein Bein kniet, um auf ihre Augenhöhe zu kommen: - „Denkst du, du hast eine Chance gegen mich? Du Nichts.“ Das letzte Wort zischt Artus zwischen seinen Zähnen hervor und Speichel trifft Kaylin im Gesicht. Er greift sie am Hals und hebt Kaylin mit einer Hand empor, während er sich wieder aufrichtet: „Ich mag im Moment schwach sein, doch niemals so schwach, dass ich dich nicht töten könnte, wenn ich möchte.“ - „Doch du möchtest nicht.“ Artus schließt seinen Mund nicht. Wie konnte sie noch reden, nachdem er sie so festhielt? Mit einem Ruck lässt er sie los und dreht sich um. Er sucht die nächstgelegene Ecke des Raums und bricht zusammen. Kaylin scheint keinen Schaden genommen zu haben und verfolgt Artus langsam. Schritt für Schritt. Im Hintergrund liegen immer noch Kaylins Freunde verstreut, regungslos wie Leichen. Artus gibt den Kampf nicht auf. Wenn er sie nicht körperlich verletzen konnte, dann würde er sie psychisch quälen. Das Mädchen ist so nah herangekommen, dass Flüstern reicht: - „Du bist seine Tochter, wusstest du das?“ Kaylin reagiert nicht, obwohl sie tatsächlich keine Ahnung hatte. Doch Fragen, wie <Wer ist ER? > und <Wer ist meine Mutter? > sind in diesem Moment unwichtig, auch wenn dies vielleicht die einzige Chance darstellt, eine Antwort zu erhalten. Stattdessen schlägt Kaylin zurück: - „Weißt du, wie du hier raus kommst?“ Arturs Antwort besteht darin, dass er sich langsam eine Zigarette aus einer Tasche zieht, sie in den Mund nimmt und mit einem Finger anzündet: - „Halt die Klappe.“ Die Boshaftigkeit in seiner Stimme ist verschwunden. Doch er will nicht zugeben, dass er bereits zwei Mal versucht hat sich aufzulösen, wie er es normalerweise bevorzugt. Das Mädchen hat sich mittlerweile zu Artus in die Dunkelheit gesetzt und es wird immer kälter. Sie wagt einen weiteren Versuch: - „Schon einmal versucht, damit aufzuhören?“ Artus würdigt sie keines Blickes, aber die Erinnerung an Ashmodai lässt ihn zumindest antworten. Er kann sie hinterher immer noch auslöschen: - „Nein.“ Zu Arturs Überraschung nimmt Kaylin ihm den Glimmstängel aus dem Mund und schmeißt ihn so weit weg, wie sie kann. Doch bevor Artus seiner Wut freien Lauf lassen kann, beugt sich Kaylin über das göttliche Wesen und küsst Artus auf den Mund. Der Moment friert ein. Die Zeit, eines der wenigen Dinge, die sich Artus Kontrolle entziehen, beugt sich einem mickrigen Menschen. Weitere Gedanken kann Artus nicht fassen. Auch seine Gedanken halten an. Keine Kontrolle oder Sicherheiten. Nur zwei Dinge hallen fort und fort: Warum war dies möglich und warum war es schön?
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Wir erreichen nie das, was uns fehlt. Es kümmert uns auch nicht. Würde alles richtig laufen, wären wir noch verzweifelter, als wir es ohnehin schon sind. Das mag manche trösten. Doch nicht mich, der dies durchschaute. Ob ich meine Fehler bereue? Nein, ich habe keine gemacht. Mit Leichtigkeit übergehe ich die anklagenden Gesichern. Mit Belustigung sehe ich, wie man mit dem Finger auf mich zeigt und mir am Schluss alles nachmacht. Es sind nicht die vorbei rasenden Tage, die mich ägern. Es sind die Menschen, die die Tage rasen lassen. Es sind die Menschen, die vergessen. Ich werde nicht zu meinem Jungen zurück kehren. Ich habe ihn fallen lassen. Es war richtig so. Und allen da draußen, die mich für einen schlechten Vater halten, sage ich: Ihr habt recht. Auch Ashmodai wird euch zustimmen. Trotzdem besaß ich nie einen Zweifel an Ashmodais Überleben oder an der Notwendigkeit meines Handelns. Die Zukunft meines Sohnes liegt vor mir wie ein faltenfreies Tuch. Und wenn ich nicht den Drang verspüren würde, Anteil an dem weichen Textil zu nehmen indem ich es berühre, so würde es genauso glatt und unbemerkt bleiben, wie jedes andere Tuch auf jedem anderen Tisch. Auf einigen Tischen liegt ein weißes Tuch. Auf anderen ein schwarzes. Und auf wenigen ein blutiges. Wertvoll sind nur die Tische, an die sich keiner setzen will. Gehen sie auf eine Feier, wo um jeden Tisch gekämpft wird und sie merken sehr schnell, was ich meine. Denn ein Tisch wartet immer auf sie. Doch was rede ich nur wieder für einen Unsinn über Tücher und Tische. Die Menschen kennen eben nur noch noble, saubere Orte und Tage. Der Weltraum ist kein nobler Ort. Vor meinem inneren Auge sehe ich sie alle. Artus, wie er sich in Kaylins Armen auflöst und seinen Ahnen folgt. Erido, wie sie mit dem geschundenen Tempes auf die Jubin zurückkehrt. Nichts verändert sich. Bis auf einen Mann, dessen Geschichte hier begonnen hat. Auf der Suche nach Stille. Ashmodais Geschichte.
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Baracturum erholt sich langsam wieder von den Strapatzen. Sein Arm ist nicht mehr nachgewachsen, aber er hat ja immer noch drei mehr als die meisten Humanoiden. Christian Pfleger wird den Rest seines Lebens mit der Suche nach dem Kind aus dem Gang verbringen. Tout kehrt zu seinem Heimatplaneten zurück. Seine Trauer verbietet ihm je wieder das All zu bereisen. Manny Simmons heiratet ein Jahr nach den beschriebenen Ereignissen und wird zwei Söhne und eine Tochter großziehen. Er schenkt ihr den Namen Anna. Rifa kommt bei einem Anschlag auf ein Gebäude unter dem Schutz der andorianischen Ehrengarde ums Leben. Er vollendete nie sein Todesritual. Aho Melan kehrt unter Jubel in das Na'Kuhl Reich zurück. Die erfolgreiche Eliminierung der größten Bedrohung des bekannten Universums bringt ihm Macht, Ruhm und Wohlstand ein. 12 Jahre später stürzt er die Regierung und übernimmt die Führung des Na'Kuhl Reiches mit dem Ziel die Sicherheit des Universums durch Kontrolle der Zeit sicherzustellen. Lissy Leitner kehrt als eine der wenigen aus der Saint Crew in den aktiven Dienst zurück. Unter Tempes Kommando hilft sie Grosz, Rufus, den beiden Vulkaniern und den beiden Skorr bei der Rettung Notleidender. Tyler ist auf die Akademie der Erde zurück gekehrt und hat bereits zwei Raumschiffkommandos ausgeschlagen. Noch heute muss er seinen Schülern von den Reisen der Saint berichten. Einige Schicksale bleiben ungewiss. Für Einige endet ihr Abenteuer hier. So verschwindet nun also eine weitere Spezies vom Angesicht der Welt Und irgendwann wird es auch die Menschheit nicht mehr geben. Doch Ideen sind unsterblich. Geschichten sind unsterblich. Weil am Ende die Realität ja doch nur ein Zusammenspiel aus Sinn und Perspektiven darstellt. Und wir ein gemeinsames Ziel haben: Uns zu verbessern, indem wir manchmal Rückschritte machen und Demut lernen.
Schließlich sind wir alle eins. Geboren aus Sternen.
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